Thaddäus Ploner: „Missbrauch ist Verrat“. Thaddäus Ploner über seine Aufgabe, die helfen soll, Übergriffe zu vermeiden.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 26. März 2019 (02:45)
W. Hanzmann
Thaddäus Ploner im Exklusivinterview mit NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger: „Lernen, den Gefährdungen wirksam entgegenwirken zu können.“

NÖN: Als Reaktion auf den Bericht der Expertengruppe nach einem Missbrauchsfall im Jahr 1993 hat das Stift Klosterneuburg eine neue Stelle geschaffen – jene des Beauftragten für Berufungsbegleitung und Berufungsstärkung. Was ist es konkret, das Sie machen?

Thaddäus Ploner: Der Dienst, den ich zu leisten habe, nimmt die ganze Berufung in den Blick. Das heißt, dass wir das Gut, das Gott mit der Berufung in uns eingepflanzt hat, zu entfalten lernen. Das heißt aber auch, dass wir lernen, den Gefährdungen, die es gibt, wirksam entgegenwirken zu können.

Wie soll durch Ihr Wirken ein Missbrauchsfall wie jener in der Vergangenheit verhindert werden?

Ploner: Es geht um die Stärkung von uns Geistlichen. Denn es stimmt einfach nicht, dass jeder Priester automatisch Missbrauchstäter ist. Im Gegenteil: Missbrauch ist Verrat an unserem priesterlichen Dienst. Deshalb sehe ich es als Aufgabe meiner Funktion, die priesterliche Berufung zu stärken, zu helfen, das Positive zu entfalten und nicht nur verteidigend zu wirken.

Welche Maßnahmen werden Sie in Ihrer neuen Aufgabe konkret setzen?

Ploner: Ich bin der Beauftragte für die internen Abläufe, also die Mitbrüder hier im Stift, die Pfarrer in den 24 Stiftspfarren, die Pfarrgemeinschaften und die Mitarbeiter. Es wird zusätzlich einen externen Präventions- und Fortbildungsbeauftragten geben, mit dem ich zusammenarbeiten werde. Insgesamt geht es sowohl um schwierige Bereiche wie Missbrauch und Gewalt – und das nicht nur bei Priestern, sondern auch im Leben in den Pfarrgemeinden. Es geht aber auch um Seelsorge und darum, dass wir ein geschultes Auge bekommen, um Missbrauch und Gewalt, aber auch Themen wie Mobbing, Stalking und Machtmissbrauch rasch entdecken und dagegen handeln zu können.

Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Ploner: Das Erste, das ich machen werde, ist, das Gespräch mit allen Präven tionsbeauftragten in den Pfarren zu suchen – und dort, wo es noch keine gibt, sie anregen zu installieren. Diese Beauftragten vor Ort sollen die ersten Ansprechpartner sein. Umgekehrt können die Mitbrüder auch immer zu mir kommen, wenn es etwas ist, das das Pfarrliche übersteigt. Ich will aber auf keinen Fall der Oberlehrer sein, der allen sagt, wie es läuft.

Gibt es Bereiche, die Sie sich besonders genau anschauen?

Ploner: Es darf nichts als selbstverständlich genommen werden, wir müssen uns mit allem auseinandersetzen. Das gilt sowohl für die Spiritualität, aber auch für Gewalt und Missbrauch. Hier braucht es eine klare Sprache, ohne gleich einen Generalverdacht zu haben. Es geht nicht nur um Priester, sondern beispielsweise auch um Machtspielchen in Pfarren oder Schulen. Natürlich ist man darauf angewiesen, was man erfährt. Deshalb geht es jetzt darum, Vertrauen aufzubauen.

Wie wichtig ist Ihnen die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit?

Ploner: Der Fall aus 1993 und dessen Aufarbeitung ist der Expertengruppe zugeordnet, die sich damit eingehend und unabhängig beschäftigt. Das ist gut so. Was wir aus der Vergangenheit mitnehmen können, ist ein wachsames Auge. Jeder von uns Brüdern trägt Verantwortung, so wie jeder Mensch Verantwortung trägt. Meine Aufgabenstellung ist es, Fälle wie jenen in der Vergangenheit zu vermeiden helfen. Gemeinsam mit dem externen Beauftragten werde ich Fortbildungs- und Präventionsprogramme erarbeiten. Es geht darum, dass wir Priester rechtzeitig sehen, wenn beispielsweise ein Kind ständig gehänselt wird – und lernen, wie man das für die Gruppe so ändern kann, dass es ein guter weiterer Weg wird. Hier ist für uns der externe Input sehr wichtig. Wir müssen den Schwächsten eine Stimme geben und ihnen helfen.