Erstellt am 28. März 2011, 00:00

St. Pölten wählt schon am 3. Juli. ÜBERRASCHUNG / Matthias Stadler setzt auf einen kurzen Wahlkampf, die Opposition ist empört.

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VON GEORG SCHRÖDER

Freund und Feind waren gleichermaßen überrascht, als SP-Bürgermeister Matthias Stadler in der Vorwoche die Bombe platzen ließ: Die Landeshauptstadt St. Pölten ruft ihre Bürger nicht traditionsgemäß Anfang Oktober, sondern schon am 3. Juli, dem ersten Feriensonntag, zu den Wahlurnen.

„Um einen kurzen und intensiven Wahlkampf zu führen, bei dem Sachargumente im Vordergrund stehen und der deutlich weniger Geld kostet“, begründet Stadler die Vorverlegung der Wahl. Nach der Sommerpause könne im September ohne Verzögerung weitergearbeitet werden, so der Rathauschef. Jene St. Pöltner, die zu Ferienbeginn in den Urlaub düsen wollen, werden auf die „Stimmabgabe mittels Briefwahl“ verwiesen.

Auch wenn Stadler von der Opposition heftig attackiert wird („Panikattacke vor den Mitbewerbern“), ins Schwitzen gerät der rote Frontmann deswegen nicht. Verständlich. Das Rennen um die 42 Gemeinderatssitze dürfte kein Krimi mit Herzschlagfinale werden. Schon gar nicht, wenn es um die Frage geht, wer nächster Bürgermeister wird. Die Landeshauptstadt gilt seit jeher als rote Vorzeige-Hochburg mit einer stabilen absoluten Mehrheit (59,6 Prozent, 26 Mandate).

Die die zehnköpfige ÖVP-Fraktion mit Matthias Adl, ihrer neuen Nummer eins (löste Hannes Sassmann an der Spitze ab), knacken will und dabei auf die Schützenhilfe der Grünen (3 Mandate), Freiheitlichen (2) und Bürgerlisten-Einzelkämpfer Hermann Nonner hofft.

Neu in die Wahlkampfarena steigt übrigens das BZÖ mit einer „Bürgerliste St. Pölten“.

Was die Listen betrifft, ist ein weiterer Zuwachs durchaus möglich. Die Bürgerinitiative „WIR für St. Pölten“, die im Kampf gegen das Frequency-Festival für Schlagzeilen sorgte, überlegt ebenfalls eine Kandidatur.