Rekordzahl bei Schulanfängern. Bei Taferlklasslern gibt es heuer den höchsten Stand seit zehn Jahren. Neuerungen gibt es vor allem bei Kindergärten.

Von Gina Christof. Erstellt am 06. September 2016 (06:51)
NOEN, NLK/Filzwieser
Bildungslandesrätin Schwarz und Landesschulratspräsident Heuras mit Taferlklasslerin Marissa aus St. Pölten: Wieder mehr Schulanfänger.

„Wir haben heuer am ersten Schultag 16.283 Taferlklassler in Niederösterreich“, erklärt stolz Barbara Schwarz, NÖ Landesrätin für Bildung (VP). Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren seit 2006/07 sei dies ein neuer Höchststand. Grund dafür seien nur teilweise die vielen Flüchtlingskinder, die im Vorjahr nach Österreich gekommen sind. „Die Geburtsstatistik belegt, dass immer mehr Kinder zur Welt kommen“, so Johann Heuras, Präsident des Landesschulrates für NÖ.

Änderungen bei den Jüngsten

Besonders im Kindergarten und der Volksschule ändert sich im kommenden Schuljahr einiges. Schwarz: „Wir führen ab heuer ein verpflichtendes Elterngespräch im vorletzten Kindergartenjahr für Eltern, deren Kinder noch nicht im Kindergarten sind, ein.“ Dabei ginge es vor allem darum, den Eltern die Vorteile des Kindergartens näher zu bringen. „Das sind von sozialen, über sprachliche bis hin zu persönlichen viele, die wir den Eltern bewusst machen wollen.“

Vor Kurzem wurde zudem ein Schwerpunkt auf Kinder mit Beeinträchtigungen gelegt. „Der Schul- und Kindergartenfonds bezahlt Hilfsmittel, wie beispielsweise Hörgeräte, ab sofort zu einhundert Prozent“, so die Landesrätin.

Neu auf Bundesebene kommt ab heuer der Bildungskompass, der den Entwicklungsstand der Kinder aufzeichnet. „Wichtig dabei ist, dass wir den Kindern positive Dinge und Stärken mit auf den Weg geben wollen und keine schweren Rucksäcke“, sagt Schwarz.

Die Bildungsreform schafft zudem das Sitzenbleiben in der ersten bis dritten Klasse Volksschule ab. Es bestehe aber weiterhin die Möglichkeit, sich zurückstufen zu lassen. „Leichter wird auch das Überspringen einer Schulstufe“, so Schwarz.

Auch einen Ausbau der ganztägigen Schulformen strebt Schwarz an: „Derzeit haben wir in Niederösterreich das getrennte Modell, bei dem Eltern ihre Kinder nach dem Vormittagsunterricht in die Nachmittagsbetreuung geben können.“ Rund 15 Prozent der Pflichtschüler würden dieses Angebot derzeit annehmen.

„Bund muss endlich Verantwortung übernehmen und ausreichend Personal zur Verfügung stellen.“

Barbara Schwarz, VP-Bildungslandesrätin

Ein großes – weniger erfreuliches – Thema ist jedoch die Personalsituation. „In den Pflichtschulen haben wir heuer 219 neue Lehrer dazubekommen – wir bräuchten aber noch mehr“, erklärt Heuras. Das Hauptpro-blem sei dabei, dass die Klassengröße von maximal 25 Schülern in Niederösterreich ein absoluter Wert sei, während es auf Bundesebene lediglich ein Richtwert ist. „Das allein bedeutet 260 Dienstposten, die wir vom Bund nicht bekommen“, so der Landesschulratspräsident.

Auch für die Flüchtlingskinder fehlen im kommenden Jahr rund 150 Lehrer, die Deutschkurse anbieten. Im vergangenen Jahr investierte NÖ hier rund vier Millionen Euro in 95 zusätzliche Vollzeitkräfte. „Der Bund muss endlich Verantwortung übernehmen und ausreichend Personal zur Verfügung stellen“, fordert Schwarz.

Zum Schuljahr

Am Montag startet ein neues Schuljahr. Hier die Zahlen und Fakten zu Kindergärten und Schulen in NÖ:

Kindergarten:
Kindergärten: 1.050
Kinder: ca. 51.000
Flüchtlingskinder: 580

Schule:
Pflichtschulen: 990
Klassen: 6.173

Schüler:
Schüler: 180.121
Schulanfänger: 16.283
Volksschulen (VS): 63.851
Neue Mittelschulen: 41.785
Allgemein bildende höhere Schulen: 37.017
Berufsbildende mittlere und höhere Schulen: 31.837
Polytechnische Schulen: 2.632
Allgemeine Sonderschulen: 2.999
Flüchtlingskinder: 3.062