Silvan fordert Recht auf 4-Tage-Woche. Zum ersten Mal seit der Kandidatenpräsentation der SP NÖ stellte sich Spitzenkandidat Rudolf Silvan der Presse. Er erläuterte seine Schwerpunkte für den Wahlkampf.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 11. Juli 2019 (15:33)

Landesparteivorsitzender der SP NÖ und Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl spricht bei der ersten Pressekonferenz gemeinsam mit Rudolf Silvan, Spitzenkandidat der SP für NÖ bei der Nationalratswahl, von einem bevorstehenden gewaltigen Umbruch für die österreichische Wirtschaft. Dadurch würden aber auch neue Chancen entstehen. „Das Um und Auf ist eine fundierte Ausbildung und lebenslanges Lernen. Dann ist der Wandel in Wirtschaft und Arbeit eine Chance, die wir in Niederösterreich nutzen können – um den Wirtschaftsstandort zu stärken und den Menschen gute Arbeitsplätze anbieten zu können. Die meisten Länder beneiden uns um unser duales Lehrlings-Ausbildungssystem. Dieses gilt es im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft zu stärken und auszubauen“, sagt Schnabl.


Forderungen für Arbeitnehmer


Rudolf Silvan spricht vor allem davon, dass er sich für die Interessen der Arbeitnehmer stark machen möchte. Er ist Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz in Niederösterreich und war auch zehn Jahre lang – bis zur Änderung des Sozialversicherungsgesetzes durch Schwarz-Blau - AUVA-Vorsitzender für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Seine Schwerpunkte für den Wahlkampf sind in erster Linie Forderungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Ihm ist etwa der beschlossene 12-Stunden-Tag ein Dorn im Auge. Dieser sei nur auf Seiten der Arbeitgeber flexibel: „Wenn Sie zwölf Stunden am Tag arbeiten, ist es klar, dass sie Freizeitblöcke benötigen. Wer glaubt, dass ein Arbeitnehmer bei 32 Grad Hitze nach 60 Stunden Woche am darauffolgenden Montag wieder fit und motiviert in die Arbeit geht, ist im 19. Jahrhundert steckengeblieben“, so Silvan. Das Unfallrisiko würde sich außerdem erhöhen. „Deshalb fordern wir ein Recht auf die 4-Tage-Woche. Die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ist längst überfällig“, sagt Silvan. In Skandinavien sei man schon weiter. Dort gäbe es auch schon Versuche mit dem Sechs-Stunden-Arbeitstag. „In Österreich machen wir aber Schritte zurück“, kritisiert er die letzte Regierung mit dem Beschluss zum 12-Stunden-Tag.

Auch das Thema Hitze spricht der neue SP-Kandidat an. Dass Arbeitgeber in der Bauwirtschaft bereits ab 32,5 Grad hitzefrei geben können und einen Teil der Ausgaben wieder ersetzt bekommen begrüßt Silvan. Er wünscht sich so eine Reglung jedoch für alle Arbeitnehmer, die exponiert arbeiten etwa in „Fabrikhallen und Werkstätten“ ohne Klimaanlagen.


Karfreitagsregelung soll aufgehoben werden


Zu seinen weiteren Forderungen zählt auch, dass er sich sechs Wochen Urlaub nicht nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünscht, die 25 Jahre beim selben Arbeitgeber sind, sondern auch dann, wenn man 25 Jahre gearbeitet hat, egal bei vielen Arbeitgebern. Außerdem soll die erst vor kurzem beschlossene Karfreitagsregelung wieder aufgehoben werden. Weiters wünscht sich Silvan 1.700 Euro Mindestlohn steuerfrei für jeden Arbeitnehmer, der Vollzeit beschäftigt ist: „Das Ganze aber steuerfrei. Sie sollen zwar Sozialversicherungen zahlen, aber keine Lohnsteuer.“

Auch was die Gesundheitsreform betrifft, kritisiert Silvan die ehemalige schwarz-blaue Regierung. Von der letzten Reform sieht er nicht alle Arbeitnehmer erfasst. „Das heißt, es wird weiterhin verschiedene Kassen mit unterschiedlichen Leistungen geben. Die großen Ungerechtigkeiten zwischen Beamtenversicherung und Angestellten-Versicherung werden nicht beseitigt“, so Silvan. Er will einheitliche Beiträge und Leistungen: „Das darf aber nur mit einer Nivellierung nach oben gehen – sie müssen im Sinne der Patientinnen und Patienten getätigt werden.“