Neuer Schultyp für Pflegeberufe. Gaming soll künftig das neue Ausbildungszentrum für Pflegeberufe, auch mit Matura, werden.

Von Claudia Christ. Erstellt am 24. September 2019 (06:03)
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Die designierte Schuldirektorin Barbara Heigl, Bildungsministerin Iris Rauskala, Anita Fasching (Caritas Sozialstation Scheibbs), Soziallandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Caritasdirektor Hannes Ziselsberger präsentierten die erste Pflegeausbildung mit Matura am neuen Caritas Bildungszentrum in Gaming.
Claudia Christ

Mit einem neuen Schultyp soll künftig eine Lücke in der Pflegeausbildung geschlossen werden: Denn erstmalig in Österreich plant die Caritas am Schulstandort Gaming die Höhere Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege mit Matura zu eröffnen.

Ab dem Schuljahr 2020/2021 können im Caritas Bildungszentrum – kurz BIGS Gaming – am bisherigen Standort der Landwirtschaftlichen Fachschule 60 Schüler ausgebildet werden.

So sehen zumindest die Pläne von Bund, Land und Caritas aus, die am vergangenen Donnerstag in Gaming im Rahmen einer Pressekonferenz das neue Bildungszentrum der Öffentlichkeit präsentierten. „Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen wird zunehmen.

Dadurch steigt auch der Bedarf an Pflege- und Gesundheitsfachkräften. Insofern gilt es, dahingehende Ausbildungsmöglichkeiten – vor allem im schulischen Bereich – proaktiv zu konzipieren und möglichst schnell in die Wege zu leiten. Denn bislang fehlt es an einer Pflegeausbildung mit Matura“, betonte Bildungsministerin Iris Rauskala.

„Laut Prognosen ist der Bedarf an Pflege künftig in Ostösterreich am größten.“ Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister

Derzeit gibt es österreichweit 10.000 Schüler in Gesundheits- und Pflegeschulen. 1.700 schließen jährlich mit einem Bachelor in Diplompflege- oder Gesundheitsberufen ab. Um die steigende Nachfrage an mobiler Hauskrankenpflege abdecken zu können, ist laut Caritas-Direktor Hannes Ziselsberger der neu geplante Schultyp die richtige Antwort auf die angespannte Personalsituation im Pflegbereich.

So werden in der künftigen Privatschule drei Schultypen angeboten: Mit der Höheren Lehranstalt für Sozialbetreuung und Pflege (HLSP), die nach fünf Jahren mit der Matura abschließt, haben die Absolventen auch die Abschlüsse Diplomsozialbetreuer oder Pflegefachassistent in der Tasche. Ebenfalls ab 14 Jahren können Schüler mit ihrer Ausbildung in der dreijährigen Fachschule für Sozialberufe (FSB) beginnen. Die zweijährige Fachschule für Sozialbetreuungsberufe (SOB) legt den Schwerpunkt auf die Alten- und Behindertenbetreuung. Sie kann ab dem 17. Lebensjahr besucht werden. Geplant sind drei Klassen mit je 30 Schülern.

Neuer Lehrplan mit Herzensbildung

Der neue Lehrplan, der neben fachlichen Kompetenzen im Pflegebereich auch wirtschaftliche Komponenten sowie der Herzensbildung einen hohen Stellenwert einräumt, ist einer HLW-Ausbildung am ähnlichsten. „Wir sind überzeugt, dass nach der öffentlichen Ausschreibung des Schulversuches, die im Oktober österreichweit stattfinden wird, die Wahl auf den Standort Gaming fallen wird“, betont VP-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.

Denn dieser Bildungsstandort habe bereits Erfahrung in der Ausbildung. „Zudem ist laut aktueller Prognosen der Bedarf an Pflege künftig in Ostösterreich am größten“, zeigt sich die Landesrätin zuversichtlich, den beispielgebenden Schultyp in Gaming etablieren zu können.

Um die Pilotschule, die im Vorfeld laut Christiane Teschl-Hofmeister einiger Anstrengungen bedurfte, über die Ziellinie zu bringen, muss jetzt mächtig die Werbetrommel gerührt werden. Gilt es doch bis zum kommenden Jahr, Schüler für die drei angebotenen Ausbildungszweige zu begeistern. „Deshalb laden wir alle Interessenten gerne ein, am 8. und 9. November zu den Tagen der offenen Tür zu kommen“, betonte die designierte Schulleiterin Barbara Heigl.