Erstellt am 12. Juni 2018, 01:54

von Carina Rambauske

Die Techniker von morgen. Die praxisnahe Form der Höheren Technischen Lehranstalten ist europaweit einzigartig und gefragt, denn acht von zehn Industrieunternehmen suchen Fachkräfte.

Schüler der HTL St. Pölten tüftelten mit dem Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an einer Lösung, Fotografier-Vorgänge bei archäologischen Grabungen zu erleichtern und beschleunigen. Mit Erfolg: Die erste vollautomatische RTI-Beleuchtungskuppel – der RTI-Dome – mit 40 LED-Lampen und einer Kamera ist bereits in Ephesos im Einsatz. Im Bild: Abteilungsvorstand Elektrotechnik Hermann Binder, Leiter des KNX-Ausbildungszentrums der HTL St. Pölten Gerhard Hinterhofer und die beiden Schüler Michael Pribyl und Niklas Zottl.  |  ÖAW-ÖAI/Niki Gail

Zwischen Drehbank, CNC-Fräsmaschine und Oszilloskop stehen Schüler in Sicherheitskleidung und tüfteln, probieren, entwickeln. Ein automatisches Beleuchtungssystem für Archäologen, um Funde besser zu erfassen, wie beispielsweise von Schülern der HTL St. Pölten. Kleine Satelliten in Form einer Getränkedose, womit sich ein Team der HTL Ybbs für den europäischen Wettbewerb der ESA auf den Azoren qualifizierte. Oder: Schüler der HTL Wiener Neustadt, die sich für die Robotik-Weltmeisterschaft in Kalifornien qualifizierten.

In den Klassenzimmern und Werkstätten der HTLs entstehen technische Innovationsköpfe von morgen. „Wie viel Potenzial und Kreativität in der Jugend liegt, zeigt sich in den Wettbewerben. Das gilt es zu fördern“, so Wilhelm König, Landesschulinspektor für technische Schulen in NÖ. Dieser Praxisbezug werde geschätzt, nicht nur von den Schülern, sondern auch von zukünftigen Arbeitgebern – national wie international.

Mai 2017: Anhebung der Ingenieur-Zertifizierung

Acht von zehn Unternehmen haben Schwierigkeiten, Fachkräfte aus dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu rekrutieren. „Laut einer Umfrage der Industrieellenvereinigung rechnet mehr als jedes zweite Unternehmen damit, dass die Nachfrage nach HTL-Absolventen weiter steigen wird“, führt IV-Präsident Thomas Salzer aus.

Das Erfolgsrezept der HTLs: Praxis. Am Ende der Schulzeit muss zudem jeder Maturant eine Diplomarbeit erstellen, die häufig anhand von konkreten Fragestellungen verfasst wird. „Weil es in den Unternehmen Themen gibt, die eine nähere theoretische Betrachtung brauchen, für die im Tagesgeschäft aber oft zu wenig Zeit bleibt, haben die IV und die WKNÖ eine Diplomarbeitsbörse ins Leben gerufen“, erklärt Salzer. Dort tragen Unternehmen ihre Themen ein, wodurch Schüler bei Interesse direkt Kontakt mit den Betrieben aufnehmen können. Eine Win-win-Situation: „Die Schüler lernen die Betriebe kennen, Betriebe die Schüler. Und sind nicht selten so angetan, diese in ihrem Unternehmen aufzunehmen“, weiß König.

Wünsche? "Dass an diesem Erfolgsmodell nicht gerüttelt wird"

Im Mai 2017 gelang mit der neuen Ingenieur-Zertifizierung und der Anhebung auf das Level des Hochschul-Bachelors eine Aufwertung des HTL-Abschlusses – „vor allem hinsichtlich internationaler Vergleichbarkeit eine entscheidende Verbesserung“, so WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl.

Was sich die HTLs für die Zukunft wünschen? „Mehr Mittel“, so Ute Hammerl, HTL-Direktorin in Wiener Neustadt. „Dass an diesem Erfolgsmodell nicht gerüttelt wird“, sagt Martin Pfefferl, Direktor der HTL St. Pölten. Aber vor allem: „Mehr Schülerinnen“, betont HTL Waidhofen-Direktor Harald Rebhandl. Und vonseiten der Unternehmen: „Noch mehr Lehrkräfte mit Praxiserfahrung“, fordert Salzer „und umfassendere dienstrechtliche Möglichkeiten, damit hoch spezialisierte Techniker aus Wirtschaft und Wissenschaft an den HTLs unterrichten können und wollen.“