Debatte um Kinderbetreuung in Niederösterreich. SPÖ verlangt „lebensnahen“ Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten. ÖVP zeigt Angebote auf.

Von Linda Goldsteiner. Erstellt am 06. August 2019 (07:54)
Quelle: Arbeiterkammer NÖ; Foto: FamVeld/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof
In Kategorie A werden alle fünf VIF-Kriterien (siehe Infobox unten) erfüllt. Kategorie B erfüllt nur eines der fünf Kriterien nicht, Kategorie C erfüllt zwei nicht und bei Kategorie D werden drei oder mehr der VIF-Kriterien nicht erfüllt.

67.888 Kinder wurden 2018 in 1.509 Einrichtungen in NÖ betreut. Doch „Angebot ist nicht gleich Angebot“, kritisiert die stellvertretende SPÖ-Landesparteivorsitzende und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Sie bezieht sich auf eine Studie der Arbeiterkammer NÖ. „Es gibt hohen Nachholbedarf, damit Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie lebbar ist“, betont die Landesrätin. Die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, sei Aufgabe der Politik.

Die AKNÖ-Studie analysiert unter anderem die VIF-Kriterien (Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf) von Betreuungsstätten. Je nach Anzahl der erfüllten Kriterien (siehe Infos unten bzw. Grafik oben) werden die Einrichtungen den Kategorien A bis D zugeordnet. A erfüllt alle fünf Kriterien, B erfüllt eines nicht, C zwei nicht, und bei Kategorie D werden drei oder mehr Qualitätskriterien nicht erfüllt.

Demnach waren 2018 nur 19 Prozent aller betreuten Kinder in Kindergärten, die alle fünf VIF-Kriterien erfüllen. Mehr als 30 Prozent aller Kindergärten hätten drei oder mehr Kriterien nicht erfüllt. Bei der Verteilung der VIF-konformen Betreuungsstätten kritisiert die SPÖ außerdem die „großen regionalen Unterschiede.“ Königsberger-Ludwig bezeichnet das Mostviertel als „Notstandsgebiet“ und fordert den Ausbau der Einrichtungen nach den VIF-Kriterien, sodass zumindest eine Einrichtung, die alle Qualitätskriterien erfüllt, regional angeboten werden kann.

ÖVP: „Wir sind auf dem richtigen Weg“

Die ÖVP hält dagegen. Laut Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sei man daran interessiert, die Angebote weiter auszubauen und in NÖ bereits „auf dem richtigen Weg“. Im Jahr 2018 sei die Zahl aller betreuten Kinder bereits um 1.000 gestiegen. Laut Umfrage hätten außerdem 327 Gemeinden im Sommer 2018 eine Betreuung angeboten, die meisten davon ganztätig und mindestens sechs Wochen lang. Das sei laut Teschl-Hofmeister der Idealzustand.

„Erstmals gibt es auch mehr als 400 Kleinkindbetreuungsgruppen und wir rechnen im Jahr 2019 mit der Inbetriebnahme von rund 50 weiteren und ebenso vielen Kindergartengruppen“, so die Landesrätin. Mit dem blau-gelben Familienpaket und der laufenden 15a-Vereinbarungen unterstütze man die Gemeinden beim Ausbau und Betrieb von Betreuungseinrichtungen und orientiere sich an den Bedürfnissen der Eltern.

Die SPÖ will, dass die Bildungszeit im Kindergarten auch auf den Nachmittag ausgeweitet wird und kritisiert weiters die zu kurzen Öffnungszeiten sowie die hohe Anzahl von Schließtagen, nämlich durchschnittlich 29,8 pro Jahr. Teschl verweist dabei darauf, dass die Öffnungszeiten der Einrichtung vom Träger, also von den Gemeinden, bestimmt werden: „Verkürzte Öffnungszeiten wirken sich zudem auf die Höhe der Förderung durch Land und Bund aus“, so Teschl.

VIF-Kriterien

Fünf VIF-Kriterien (Vereinbarkeitsindikator für Familie und Beruf der AK Wien), um Kategorie A zu erfüllen:

  • qualifiziertes Personal
  • höchstens 25 Betriebstage pro Jahr geschlossen
  • mindestens 45 Stunden pro offener Woche geöffnet
  • werktags von Montag bis Freitag geöffnet
  • Angebot an Mittagessen