Standing Ovations bei Premiere von Rendi-Wagner. Mit großer Spannung war der erste Auftritt der designierten SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner beim Landesparteitag in Niederösterreich erwartet worden.

Von Walter Fahrnberger und Redaktion, APA. Update am 29. September 2018 (13:39)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr

Und die knapp 1.000 Delegierten und Gäste im Schwechater Multiversum begrüßten die neue Hoffnungsträgerin der SPÖ mit minutenlangen Standing Ovations. Es war eine Lebensentscheidung für sie, die Führung der SPÖ zu übernehmen, betonte Rendi-Wagner.

Der Applaus beim Empfang am Landesparteitag  der SPÖ Niederösterreich am Samstagvormittag habe sie darin bestärkt: „Spätestens als ich diese Stiegen runtergegangen bin habe ich gewusst. Die Entscheidung war goldrichtig“, betonte Rendi-Wagner. Sie stehe  für Chancengleichheit und hat volles Vertrauen in die SPÖ-Funktionäre, betonte die 47-jährige Wienerin.

Nach dem Auftritt von Pamela Rendi-Wagner stellt sich Franz Schnabl seiner ersten Wiederwahl als Landesparteivorsitzender der SPÖ Niederösterreich. Der 59-Jährige ist seit 24. Juni 2017 im Amt. Bei einem damals außerordentlichen Parteitag in St. Pölten erhielt er 98,8 Prozent der Stimmen.

Rendi-Wagner wolle einen Beitrag zurückgeben 

Rendi-Wagner stellte sich in Schwechat als "Kind der Kreisky-Ära" vor. Sie hätte "viele Chancen nicht gehabt, hätte es die Politik der Sozialdemokratie nicht gegeben". Jetzt wolle sie einen Beitrag zurückgeben.

Die Neo-SPÖ-Chefin stellte einmal mehr fest, dass Geburt, Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe nicht über Chancen der Menschen entscheiden dürften. "Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, wir haben ein anderes Menschenbild als die schwarz-blaue Bundesregierung."

"Ihr könnt mir vertrauen", versprach die neue Vorsitzende den Delegierten in Schwechat. "Ich vertraue euch", fügte sie hinzu, weil sie diese Verantwortung "niemals allein stemmen" könne. Rendi-Wagner rief auch dazu auf, mehr Vertrauen in die Partei zu haben und stolz auf selbige zu sein, auf Leistungen ebenso wie auf Werte.

Kritik an der Bundesregierung übte sie etwa im Zusammenhang mit dem Zwölf-Stunden-Tag und der 60-Stunden-Woche, beides "angeblich freiwillig", an der Abschaffung der Aktion 20.000, die zynischer Umgang mit Arbeitnehmern sei, oder an der Absage an die Ausbildungsgarantie bis 25. "Es braucht uns mehr denn je", betonte sie vor den "Genossinnen und Genossen" in Schwechat.

"Ich will, dass wir unser Modell sind"

Die SPÖ werde für die Menschen kämpfen, "die uns brauchen", kündigte Rendi-Wagner an. Es gehe um soziale Wärme, Gerechtigkeit und eine fairen Leistungsbegriff.

Die SPÖ soll aus der Sicht ihrer neuen Chefin eine moderne, progressive, weltoffene Partei sein. Und sie soll sich nicht nur über den politischen Gegner definieren. "Ich will, dass wir unser Modell sind."

Rendi-Wagner gab sich in Schwechat überzeugt, "dass wir das Vertrauen der Menschen bekommen werden". Gemeinsam wolle sie "ein neues Kapitel in der SPÖ starten". Anstehende Wahlen (Arbeiterkammer, EU, Wien, Anm.) würden den "Unterschied zwischen uns und den Herausforderern zeigen".

Die SPÖ stelle viele Fragen, was auch "gut so" sei, sagte Rendi-Wagner. Aber die Partei solle auch den Mut haben, den Menschen "einfachere, verständlichere, direktere Antworten" zu geben.