Udo Landbauer: „Ich habe nie gern gesungen“. FPÖ-Chef Udo Landbauer sieht in der „Liederbuch-Affäre“ einen Nutzen, hält die ÖVP für den einzigen Koalitionspartner und ist stolz auf Gottfried Waldhäusls Arbeit.

Von Walter Fahrnberger und Daniel Lohninger. Erstellt am 06. August 2019 (06:03)
Straubinger
Udo Landbauer im NÖN-Interview am Rathausplatz in St. Pölten über die Liederbuch-Affäre: „Es gibt keinen Schaden ohne Nutzen.“

NÖN: Nach der Liederbuch-Affäre – wie gern singen Sie noch?
Udo Landbauer: Ich habe noch nie gerne gesungen. Zumindest noch nie gut.

Gibt es etwas, dass Sie aus der Liederbuch-Affäre gelernt haben?
Das Wissen, dass man immer auf der Hut sein muss, was der politische Mitbewerber, aber auch die Medien, gerne konstruieren wollen und können. Aber ich habe auch mitgenommen, dass es keinen Schaden ohne Nutzen gibt. Mein Bekanntheitsgrad ist nach oben geschnellt – das hätte man mit keinem Social-Media-Budget besser bewerkstelligen können.

Auch Heinz Christian Strache konnte bei der EU-Wahl von der „Jetzt erst recht“-Mentalität der FPÖ-Wähler profitieren.
Das würde ich so nicht vergleichen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Vorwürfe falsch sind und ich in die Politik zurückkehren werde, sobald das auch strafrechtlich und moralisch bestätigt ist.

Würden Sie eine Rückkehr von Strache auch begrüßen?
Ob Strache zurückkehrt oder nicht, ist Kaffeesudlesen. Fakt ist, dass er jetzt in der FPÖ keine Rolle spielt und wir die Nationalratswahl zu schlagen haben, danach die Gemeinderatswahl. Das sind die Dinge, auf die ich mich konzentriere.

Mittlerweile hat man den Eindruck, dass das Ibiza-Video der FPÖ nicht mehr schadet.
Es gab offensichtlich das Kalkül, die FPÖ wie nach Knittelfeld zu vernichten. Das gezielte politische Attentat hat aber nicht funktioniert, weil die FPÖ von heute eine völlig andere ist zu damals. Weil wir als Teil der Bundesregierung genau das umgesetzt haben, was wir vor der Wahl versprochen haben. Das haben die Menschen gemerkt und goutieren das auch.

Aber Sie können nicht vom Tisch wischen, dass das von Strache und Gudenus Gesagte nicht in Ordnung war, oder?
Das, was da in einer Weinlaune gesagt wurde, ist das eine. Das andere ist: Was wurde von dem Gesagten umgesetzt? Nichts. Die FPÖ hat sich keine Kronenzeitung gekauft, die FPÖ hat nachweislich, im Unterschied zu anderen Parteien, keine illegalen Spenden von irgendwelchen Vereinen erhalten.

Wie es aussieht, könnte es nach der Wahl wieder eine türkis-blaue Bundesregierung geben – allerdings ohne Herbert Kickl.
Herbert Kickl ist einer unserer erfolgreichsten und wichtigsten Köpfe – und er war der beste Innenminister seit Jahrzehnten. Das ist der Grund, warum er in Niederösterreich unser Spitzenkandidat ist. Was er gemacht hat, war genau das, was die Leute wollten. Dass die ÖVP damit ein Problem hat, zeigt ja nur, dass sie die FPÖ-Themen nicht aufgegriffen und kopiert hat, weil sie davon inhaltlich überzeugt wäre, sondern weil ihnen Berater gesagt haben: Sprich das Thema an und du wirst Wahlen gewinnen. Aber leider ist momentan mit keiner anderen Partei die Fortsetzung der Arbeit der aufgelösten Bundesregierung möglich. Ob man will oder nicht, wird es für die FPÖ also nur die ÖVP als Koalitionspartner geben.

Norbert Hofer erklärte Klimapolitik im NÖN-Interview zu einem der FPÖ-Themen im Wahlkampf. Warum sollte man der FPÖ bei diesem Thema trauen?
Das Thema Umwelt war für uns wichtig, lange bevor ich politisch aktiv geworden bin. Zugleich ist es unseriös, wenn dauernd mit negativen Superlativen wie Klima-Katastrophe gearbeitet wird. Damit will man den Menschen Angst machen, um dann eine CO 2 -Steuer einzuführen. Wir werden dem sicher nicht zustimmen. Ja, Umweltschutz bedeutet für uns auch, dass wir Emissionen und Energieverbrauch reduzieren müssen. Aber wir müssen an vernünftigen Punkten ansetzen – und der globalisierten Welt den Kampf ansagen. Beispielsweise den Containerfrachtern, die Produkte importieren, die wir selbst auch hätten. Die verursachen nachweislich den größten Emissionsausstoß.

Sie sind seit Juli auch Landesobmann. Gibt es Pläne für eine Strukturreform in der Partei?
Wir wollen unsere Gesamtposition weiterentwickeln – auch im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen. Das ist aber kein Projekt, das auf ein oder zwei Jahre angelegt ist, sondern weit darüber hinaus. Es bedarf einer starken Organisation, wenn man es in Niederösterreich mit der ÖVP aufnehmen will. Wir werden den Fokus unserer Arbeit deshalb verstärkt auf die Bezirks- und Ortsgruppen legen, ihnen mehr Ressourcen zur Verfügung stellen und schauen, dass wir flächendeckend gut aufgestellt sind.

Weil Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner Sie nicht in der Regierung haben will, ist Gottfried Waldhäusl Landesrat. Ist das Vorteil oder Nachteil für die FPÖ?
Das ist ein Vorteil, weil Gottfried Waldhäusl die Arbeit hervorragend macht und ich mich auf die parlamentarische Arbeit konzentrieren kann.

Hat Waldhäusl mit einigen seiner Aktionen übers Ziel hinausgeschossen?
Nein. Ganz im Gegenteil. Er macht genau das, was die Menschen fordern, nämlich eine verschärfte Asylpolitik und mehr Sicherheit.