Wissenschaftler beantworten Fragen von Pflegekräften

Seit rund einem Jahr können Pflegende Fragen an Informationszentrum in Krems stellen. Wissenschaftler liefern Antworten. Nach den ersten Monaten im Regelbetrieb und 30 Anfragen fällt die Zwischenbilanz positiv aus.

NÖN Redaktion Erstellt am 07. Januar 2021 | 13:06
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Foto: Lighthunter, Shutterstock.com

Reduziert das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und OP-Hauben durch das Personal während einer Koronarangiographie das Infektionsrisiko für die Patientinnen und Patienten? Gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass die Wischrichtung bei der Wundreinigung einen Einfluss auf die Wundheilung hat?

Das sind Fragen, die sich Pflegekräfte stellen. Antworten bekommen sie beim Pflegeinformationszentrum seit rund einem Jahr von Cochrane Österreich am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der Donau-Universität Krems. Die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Organisationsassistentin sowie eine Informationsspezialistin bearbeiten dort Anfragen nach einem qualitätsgesicherten, standardisierten Prozess.

Das Anfrageservice wird vom NÖGUS gefördert und ist für Pflegepersonen der niederösterreichischen Landes- und Universitätskliniken kostenfrei nutzbar. Seitdem haben Pflegende bereits über 30 Anfragen zur aktuellen wissenschaftlichen Datenlage gestellt. 

Eine Beantwortung dauert 100 Stunden

In internationalen wissenschaftlichen Datenbanken wird
systematisch nach aktuellen Studien gesucht. Häufig werden mehr als 700 Studien gescreent. Es folgt eine Einschätzung, wie wichtig die einzelnen Studien für die Beantwortung der Fragestellung sind. Die betreffenden Studien werden nach ihrer Aussagekraft bewertet.

Die Studienergebnisse werden zusammengeführt und die Anfrage wird mit Blick auf Patientensicherheit und Versorgungsqualität beantwortet. Insgesamt dauert die Beantwortung einer Frage damit rund 100 Stunden, oft auch mehr. Die Antwort ist für alle Interessierten auf der Internetseite ebninfo.at kostenfrei nachzulesen.

Martin Eichtinger Symbolbild Porträt
Martin Eichtinger
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„Dieses einzigartige Service für die größte Berufsgruppe im niederösterreichischen Gesundheitswesen hilft, in der Praxis, wissenschaftsbasierte Pflegemaßnahmen zu setzen, Risiken zu vermeiden und die Versorgungsqualität zu steigern“, betont NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Martin Eichtinger.

„Niederösterreich ist Vorreiter im Bereich der Pflege und Betreuung und arbeitet intensiv an deren künftiger Gestaltung, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Mit unseren Erfahrungswerten bringen wir uns auch gerne bei der österreichweiten Weiterentwicklung des Pflegebereichs ein“, so Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister.

Das Interesse an den Antworten des Informationszentrums ist groß. „Rund 100 Personen abonnieren unsere Rapid Reviews per Mail, die Tweets auf Twitter erreichen bis zu knapp 1.000 Views (#ebninfoAT) und auf der Internetseite interessierten sich bereits über 1.300 Menschen für die Rapid Reviews“, verrät Martin Fangmeyer, der Leiter des Informationszentrums für Pflegende. Auch erhält sein Team immer wieder viele persönliche Rückmeldungen, die zeigen, wie wichtig diese Informationen sind.