Reaktionen zum Pröll-Rücktritt.

APA/HELMUT FOHRINGER

ÖVP-Bundesparteiobmann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner: "Erwin Pröll hat für Niederösterreich enorm viel geleistet und erreicht. Er hat sein Amt als Landeshauptmann vorbildlich wahrgenommen und wird daher ein gut bestelltes Haus übergeben. Pröll hat Niederösterreich zu dem erfolgreichen Land gemacht, das es heute ist. Der innovative Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturstandort zeigt das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Arbeit. Er hat das Bundesland mit vollem Engagement voran gebracht und unter die Spitzenregionen Europas geführt. Gerade seine vielen herausragenden Wahlerfolge haben bestätigt, wie sehr die Menschen diesen Einsatz honorieren."

Reinhold Mitterlehner und Erwin Pröll  |  NOEN, APA Archiv

Amon: "Ein Ausnahmepolitiker verlässt die Politik"

ÖVP-Generalsekretär Werner Amon  |  NOEN, APA

"Wir danken Erwin Pröll für seine jahrzehntelange Arbeit und seinen unermüdlichen Einsatz für das Land Niederösterreich. Er ist ein Ausnahmepolitiker, dem die Menschen stets am Herzen lagen. Erwin Pröll hat immer die Stärkung der Wirtschaft und der Lebensqualität der Bevölkerung sowie die Verbesserung der Situation im ländlichen Raum forciert. Sein Engagement in den Bereichen Innovation, Forschung und Bildung untermauert dies eindrucksvoll", so ÖVP-Generalsekretär Werner Amon.

"In Erwin Prölls Ära wurden unzählige Projekte in Niederösterreich realisiert. So entstanden Gewerbe- und Industrieparks, die Betriebsansiedlung begünstigen und neue Arbeitsplätze geschaffen haben", betont Amon. Weitere bedeutende Meilensteine seien die Einführung der Briefwahl und Wählen mit 16 bei Landtagswahlen sowie die Senkung der Schülerhöchstzahl in den Klassen auf 25. "Darüber hinaus sind unter Pröll wichtige Investitionen in den Bereichen Bildung und Forschung getätigt worden, die das Bundesland voran gebracht haben. Mit Erwin Pröll verlässt ein Ausnahmepolitiker das politische Parkett. Ich wünsche ihm für seine Zukunft das Allerbeste."

"Pröll hat Niederösterreich ins 21. Jahrhundert geführt"

Reinhold Lopatka, ÖVP

Reinhold Lopatka  |  APA (Archiv)

ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka: „Erwin Pröll hat im Laufe seiner jahrzehntelangen politischen Laufbahn immer für Land und Leute gearbeitet und so Niederösterreich zu einem Vorzeigebundesland gemacht."

Er habe in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Wirtschaft viel erreicht und große Erfolge erzielt, verweist Lopatka etwa auf den Bau der ersten Biospritanlage Österreichs im Tullnerfeld, die Schaffung des Wirtschafts- und Gewerbeparks Industriezentrum NÖ Süd oder die Einrichtung des Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg.Damit habe der niederösterreichische Landeshauptmann, der seit 1980 Mitglied der Landesregierung Niederösterreichs ist, eine der innovativsten Regionen im Herzen Europas geschaffen. „Die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher haben die Leistungen Erwin Prölls durch überduchschnittliches Vertrauen gewürdigt“, so Lopatka. "Durch sein Wirken hat er entscheidend dazu beigetragen, unser ganzes Land nach vorne zu bringen."

Johanna Mikl-Leitner und Erwin Pröll  |  APA/HERBERT PFARRHOFER

"Für mich steht heute der Respekt vor der Lebensleistung Erwin Prölls im Mittelpunkt", reagierte Landeshauptmannstellvertreterin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die wohl künftige NÖ Landeshauptfrau wird. "Und zu diesem Respekt zählt für mich auch, heute keine weiteren Kommentare abzugeben."

Sobotka: Pröll hat Außerordentliches geleistet

Wolfgang Sobotka  |  NOEN, Marschik

Erwin Pröll habe über Jahrzehnte hinweg die politische Landschaft Österreichs geprägt und stets mit vollem Einsatz im Interesse der Bevölkerung gearbeitet, unterstrich Innenminister Wolfgang Sobotka dessen Bedeutung für die heimische Politik. „Erwin Pröll ist ein Politiker von außergewöhnlichem Format, der in den zurückliegenden Jahren Außerordentliches geleistet hat. Er hat das Amt des Landeshauptmannes in einer sehr heiklen Phase übernommen und Niederösterreich vom Rand der Europäischen Union ins Zentrum geführt“, so Sobotka.

„Die ÖVP Niederösterreich hat unter seiner Führung stets den Zugang zu den Menschen gesucht und wird nun in einem hervorragenden Zustand übergeben, der in Österreich seinesgleichen sucht“, so Sobotka abschließend.

 

Bürgermeister Michael Cech  |  Privat

Michael Cech, Bürgermeister von Gablitz: "Erwin Pröll hat große Verdienste für unser Land erworben, sich immer persönlich zu 100 Prozent eingesetzt und wird mir fehlen, denn seit ich politisch denken kann, war Erwin Pröll Landeshauptmann. Ich denke dass Johanna Mikl-Leitner eine gute Nachfolgerin wäre, die den vielleicht schon etwas „barocken“ Stil modernisieren würde."
Von Erwin Pröll bleibe der hohe Einsatz für das Land, zahlreiche Innovationen besonders im Kulturbereich, bei Gesundheit (z.B. „Med-Austron“) sowie Wirtschaftsbereich und eine einmalige Präsenz und Stärke, die er für Niederösterreich eingesetzt habe.

Karas würdigt Klarheit und Modernisierung

Othmar Karas  |  NOEN, APA/HERBERT NEUBAUER

Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas aus Ybbs (Bezirk Melk), hat das Wirken von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll gewürdigt. "Erwin Pröll steht für Klarheit, Entschlossenheit, Führungsfähigkeit und Modernisierung", sagte Karas Dienstag im EU-Parlament in Straßburg.

Pröll habe Niederösterreich bis in die kleinste Gemeinde nachhaltig geprägt. "Er hat den Wert Niederösterreichs in Europa erhöht". Gut sei, dass mit dem angekündigten Rücktritt im Frühjahr das Rätselraten - ob, wann, wie - beendet wurde. Das Land brauche Klarheit in bewegten Zeiten. Vieles sei im oder stehe vor dem Umbruch", so Karas.

"Er hat den Wert Niederösterreichs in Europa erhöht. Es ist gut, dass das Rätselraten - ob, wann, wie - beendet wurde", ergänzte Karas.

Kern dankt für "Engagement"

Bundeskanzler Christian Kern  |  APA/BKA/ANDY WENZEL

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hat Erwin Pröll seinen Respekt für dessen politisches Lebenswerk ausgesprochen. "Er hat die Politik in Österreich über die Grenzen seines Bundeslandes hinaus geprägt. Ich bedanke mich bei ihm für diesen Einsatz und dieses Engagement", sagte Kern in einer Aussendung.

Die politischen Ideen seien nicht immer dieselben gewesen, meinte der Kanzler. "In diesen 25 Jahren hatte Erwin Pröll mitunter unterschiedliche Meinungen - zu den verschiedenen Bundesregierungen und auch zu meiner Partei, aber eines steht außer Streit: Es war immer dasselbe Ziel - für das Land und seine Menschen zu arbeiten."

Stadler: "Landespolitik neu ordnen"

Matthias Stadler, SPÖ NÖ-Vorsitzender und Bürgermeister von St. Pölten, betont, dass der Rückzug auch für ihn überraschend gekommen sei. Pröll habe sich unbestritten viele Verdienste um das Land Niederösterreich erworben. „Handschlagqualität und Kompromissfindung waren prägende Elemente in der Landespolitik“, sagt Stadler, der auch die Zusammenarbeit auf Augenhöhe würdigte.

Und weiter:  „Aber die Sozialdemokratie war mit seiner Politik – insbesondere im sozialen Bereich – nicht unumschränkt einverstanden, etwa zuletzt bei der Kürzung der Mindestsicherung beispielsweise für Kinder und Pflegende Angehörige von Behinderten.“ Jetzt gelte es die Landespolitik neu zu ordnen. „Den Nachfolger oder die Nachfolgerin werden wir an Parametern Handschlagqualität, Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Kompromissfindung messen“, so Stadler.

Als Bürgermeister betont Stadler, dass er gemeinsam mit Pröll viele für die Stadt wichtige Projekte umsetzen konnten: „Pröll hatte für die St. Pöltner Anliegen immer ein offenes Ohr. Das Land und seine Landeshauptstadt müssten auch in Zukunft weiter zusammenarbeiten – im Sinne aller St. PöltnerInnen und NiederösterreicherInnen. „Wir im St. Pöltner Rathaus sind zur weiteren Zusammenarbeit jedenfalls bereit und wollen den erfolgreichen Weg der Hauptstadtentwicklung gemeinsam mit dem Land fortsetzen“, sagt Stadler abschließend.

 |  NOEN, NLK / FILZWIESER

"Stets das Wohl der Bürger im Blick gehabt"

„Großen Respekt“ zollt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler dem niederösterreichischen Landeshauptmann „für dessen Leistungen in seiner langjährigen politischen Tätigkeit, insbesondere in seiner 25-jährigen Funktion als niederösterreichischer Landeshauptmann“. Pröll, der als durchaus streitbare Persönlichkeit gilt, habe in seinen Funktionen stets das Wohl der Bürgerinnen und Bürger in Niederösterreich im Blick gehabt.

Insbesondere mit seinem Fokus auf Forschung und Innovation habe Pröll das Land Niederösterreich vorangebracht. „Für Pröll sind die Interessen Niederösterreichs stets im Vordergrund gestanden“, ist der SPÖ-Bundesgeschäftsführer überzeugt. Dass nach Jahrzehnten im Dienste des Landes jetzt die Familie Vorrang hat, sei zu respektieren. 

Karin Kadenbach  |  EU

Die niederösterreichische SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach hatte Lob und Tadel für Landeshauptmann Erwin Pröllparat. "Erwin Pröll war all die Jahre ein Landeshauptmann, der mit großem persönlichen Einsatz sein Amt ausgeführt hat - allerdings mit einem Politikverständnis, das nicht nur von den politischen Mitbewerbern, sondern auch in den ÖVP-Reihen schon lange als nicht mehr zeitgemäß gesehen wurde. Es ist höchste Zeit für einen politischen Wandel in Niederösterreich."

Babler: Hoffnung auf neue politische Kultur

Andreas Babler  |  NOEN, NÖN/Foto Tschank GmbH

Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ): „Auch wenn man, so wie ich, vieles politisch nicht teilt, gilt es jedoch dem scheidenden Landeshauptmann als Mensch Respekt zu zollen. Unbestritten hat er in den letzten 37 Jahren, davon knapp 25 Jahren als Landeshauptmann, sein persönliches Leben dem politischen Amt untergeordnet. Das respektvoll anzuerkennen, gebietet der politische Anstand.“

„Für das Land Niederösterreich“, hofft Babler, „dass mit einem Wechsel an der Spitze auch eine neue und zeitgemäße politische Kultur einzieht und sich auch die Sozialdemokratie als politische Kraft neu positionieren kann.“

Wiens Bürgermeister Michael Häupl: „Wenn man mit jemandem seit 1988 sehr intensiv politisch zusammengearbeitet hat, ist es noch nicht ganz durchgesickert, dass dieser politische Gesprächspartner in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung steht.“

Pröll bleibe ihm „sicherlich“ auch nach dem Ausscheiden aus der Politik als Gesprächspartner erhalten, meinte Häupl.

 |  NOEN, APA (epa)

„Mit dem Rückzug von Erwin Pröll geht eine große Ära zu Ende“

Walter Rosenkranz (FPÖ)

„Auch wenn es in der Politik unterschiedlichste Auffassungen gab, so muss man eine 25jährige Amtszeit als Landeshauptmann mit Respekt betrachten. Das ist in der politisch schnelllebigen Zeit schon etwas Besonderes. Erwin Pröll ist es gelungen, eine eigene Marke zu etablieren – `Pröll-Land`, `der Erwin´, ja sogar seine Haartracht waren untrennbar mit Niederösterreich verbunden", so der Landesobmann der FPÖ Niederösterreich NAbg. Dr. Walter Rosenkranz. "Erwin Pröll war sicher Machtpolitiker, was nicht nur die ÖVP intern, sondern bei Föderalismusdebatten die Bundesregierung in Wien praktisch zu spüren bekam. Der Satz ‚Ohne Erwin geht in dieser Republik gar nichts‘ war sicher keine Übertreibung.“

Gottfried Waldhäusl und Walter Rosenkranz (Foto: Franz Baldauf)  |  NOEN, Franz Baldauf

FP-Waldhäusl: Wichtiger Schritt für Niederösterreich

„Nach so vielen Jahren in der Politik ist es nun einmal auch an der Zeit zu gehen“, kommentiert FPÖ-Klubobmann LAbg. Gottfried Waldhäusl den Rücktritt von Landeshauptmann Erwin Pröll. „Pröll hat für das Land Niederösterreich vieles erreicht und weitergebracht“, betont Waldhäusl.

Dennoch habe der Landeshauptmann in den vergangenen Jahren mehr als amtsmüde gewirkt. „Ihm sind viele Fehler unterlaufen, wodurch unsere Landsleute immer mehr auf die Verliererstraße abrutschen, so gesehen war es doch höchste Zeit für ihn den Hut zu nehmen“, sagt Waldhäusl. „Als Waldviertler bin ich davon überzeugt, dass es jetzt für unsere stiefmütterlich behandelte Region nur mehr besser werden kann“, so Waldhäusl abschließend.

Grüne Niederösterreich: „Eine Ära geht zu Ende“

Helga Krismer (Grüne).  |  NOEN, NÖN/Jedlicka

„Mit grenzüberschreitendem Agieren und pro-europäischem Denken hat Erwin Pröll das Land Niederösterreich vom Rande ins Zentrum Europas geführt. Positiv ist sein Zugang zur Kunst zu erwähnen, er hat auch Künstler gefördert, die nicht dem Mainstream in Niederösterreich entsprochen haben“, hebt Helga Krismer, Klubobfrau der Grünen im NÖ Landtag, Verdienste des Langzeit-Landeshauptmanns hervor.

Als Schattenseite dieser langen und machtvollen Ära sieht Krismer "fehlende Transparenz und ein bemerkenswertes Demokratiedefizit. Kontroll- und Mitbestimmungsrechte sind in der Ära Pröll nie ein Thema gewesen. Niederösterreich ist in diesem Bereich Schlusslicht Österreichs." Die Grünen sehen im Rückzug Prölls jetzt die Chance auf einen Neuanfang in Sachen Demokratie. „Niederösterreich hat jetzt die Option auf einen Demokratieschub. Nützen wir diese Chance“, so  Krismer abschließend.

Ulrike Lunacek  |  APA (Archiv)

Die grüne Delegationsleiterin Ulrike Lunacek sah ebenfalls Licht und Schatten bei Pröll. "Er hat sicher sehr viel getan, um nach dem Fall des Eisernen Vorhang das Miteinander zwischen Menschen in Niederösterreich und Tschechien sowie der Slowakei voranzutreiben". Auch im kulturellen Bereich habe Pröll viel getan. Kritisch äußerte sich Lunacek über den Mangel an Transparenz. Ein Beispiel dafür sei auch zuletzt die Debatte um die Stiftung.

"Bemerkenswerter Landeshauptmann mit Licht und Schatten"

Eva Glawischnig  |  NOEN, APA

„Mit Erwin Pröll verlässt eine große Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegsgeschichte die politische Bühne“, zollt Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen, dem scheidenden Landeshauptmann und VP-Chef Niederösterreichs Respekt. „Seine Ära hatte Licht und Schatten. Pröll hat sein Bundesland mit machtvoller Politik vom Grenzland am eisernen Vorhang hin in die Mitte des modernen Europas geführt. Das ist anzuerkennen“, betont die Grüne. „Die Art und Weise, wie er seine Politik gemacht hat, ließ aber immer wieder Demokratiedefizite sichtbar werden. Mitsprache und Kontrolle hatten für ihn keine allzu große Priorität“, bemängelt Glawischnig.

Vor allem die letzten Monate seiner Amtszeit sehen die Grünen kritisch. Glawischnig: „Die bundeseinheitliche Mindestsicherung ist vorrangig an der ÖVP Niederösterreich gescheitert. Mit dieser Kürzung hat Pröll sein eigenes Bild des für alle sorgenden Landesvaters konterkariert.“ Zudem habe er als ÖVP-Landeschef mit Innenminister Sobotka ausgerechnet den Hardliner der Regierungsriege und Vorbereiter für Schwarz-Blau im Bund bestimmt.

"Riesige Chance für Niederösterreich"

Ernest Gabmann, Liste Frank

Klubobmann Ernest Gabmann  |  NOEN, Erich Marschik

"Liste Frank"-Klubobmann Ernest Gabmann: "Während seiner Alleinherrschaft hat der Landesfürst sich eines riesigen Netzwerkes innerhalb von  Wirtschaft, Politik und Medien bedient. Mitgestalten oder Gegenwind waren für die anderen Fraktionen nahezu unmöglich."Für Niederösterreich sei der Rücktritt Prölls daher eine riesige Chance: "Pröll's Nachfolge hat nun 100 Tage Zeit zu beweisen, dass sie Interesse daran hat, einen demokratischeren politischen Weg einzuschlagen als ihr Vorgänger. Nun bleibt abzuwarten, ob Pröll's Nachfolge dem verstaubten Vorbild Prölls folgt oder frischen Wind in die Landesregierung bringt, in der dann tatsächlich alle Wählerinnen und Wähler vertreten werden und nicht nur jene 50,79 Prozent der ÖVP."

Team Stronach: Niederösterreich durchlüften

Renate Krüger-Fischer, Landesobfrau des Team Stronach für NÖ: "In der Zeit nach Erwin Pröll wird viel aufzuräumen zu sein! Wir begrüßen Prölls Einsicht, dass sich die Zeiten ändern und Machtpolitik keine Zukunft hat. Gefragt sind jetzt ein Kassasturz, Transparenz und konstruktive, sachliche Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg zum Wohle der Bürger! Das Verspekulieren der NÖ Wohnbaugelder, das Umgehen der Maastricht Kriterien durch PPP-Finanzierungen und die enorme Verschuldung des Landes sind nur drei Bereiche in denen es Handlungsbedarf gibt. Prölls Rücktritt kann nur ein erster Schritt zur Durchlüftung des Bundeslandes sein, und sollte auch für andere Polit-Dinosaurier beispielgebend sein. Persönlich wünsche ich ihm und seiner Familie alles Gute."

Robert Lugar  |  NOEN, APA (Fohringer)

"Team Stronach"-Klubobmann Robert Lugar: „Erwin Pröll war zweifelsfrei ein erfolgreicher Politiker; aber er hat ein altes System der Politik repräsentiert – geprägt von Eigennutz und wenig Verständnis für das große Ganze. Pröll gehörte zur großen Politikerkaste die es nicht verstanden hat, dass die Bundesländer ein Teil von Österreich und Europa sind.“ Was das Land jetzt brauche, „sind Landeshauptleute, die gemeinsam mit der Bundesregierung an einem Strang ziehen.“Durch den Rücktritt Prölls bestehe Hoffnung, „dass andere Landeshauptleute seinem Beispiel folgen, damit wir gemeinsam an Reformen für unser Land arbeiten können“, erklärte Lugar. In diesem Sinn gelte: „Wir wünsche Erwin Pröll und Österreich alles Gute!“

NEOS NÖ: Weg frei für ein neues Niederösterreich

Landessprecherin Indra Collini  |  NEOS

Befreit und hoffnungsvoll reagiert die Landessprecherin der NEOS Niederösterreich, Indra Collini, auf den angekündigten Rücktritt von ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll. „Die Konsequenz des Landeshauptmanns aus der Affäre rund um die Erwin Pröll Privatstiftung macht den Weg frei für ein völlig neues Niederösterreich. Diese Chance muss nun für einen ehrlichen Neustart im Sinne von mehr Transparenz und Mitbestimmung genutzt werden“, verlangt Collini.Als Bürgerinnenbewegung werde man genau darauf achten, dass „das System Pröll nicht einfach nur mit anderen Gesichtern verlängert wird“, so Collini. Die Namen der kolportierten Nachfolger von Pröll als Landeshauptmann würden den NEOS in Niederösterreich jedoch durchaus Grund zur Besorgnis geben. „Dass mit Innenminister Wolfgang Sobotka und Finanzlandesrätin Johanna Mikl-Leitner ausgerechnet jene zwei Pröll-Gehilfen als Alternative genannt werden, die die skandalöse Steuergeld-Verteilung an die Privatstiftung veranlasst haben, kann ja wohl nur ein Witz sein. Gerade die bevorstehende Rechnungshofprüfung bindet beiden die Hände für echte Arbeit.“

Renner: "NÖ Politik geprägt wie kaum ein anderer"

SPÖ-Landeshauptmannstellvertreterin Karin Renner  |  Herbert Käfer

LHStv. Karin Renner (SPÖ): "Erwin Pröll hat Niederösterreichs Politik geprägt wie kaum ein anderer Landeshauptmann vor ihm. Trotz so mancher unterschiedlicher politischer Zugänge war unsere Zusammenarbeit immer getragen von gegenseitigem Respekt und davon, Niederösterreich positiv weiterzuentwickeln und für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher einen wichtigen Job zu erledigen. Besonders hervorheben möchte ich sein Engagement in der Kultur- und in einer intensiven niederösterreichischen Wirtschafts- und Nachbarschaftspolitik nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Ich danke ihm für seine Arbeit und wünsche ihm und seiner Familie für die Zukunft alles Gute."

Schützenhöfer würdigt "unglaubliche Lebensleistung"

Auch aus den anderen Bundesländern ereilten den scheidenden niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll am Dienstag Lobeshymnen. Sein steirischer Kollege Hermann Schützenhöfer würdigte seine "unglaubliche Lebensleistung", Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer (alle ÖVP) seine "hervorragenden" Verdienste. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) lobte Prölls Handschlagqualität.

Prölls "Lebensleistung", der Niederösterreich über 24 Jahre als Landeshauptmann geführt habe, sei "unglaublich und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", meinte Schützenhöfer. Die "Erfolgsgeschichte Niederösterreichs" sei untrennbar mit dem Namen Erwin Pröll verbunden. Er habe am Montag nach der Ehrenzeichen-Verleihung in Graz noch lange mit Pröll gesprochen und dessen Absichten geahnt, erklärte Schützenhöfer. Der steirische ÖVP-Chef bedankte sich "als Nachbar für die sehr gute Partnerschaft zwischen unseren Ländern".

Für die Zusammenarbeit bedankte sich auch Salzburgs Landeshauptmann Haslauer. "Mit Landeshauptmann Erwin Pröllverlässt eine der prägendsten Persönlichkeiten die politische Bühne. Erwin Pröll hat für sein Bundesland in wirtschaftlicher, kultureller und infrastruktureller Hinsicht Hervorragendes geleistet", schrieb er auf Facebook. "Nicht hoch genug kann die Leistung eingeschätzt werden, federführend für Niederösterreich eine eigene Identität gestiftet zu haben."

Burgenlands SPÖ-Chef Niessl betonte in einer Stellungnahme, ihn verbinde mit Pröll eine "langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen und Parteigrenzen hinaus". Besonders schätze er an Pröll, dass keine Verträge notwendig seien, meinte Niessl: "Wir haben Themenbereiche diskutiert, über gemeinsame Zusammenarbeit bzw. Kooperationen entschieden und diese Abmachungen haben immer eins zu eins gehalten."

"Politische Lichtgestalt in Niederösterreich"

Pröll habe den Zeitpunkt seines Rücktritts selbst bestimmt, und die Entscheidung sei "sein gutes Recht und anzuerkennen", erklärte der burgenländische ÖVP-Chef Thomas Steiner. „Nach so langer Zeit in der höchsten Verantwortung als Landeshauptmann ist die Entscheidung natürlich zu akzeptieren. Erwin Pröll ist eine politische Lichtgestalt in Niederösterreich, hat irrsinnig viel geleistet und für das Land weitergebracht – da könnten sich einige Amtskollegen eine Scheibe abschneiden. Da er vor Kurzem seinen 70. Geburtstag begangen hat und seit 25 Jahren Landeshauptmann ist, steht es ihm zu, zu sagen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt ist.“

Burgenlands Landeshauptmannstellvertreter Hans Tschürtz (FPÖ) ergänzt: "Erwin Pröll hat sehr viel für das Land Niederösterreich weitergebracht. Nach so langer Zeit als Landeshauptmann ist es durchaus auch möglich, dass sich eine gewisse Amtsmüdigkeit bemerkbar macht. Vielleicht haben die Diskussionen der vergangenen Wochen zu diesem Schritt beigetragen."

"Hausverstand, Verantwortung und Weitblick"

"Mit seinem unglaublichen Einsatz und seinem untrügerischen Gespür hat er die Politik weit über die Grenzen Niederösterreichs maßgeblich mitgestaltet und auch die Österreichische Volkspartei nachhaltig geprägt", lobte der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel Pröll. "Er hat in seinem Handeln stets Hausverstand, Verantwortung und Weitblick bewiesen."

Pröll sei allein schon aufgrund seiner langen Regierungszeit, aber auch wegen seiner großen politischen Erfolge aus der Riege der Landeshauptleute herausgestochen, sagte Vorarlbergs Landeschef Markus Wallner (ÖVP). Auch innerhalb der "Familie Volkspartei war Pröll eine große Figur". Er habe intensiv mitgemischt und "wird uns bei manchen Themen sicher fehlen", versicherte der Vorarlberger Landeschef. Der Zusammenarbeit beider Bundesländer unter der Führung Prölls stellte Wallner ein sehr gutes Zeugnis aus. Persönlich habe er vor allem die Unterstützung Niederösterreichs beim Hochwasser 2005 sehr geschätzt.

Platter: „Eine Ära in Niederösterreich geht zu Ende“

Tirols Landeshauptmann Günther Platter spricht seinem Amtskollegen Respekt und Anerkennung für dessen unermüdlichen Einsatz für Land und Leute aus: „Erwin Pröll hat nicht nur Niederösterreich, sondern auch die österreichische Politik während der letzten 25 Jahre als Landeshauptmann maßgeblich mitgeprägt. Er war immer ein Freund klarer Worte, der aus seinem Herzen nie eine Mördergrube gemacht und bei allen Entscheidungen immer sein Heimatbundesland in den Vordergrund gestellt hat. Sein Entschluss verdient größten Respekt. Ich bedanke mich im Namen des Landes Tirol und der Tiroler Volkspartei bei Erwin Pröll für die jahrzehntelange, hervorragende Zusammenarbeit. Ich bin sicher, dass Erwin Pröll die Übergabe seiner Ämter gewissenhaft vorbereiten wird und sicherstellt, dass sein Heimatland Niederösterreich auch in Zukunft in besten Händen ist.“

"Stets offenes Ohr für Bauern"

Bauernbund-Präsident Jakob Auer: "Pröll hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bauern und hat es unbeirrbar verstanden, Anliegen des ländlichen Raumes zu formulieren und in reale Politik für die Menschen in den Dörfern zu übertragen. Mit Strategie, Umsicht und politischem Weitblick setzte er in seiner Ära als Landeshauptmann Meilensteine, die über alle Bevölkerungsgruppen hinweg als positiv für Niederösterreich anerkannt sind. Eine derartige Universalität ist einzigartig und besonders." 

Hogl: „Entscheidung nehmen, wie sie ist"

Wullersdorfs Bürgermeister Richard Hogl  |  Archiv

Landtagsabgeordneter Richard Hogl: „Man muss seine Entscheidung nehmen, wie sie ist“, gibt sich Hogl nun diplomatisch. Er gibt aber zu: „Egoistisch, aus Sicht des Bezirks gesehen, wäre es besser, Erwin Pröll wäre noch geblieben.“

Er verstehe aber, dass ein Mann mit 70 Jahren, der so viel für die Region und das Land geleistet habe, nicht mehr weiter macht. Hogl ist überzeugt, dass es auch nach Pröll gut weiterlaufen werde.

Die ÖVP sei gut aufgestellt. „Er hat noch nie etwas dem Zufall überlassen und das tut er auch jetzt nicht“, meint der Wullersdorfer Bürgermeister in Bezug auf Prölls Nachfolge. Weitere Reaktionen aus dem Bezirk Hollabrunn.

Alle Details zum Rücktritt samt weiteren Reaktionen und wie es jetzt mit NÖ weitergeht lesen Sie kommende Woche in unserer neuen NÖN-Zeitungsausgabe