Ritter, Romeos und andere Narren. Wo im heurigen Theatersommer geliebt, geträumt und gekämpft wird – von Asparn bis Weißenkirchen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:06)
Träumen ab 5. August im Perchtoldsdorfer Burghof von der großen Liebe: William Shakespeares „Romeo und Julia“ in der Inszenierung von Veronika Glatzner.
Michael Sturminger

Viele haben abgesagt. Fast alle (von diesen) haben verschoben. Und die anderen? Die spielen. Anders als sonst. Zum Teil auch Anderes als geplant. Aber sie spielen. Nämlich: Theater. Im Sommer.

Dafür sind mittlerweile nicht nur die Platzkonzepte und Sicherheitskataloge fertig. Sondern auch die Programmpläne. Und die sind so bunt wie NÖs Sommertheaterlandschaft.

  • Die ersten gehören zwar nicht zum Theaterfest. Spielen aber trotzdem schon seit 20 Jahren Shakespeare, in Mödling. Das Beste daraus zeigt Nicole Fendesack (Regie) ab 2. Juli im Konzerthof ( www.shakespeareinmoe.at ).
  • Die zweiten fangen heuer ganz am Anfang an. Und erzählen in der steinernen Gartenarena in Schiltern das allererste Abenteuer vom rostigen Ritter, vom feurigen Koks und von der forschen Bö. Regie führt Werner Auer, Premiere: 8. Juli . ( www.kindermusical-sommer.at ).
  • Ab 10. Juli wird’s beim diesjährigen Theatersommer experimentell. „Xperiment – Pandemic Edition“ hat Alexander Hauer sein höchst ambitioniertes Alternativprogramm für die Sommerspiele in Melk getauft. Und bringt an zwölf Abenden sechs Stücke von sechs Regisseuren auf die Bühne der Wachauarena – von Hofmannsthal bis Soyfer, von Hauer bis (Helena) Scheuba und von Nestroy bis zur Musikrevue „Simply the Pest“ ( www.sommerspiele-melk.at ).
  • In die Unterwelt geht dagegen Anna Bernreitner mit ihrer Opernreihe an ungewöhnlichen Opernorten ab 16. Juli , und zwar in Waidhofen an der Ybbs. In der dortigen Eishalle sucht Orpheus heuer seine Eurydike und lädt Pluto zur Rollschuhdisco, und das unter der musikalischen Leitung von Raphael Schluesselberg ( www.oper-rund-um.at ).
  • In Asparn geht Michael Rosenberg dagegen nicht in die Unterwelt, sondern unter die Klimaschützer. Pflanzt 35 Bäume. Und besucht Mira Lobes „Städtchen Drumherum“, und zwar ab 17. Juli . Das ist aber noch nicht alles. Denn der Filmhof hat heuer noch eine Herbstproduktion geplant. Und spielt die jetzt schon im August. Am 11. August feiert „Ein Seitensprung zu viel“ Premiere, auf der Besetzungsliste: Bühnen-Star Adriana Zartl, Komödiant Christoph Fälbl oder TV-Liebling Martin Leutgeb ( www.filmhof.at ).

Springen ab 11. August im Asparner Filmhof einmal zu viel „zur Seite“: Adriana Zartl (ganz links) und Nina Hartmann (ganz rechts) mit Christoph Fälbl, Martin Leutgeb und Intendant Michael Rosenberg.
Moni Fellner

  • In Baden ist von vier Sommerproduktionen heuer nur eine geblieben. Aber die ist damit landesweit die einzige, die heuer Operette spielt. Und das in einer komplett neuen Fassung. Die stammt von Michael Lakner. Und erzählt Franz Lehárs „Die blaue Mazur“ in eindreiviertel Stunden, ohne Chor, ohne Ballett, ohne Pause und ohne Patina, dafür mit viel jüdischem Witz, romantischen Verwirrungen – und einem Conférencier namens Oliver Baier. Premiere in der Badener Sommerarena ist am 31. Juli ( www.buehnebaden.at ).
  • Romantische Verwirrungen gibt’s heuer in Perchtoldsdorf auch. Und große Worte. Und große Gefühle. Denn Michael Sturminger hat 2020 „Romeo und Julia“ in den Perchtoldsdorfer Burghof eingeladen. Regie führt der Intendant zwar diesmal nicht (dafür beim Salzburger „Jedermann“). Statt ihm bringt Veronika Glatzner Shakespeares berühmteste Lovestory auf die Open-Air-Bühne, Premiere ist am 5. August ( www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at ).
  • Mehr utopisch als romantisch wird es im Sommer in Mödling, wenn Bruno Max wieder den ehemaligen Luftschutzstollen in der Brühlerstraße aufsperrt. Und dort, im Bunker, „Schöne Neue Welt(en)“ zeigt, von Plato bis Huxley und von Vorgestern bis Übermorgen. Premiere von Bruno Max’ und Marcus Gansers „Utopia“ ist am 13. August ( www.theaterimbunker.at ).
  • Schöne neue (und alte) Abenteuer stehen dagegen in der Europa Halle in der Lerchengasse, ebenfalls in Mödling, am Sommertheaterprogramm. Dorthin hat Norberto Bertassi diesmal seine Familienmusicalproduktion verlegt. Und erzählt von „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, von Freundschaft und Mut, von Liebe und Flucht in schwierigen Zeiten. Ab 14. August ( www.teatro.at ).

Kämpfen ab 14. August in der Mödlinger Europa Halle für ihre Freiheit: "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" in der Familienmusical-Fassung von Norberto Bertassi und Norbert Holoubek.
Alexander Steppan

  • Und ab 4. September hat Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ nicht in Salzburg, sondern in der Wachau wieder seinen großen Auftritt. Und zwar bei Marcus Strahl im Teisenhoferhof von Weißenkirchen. Regie führt Sitzenberg-Intendant Martin Gesslbauer, als Jedermanns Mutter ist Waltraut Haas zu sehen. Theater gibt’s im Teisenhoferhof aber schon ab 24. Juli, und zwar an drei Wochenenden und vom „Freundschaftsspiel“ bis zum „Butterbrot“. Und von 28. bis 30. August, kurz bevor der „Wachauer Jedermann“ einzieht, gibt’s noch ein Wochenende voller Musik, von Rock’n’Roll bis Wilhelm Busch und von Andy Lee Lang bis Werner Auer (www.wachaufestspiele.com).
  • Und in Gars? Gibt’s bei Johannes Wildner heuer keine Oper, auch nicht im Kammerformat, dafür zehn musikalisch-literarische Abende auf der „Klangburg“. Gestartet wird am 3. Juli ( www.operburggars.at ).
  • In Litschau öffnet Zeno Stanek am 7. August sein drittes Theaterfestival namens „Hin & Weg“. Und bespielt mit zahlreichen Gästen an zwei Wochenenden viele Orte am Herrensee ( www.hinundweg.jetzt ).
  • In der Schlossgärtnerei Wartholz in Reichenau macht Max Mayerhofers und David Czifers Lastkrafttheater erste Station seiner heurigen Sommertour. Zu sehen: „Wirbel um die Wirtin“ nach Carlo Goldonis „Mirandolina“ ( www.lastkrafttheater.com ). Und in Pürbach spielt Moritz Hierländer ab 6. August seine erste heurige Eigenproduktion im Wald4tler Hoftheater: Schnitzlers „Reigen“ ( www.hoftheater.at ).