Toter Rekrut: Doskozil will lückenlose Aufklärung. Soldat war an Infekt erkrankt, der zum Tod geführt hat. „Militärische Ehren“ bei Begräbnis für den Grundwehrdiener am Donnerstag.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. August 2017 (03:00)
M. Kalchhauser
Die Radetzkykaserne in Horn und deren Ausbildner standen in der Vorwoche im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Nach dem Tod eines 19-jährigen Grundwehrdieners bei enormer Hitze hagelte es Kritik an den Umständen beim Heer.Wie sich später herausstellte, führte aber ein extrem seltener Infekt zum Tod des Soldaten.

Es ist mit 34 Grad einer der heißesten Tage des Jahres, der 3. August. Die Rekruten der ersten Gardekompanie in Horn sind bei einem Marsch unterwegs – mit Gepäckerleichterung und ohne Helm. Nach drei Kilometern geht es dem 19-jährigen Grundwehrdiener Toni P. schlecht. Der sportliche Wiener, ein Wasserballer vom ASV Wien, wird sofort zur medizinischen Behandlung in die Kaserne und dann ins Horner Spital gebracht. Dort stirbt der junge Mann an Hitzetod. Der behandelnde Arzt äußert bereits den Verdacht einer bakteriellen Erkrankung. Die Obduktion ergibt später Tod durch Überhitzung des Körpers, aber keine Spuren einer Entzündung.

Das sind Fakten zu dem tragischen Vorfall, der in der Vorwoche die Schlagzeilen beherrschte.

„Die Mutter will ausdrücklich, dass ihr Sohn in Uniform begraben wird.“ Oberst Michael Bauer

Was darauf folgte, waren heftige mediale Diskussionen um die Ausbildung, Vorverurteilungen und zahlreiche politische Debatten sowie der Ruf nach Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft in Krems hat Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. Zur Aufklärung des Falles setzte Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) zudem auch eine Untersuchungs- und eine Sonderkommission ein. „Der Fall wird transparent und lückenlos aufgeklärt“, betont der Minister.

APA
Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil verlangt lückenlose Aufklärung.

Vergangenen Freitag dann die Wende in dem Fall. Wie die Staatsanwaltschaft Krems informierte, sind im Blut des toten Soldaten die Keime „Haemophilus influenzae“ und „Streptokokkus pneumoniae“ festgestellt worden. Bei der Obduktion konnten demnach noch keine Entzündungsspuren an den Organen festgestellt werden. Laut Anklagebehörde handelt es sich dabei um einen akuten Infekt. Die Einschwemmung von Keimen ins Blut bewirkte offensichtlich das hohe Fieber und war geeignet, eine Sepsis (Blutvergiftung) herbeizuführen. Diese Form der Erkrankung sei extrem selten und dürfte in Kombination mit den Anstrengungen beim Marsch zur Überhitzung und zum Tod des Soldaten geführt haben.

Dennoch werden die von der Staatsanwaltschaft gestarteten Erhebungen gegen den Ausbildner weitergeführt. Für das Personal und die Grundwehrdiener in der Radetzkykaserne in Horn wurden vorbeugende medizinische Maßnahmen getroffen. „Die neuen Umstände ändern nichts am Tod eines Kameraden“, sagt Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums im NÖN-Gespräch.

Keine Schuldzuweisung von den Eltern

Auch die Ausbildner seien nach wie vor extrem betroffen. Bauer betont aber ausdrücklich, dass die Untersuchungskommissionen auf Hochdruck arbeiten, um den Fall lückenlos aufzuklären. Für die Kommandanten der Garde sei es nicht nachvollziehbar gewesen, dass ein junger sportlicher Mann nach rund drei Kilometern zusammenbricht und „trotz aller medizinischer Fürsorge stirbt“.

Keine Schuldzuweisung an das Bundesheer kommt auch von den Eltern des verstorbenen Soldaten. Das zeigt auch der Umstand, dass die Mutter ein militärisches Begräbnis mit allen militärischen Ehren gewünscht hat. Ihr Sohn soll außerdem nach ihrem ausdrücklichen Wunsch in Uniform begraben werden. Das Heer übernimmt auch die Kosten der Beisetzung, die am Donnerstag in Wien stattfinden wird.

Der Fall in Horn zog auch politische Diskussionen nach sich. Unter anderem sprachen sich die Grünen für eine Reform des Bundesheeres aus. Bundessprecherin Ingrid Felipe lehnt die Wehrpflicht ab, hält aber auch ein Berufsheer für keine gute Option. „Das Bundesheer soll sich mit Profis auf den Katastrophenschutz konzentrieren“, so Felipe zur APA.