"Testen, tracen, impfen" gegen die Pandemie

Politik und Einsatzorganisationen analysierten die Lage in Niederösterreich. Sie sind besorgt über die Ausbreitung der Virus-Mutationen. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig fordern zudem die Anerkennung von "Nasenbohrer-Tests" für das Eintrittstesten, um die über 300 Teststraßen zu entlasten.

Erstellt am 19. Februar 2021 | 14:20
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Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig sowie Vertreter der Gemeinden, Städte und Einsatzorganisationen analysierten gemeinsam mit Experten die aktuelle Corona-Lage.
Foto: NLK Filzwieser

Politik sowie Vertreter aller Einsatzorganisationen trafen einander heute zu einer neuen Lage-Besprechung rund um das Corona-Virus, das Niederösterreich mittlerweile seit einem Jahr fest im Griff hat. 

Aktuell sind den offiziellen Zahlen der AGES zufolge in Niederösterreich 3.893 Menschen mit Covid-19 infiziert. In den Spitälern werden 315 Covid-Patienten behandelt, davon 60 Personen auf Intensivstationen. "Das ist die Hälfte der Patienten, die wir im Herbst in den Krankenhäusern hatten, aber immer noch wesentlich mehr als in der ersten Welle. Also kein Bereich, in dem man einfach alles öffnen kann", analysierte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) die Lage. 

Hinzu komme, dass sich die Virus-Mutationen auch in Niederösterreich ausbreiten. "Die bereiten uns Kopfzerbrechen", gab Pernkopf zu. Nach aktuellem Stand wurden 115 Menschen positiv auf die britische Virus-Variante getestet. Die südafrikanische Variante wurden hingegen glücklicherweise bis jetzt nicht nachgewiesen. 

Die Strategie, die Niederösterreich im Kampf gegen die Pandemie verfolgt, habe sich nicht geändert, betonte Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ): testen, (contact)tracen, impfen. 

Was das Testen betrifft, sind Pernkopf und Königsberger-Ludwig zufrieden: Niederösterreich ist, zumindest, was die absoluten Zahlen angeht, beim Testen Österreich-Meister. In relativen Zahlen liegen das Burgenland und Vorarlberg vorne. Proben entnommen werden mittlerweile an über 300 Teststraßen in Gemeinden, hinzu kommen fünf Teststraßen der Sozialpartner, wie etwa jene im Wifi St. Pölten, und weitere in Betrieben.

Land drängt auf Anerkennung der Nasenbohrer-Tests

Durchführen können die Tests an diesen Standorten jedoch nur medizinische Fachkräfte. Die Politik befürchtet nun, dass diese über kurz oder lang ausgehen werden. "Wir werden auf Sicht dieses Personal nicht stellen können", sagt Königsberger-Ludwig. Deshalb macht sie, gemeinsam mit Pernkopf, Druck auf den Bund, die sogenannten Nasenbohrer-Test, die in Schulen zum Einsatz kommen, auch für das Eintrittstesten zuzulassen. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass diese nicht anerkannt werden", betonte auch Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl. 

Was die Impfung betrifft, sei der Mangel an Vakzinen ein Riesen-Problem. Dennoch seien mittlerweile bereits 94.044 Dosen in Niederösterreich verimpft worden. Rund 33.000 Menschen haben bereits die zweite Impf-Dosis erhalten. Am kommenden Freitag startet, wie berichtet, die Anmeldung für Menschen im Gesundheitswesen sowie enge Angehörige von Schwangeren oder schwerkranken Kindern.

"Politik kann Pandemie nicht alleine bewältigen"

Ebenfalls betont wurde bei der Lagebesprechung, dass die Politik die Pandemie nicht alleine bewältigen könne. "Wir brauchen auch die Bevölkerung dazu". Die Mithilfe beginne damit, dass beim Contact Tracing alle Kontaktpersonen angegeben werden müssen. Die Zahl der angegeben Kontakte ist im Vergleich zum Frühjahr stark gesunken. Außerdem müsse sich auch bei der Impf-Willigkeit noch etwas tun. Momentan sind 532.633 Menschen dafür vorregistriert. Um, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist, eine ausreichende Menge an Menschen zu erreichen, müsse die Zahl noch steigen.

Was die Frage nach möglichen weiteren Lockerungen etwa für die Gastronomie betrifft, wollten sich die Anwesenden nicht eindeutig festlegen. Darüber soll die Bundesregierung am 1. März beraten. Königsberger-Ludwig betonte jedoch, dass man auch psychische Aspekte bei der Festlegung der nächsten Öffnungsschritte berücksichtigen müsse. Einer weiteren Verschärfung durch eine Masken-Pflicht im Freien erteilte Pernkopf eine klare Absage. 

Anders als dem Rest der Bevölkerung geht es übrigens auch den Politikern nach einem Jahr Corona nicht: "Die Pandemie geht uns allen auf die Nerven!", meinte Pernkopf.