Therapie-Zentrum für Geflüchtete steht vor dem Aus. Seit 14 Jahren wurden im Therapie-Zentrum "Jefira" in St. Pölten traumatisierte Flüchtlinge psychotherapeutisch betreut. Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) strich nun die Förderung für das Zentrum. Bei der Diakonie hofft man auf Spenden.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 15. Februar 2021 (18:15)
Einen Raum psychische Probleme aufzuarbeiten, bietet seit 14 Jahren das Therapie-Zentrum "Jefira".
Nadja Meister

Krieg, Gewalt oder das Verlassen der Heimat: Asylwerber und Geflüchtete haben meist schon viele traumatisierende Erfahrungen gemacht.  „Die müssen aufgearbeitet werden. Das ist eine unbedingte Voraussetzung dafür, Deutsch zu lernen, Erfolg in der Schule zu haben, und schließlich einen Arbeitsplatz zu finden, auf eigenen Beinen zu stehen und seinen Teil zur Gesellschaft beitragen zu können“, sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Professionelle Unterstützung dabei bekamen Flüchtlinge und Asylwerber im Therapie-Zentrum "Jefira" in St. Pölten. Seit 14 Jahren wurden dort in Zusammenarbeit mit Dolmetschern Psychotherapie sowie psychiatrische Beratung angeboten. Nun steht das Therapie-Zentrum der Diakonie vor dem Aus.

Das Land strich die Förderung für das Therapie-Zentrum. Der Einrichtung brechen somit 80.000 Euro pro Jahr weg. Der zuständige Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) erklärt das damit, dass die Betreuung bedürftiger Personen ohnehin gesichert sei. "Jede Person, die eine psychosoziale Betreuung benötigt und eine entsprechende Überweisung in Händen hält, kann diese dann auch jederzeit in Anspruch nehmen. Ein Projekt wie Jefira kann höchstens als Zusatzleistung gelten", sagt der Landesrat auf NÖN-Nachfrage. Zudem sei die Förderung eines solchen Projektes speziell für Asylwerber "ein Schlag ins Gesicht jedes Landsmannes, der Unterstützung wegen psychischer Probleme braucht." 

Bei der Diakonie betont man die schwerwiegenden Auswirkungen des Wegfalls der Förderung:  "Sobald wir weniger Psychotherapien anbieten, bekommen wir weniger Rückzahlungen von der Krankenkasse. Und auch die EU Gelder hängen an der Zahl der angebotenen Therapie-Einheiten." Ein Spenden-Aufruf soll nun dafür sorgen, dass weiterhin rund 100 Klienten pro Jahr betreut werden können. "Laufende Therapie sollen auf keinen Fall abgebrochen werden müssen."

NEOS und Grüne wollen das Zentrum erhalten

NEOS und Grüne setzen sich für den Erhalt der Einrichtung ein. „Der Therapieeinrichtung Jefira gerade jetzt finanzielle Mittel zu streichen, ist eine weitere menschenverachtende Maßnahme von Landesrat Waldhäusl gegenüber asylberechtigen Menschen, Asylwerberinnen und Asylwerber sowie subsidiär Schutzberechtigten", sagt Grünen-Landtagsabgeordnete Silvia Moser. Sie fordert eine Lösung - beispielsweise mittels Sondervertrag zwischen Österreichischer Gesundheitskasse und Land Niederösterreich. NEOS-Landessprecherin Indra Collini betont, dass so die Probleme von Geflüchtete befeuert, anstatt gelöst werden: "Waldhäusls einziges Ziel ist es, Integration um jeden Preis zu verunmöglichen und es den geflüchteten Kindern und Jugendlichen, die in Niederösterreich leben, so unbequem wie möglich zu machen.“