Konflikt um Arbeitszeit. Rene Pfister (FSG) ortet Sozialabbau. Sandra Kern (NÖAAB) will mehr Flexibilität.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 20. September 2016 (06:09)
NOEN, Parlament/Simonis
Rene Pfister (FSG): „NÖAAB ist 5. Kolonne der Industrie.“

Beide sitzen im Bundesrat. Sandra Kern für die Landes-ÖVP, Rene Pfister für die niederösterreichische SPÖ. Beide sind in ihren Parteien für die Arbeitnehmer zuständig. Kern beim NÖAAB, Pfister bei den sozialdemokratischen Gewerkschaftern (FSG). Wenig Gemeinsamkeiten gibt es allerdings, wenn es um die Arbeitswelt geht. Während Sandra Kern fordert, dass „übertriebene Regelungen“ für Arbeitnehmer endlich abgeschafft werden, spricht Pfister davon, dass dieser Sozialabbau verhindert werden müsse.

„Wir müssen endlich erkennen, dass wir mit den Regeln des letzten Jahrtausends in Zukunft nicht arbeiten können.“

Sandra Kern

NOEN, NÖAAB
Sandra Kern (NÖAAB): „Pfister verharrt im Denken von gestern.“

In der Vorwoche krachten die beiden dann erstmals direkt aneinander. Sandra Kern hatte in einer Pressekonferenz mit VP-Landesrätin und NÖAAB-Funktionären Barbara Schwarz nochmals darauf gepocht, dass es bei der Mindestsicherung zu Änderungen kommen müsse. Eine Deckelung bei 1.500 Euro für Familien und Mehrpersonenhaushalte sowie die Notwendigkeit, fünf Jahre in Österreich verbracht zu haben, um die volle Mindestsicherung zu kassieren. Schwarz: „Da geht es weniger um ein Einsparen als um Gerechtigkeit.“

Sandra Kern legte dann noch einiges drauf und forderte: „Schluss mit der Pflanzerei der Arbeitnehmer.“ Kern weiter: „Unsere Regelungen in der Arbeitswelt sind zu alt, zu langsam und zu national. Wir müssen endlich aufwachen und erkennen, dass wir mit den Regeln des letzten Jahrtausends in Zukunft nicht arbeiten können.“ Vor allem, wenn es darum gehe, individueller zu arbeiten. Deswegen sollten bei Betrieben bis 100 Arbeitnehmern im Arbeitszeitgesetz betriebliche Vereinbarungen möglich sein.

„Der NÖAAB nicht mehr, aber auch nicht weniger als die 5. Kolonne von Industrie und internationalen Großkonzernen.“

Rene Pfister

Rene Pfister reagierte darauf sehr scharf: „In mir verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass der NÖAAB nicht mehr, aber auch nicht weniger als die 5. Kolonne von Industrie und internationalen Großkonzernen ist. Mehr als neoliberale Dogmen, die darauf abzielen, Arbeitnehmerrechte zu beschneiden oder Sozialabbau zu betreiben, hat er nicht anzubieten.“ Er sei keine gewerkschaftliche Organisation und verhandle daher auch keine Kollektivverträge“, so Pfister. Das schlage sich „in massivem Unwissen“ der Akteure nieder. Bei den kollektivvertraglichen Regelungen von Arbeitszeiten sei man ohnehin gut aufgestellt. Die Vorschläge des NÖAAB würden für angestellte Manager von Vorteil sein, aber nicht für hart arbeitende Arbeitnehmer.

Was Sandra Kern nicht auf sich sitzen ließ: „Es ist völlig unverständlich, dass ein junger Gewerkschaftsfunktionär wie Rene Pfister im Denken von gestern verharrt und nicht erkennen will, dass die Zukunft neue Regeln für die Arbeit braucht.“ Es gebe heute zahlreiche Menschen, der mehr von zu Hause als vom Bürotisch aus arbeiten.