Wasserretter müssen zurzeit besonders häufig ausrücken. Im Jubiläumsjahr werden die Einsatzkräfte im Durchschnitt ein bis zwei Mal pro Woche gerufen. Grund dafür ist laut ÖWR-Präsident Markus Schimböck, dass sich aufgrund der Pandemie sehr viele Menschen im Freien und bei Naturgewässern aufhalten. Tipps für ein riskiofreies Badevergnügen haben Schimböck und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 21. Juli 2020 (12:53)

Obwohl sich der Sommer wettertechnisch heuer noch nicht von seiner besten Seite präsentierte, zieht es die Niederösterreicher ins Freie. An Badeseen und Teichen herrscht Hochbetrieb. Das merkt auch die Wasserrettung. In ihrem 60. Jubiläumsjahr werden die Einsatzkräfte besonders häufig alarmiert. "Wir haben zurzeit in Niederösterreich ein-zwei Alarmierungen pro Woche. Normal ist es eine in zwei Wochen", erzählt der Präsident der Österreichischen Wasserrettung Landesverband NÖ, Markus Schimböck. Unfallorte sind dabei meist an öffentlichen Gewässern. Denn dort lauern einige Gefahren.

"In Naturgewässern gibt es oft Unterwasser-Strömungen", nennt Schimböck ein Beispiel. SPÖ-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig ergänzt, dass auch die hohen Pegelstände der vergangenen Wochen immer wieder unterschätzt werden. Sichere Badestellen, die normalerweise kein Problem darstellen, können nach einem Hochwasser plötzlich ein Risiko bergen." 

Handy verursacht nicht nur am Steuer, sondern auch auf der Liegewiese Unfälle

Ein Problem ist oft aber auch mangelnde Aufmerksamkeit. Dass das gerade bei Kindern gefährlich werden kann, betont Schimböck:  "Der Ertrinkungsunfall ist leider immer noch die zweithäufigste Todesursache bei Kindern". Die Retter beobachten seit einigen Jahren, dass das Handy nicht nur am Steuer, sondern auch auf der Liegewiese gefährlich werden kann: "Die Ablenkungsmöglichkeiten für Eltern sind mehr geworden", weiß er. Es reiche, wenn man ein Kind nur wenige Sekunden aus den Augen lässt, schon kann etwas passieren. "Oft ist es nur ein kurzes Whatsapp", berichtet der Präsident der Wasserrettung.

Aufblasbare Donuts und Co. können Aufsicht der Eltern nicht ersetzen

Aufgabe der Wasserrettung ist es, in diesen Bereichen bewusstseinsbildend zu arbeiten. "Ein großer Teil unserer Arbeit ist die Prävention. Wir appellieren immer wieder an die Menschen, aufzupassen. Jeder Unfall ist einer zu viel", sagt Schimböck, der auch ein paar praktische Tipps parat hat: Einerseits rät er Eltern dazu, ihren Kindern knallbunte Badekleidung zu kaufen. Das erleichtere die Suche, für den Fall, dass wirklich etwas passieren sollte. Andererseits betont er, dass Schwimmhilfen nur Hilfen sind. Die bunten Donuts, Einhörner oder Eis-Stanitzel, die momentan besonders häufig auf Schwimmbecken oder Seen treiben, können keinesfalls die Aufsicht der Eltern ersetzen.

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Die Landesrätin ergänzt, dass auch in größeren Gruppen, immer wieder etwas passiere, da hier oft nicht geklärt sei, wer die Kinder beaufsichtige. "Deshalb ist es immer wichtig, eine Person zu bestimmen, die explizit dafür verantwortlich ist", rät Königsberger-Ludwig.  

Schwimmkurse sollen nach der Krise wieder forciert werden

Aber auch praktisch, leistet die Wasserrettung ihren Beitrag, um Unfälle gar nicht erst entstehen zu lassen: "Normalerweise bieten wir Schwimmkurse für Kinder und Rettungsschwimmer-Kurse an", erzählt Schimböck. Im Corona-Jahr mussten die abgesagt werden. Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig sichert aber zu, dass auch sie sich dafür einsetzen werde, dass die, sobald es die Situation der Pandemie zulässt, wieder verstärkt angeboten werden. 

Dass das notwendig ist, beweisen auch die Zahlen: Im Vorjahr verbuchte die Wasserrettung 593 Einsätze. Das ist im Vergleich zu 2018 eine Steigerung um 2,6 Prozent. In zehn Fällen werden im Durchschnitt pro Jahr Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet. In 1.000 Fällen kommt es Erste-Hilfe-Leistungen oder technischen Einsätzen. Ansonsten passen die  Retter auf, damit gar nicht erst etwas passiert: Ihren Dienst haben sie in den vergangenen Jahren verstärkt auf Seen, Badeseen und der Donau geleistet. Vor allem Freizeit-Events wie Sport-Veranstaltungen oder Festivals wurden beaufsichtigt. 

Ulrike Königsberger-Ludwig unterstrich die große Bedeutung, die die Wasserrettung in der Rettungslandschaft in Niederösterreich hat: „Alle 454 aktiven Mitglieder arbeiten ehrenamtlich, es sind keine angestellten Lebensretter, die neben den Einsätzen auch viele Übungen absolvieren müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Insgesamt wurden im Vorjahr rund 42.000 Einsatz- oder Ausbildungsstunden absolviert, 6.000 Stunden davon allein in der Jugendarbeit. Das heißt, auf jeden Freiwilligen kamen im Jahr 2019 rund 92 Stunden“, bedankte sich die SPÖ-Politikerin.

Über die Wasserrettung: Herausgebildet hat sich der Landesverband NÖ der Wasserrettung im Jahr 1960 aus dem „Befehlsbereich 10“ des Österreichischen Bundesheeres. Damals wurden die ersten Einsatzleitungen in Klosterneuburg, Melk und St. Pölten gegründet. Heute ist die Organisation in neun Abschnitte untergliedert. 2002 wurde die Wasserrettung als besonderer Rettungsdienst verankert. Seit 2007 wird sie über den Notruf alarmiert. Mitglieder zählt die Wasserrettung NÖ 1.359, davon 255 Aktive.