Strasser: "Urteil wäre das Aus für Almen". Schadenersatzforderung von einer halben Million Euro nach tödlicher Kuhattacke macht fassungslos.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 26. Februar 2019 (02:54)
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Nach einer tödlichen Kuh-Attacke auf eine deutsche Touristin wurde ein Tiroler Almbauer zu 490.000 Euro Schadenersatz in erster Instanz verklagt. Das Urteil könnte Folgen haben.

Ein Urteil aus Tirol sorgt seit Tagen auch bei den heimischen Landwirten für Empörung. Dort wurde ein Almbauer zivilrechtlich in erster Instanz zu einer Schadenersatzzahlung von 490.000 Euro verurteilt. 2014 war auf seiner Alm eine deutsche Touristin mit Hund von einer Kuh attackiert und getötet worden. Der Bauer wird gegen das Urteil Berufung einlegen.

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Georg Strasser

„Die Umstände sind tragisch, aber das Urteil würde das Aus für unsere Almen bedeuten“, ist der österreichische Bauernbundpräsident Georg Strasser aus Nöchling (Bezirk Melk) fassungslos.

Und auch die NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner sieht eine Lawine von dramatischen Folgen auf Viehhalter in den alpinen Gebieten Niederösterreichs zukommen, sollte das Urteil bestätigt werden: „Sollen die Almbauern jetzt etwa Tausende Kilometer von Zugängen, Wegen und Weiden einzäunen?“, fragt sie sich.

ÖVP Bezirk Scheibbs
Klaudia Tanner

Laut Strasser seien Schadenersatzforderungen von einer knappen halben Million „existenzzerschmetternd“ für die Bauern. Er fordert nun klare Spielregeln. Denn die Alternative wäre, dass die Weiden und Wanderwege für den Tourismus gesperrt werden müssten.

Das stellt auch Josef Mayerhofer, Obmann vom NÖ Alm- und Weidewirtschaftsverein, klar: „Sollte das ein Präzedenzfall werden, geht ein Ruck durch die Landwirtschaft. Landwirte würden weniger Wege freigeben und auch die Wegefreiheit im Wald würde eingeschränkt werden. Und es stellt sich die Frage, wer war zuerst da? Das waren die Weiden.“

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Josef Mayerhofer sieht Nachholbedarf bei der Hundehaltung.

„Nachholbedarf bei Hundehaltung“

Eine Änderung würde einen Rückschlag für den heimischen Tourismus bedeuten. Denn gerade der Fremdenverkehr lebt von einer gepflegten und kultivierten Landwirtschaft, wie Bauernbunddirektorin Tanner betont. Auch wenn der viel diskutierte Fall sich in Tirol abgespielt hat. Von den Konsequenzen des Urteils, das vorläufig in erster Instanz gefällt wurde, wäre in Niederösterreich rund ein Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe, nämlich die rund 11.000 Bergbauernbetriebe, betroffen.

Was den Obmann des Alm- und Weidevereins besonders stört, ist der Umstand, dass bei dem Vorfall in Tirol auch wieder ein Hund im Spiel war: „Das war 100-prozentig Mitschuld. Ich brauche einen Befähigungsnachweis für die Haltung von meinem Kalb. Bei Hunden ist das nicht der Fall. Hier gibt es eindeutig Nachholbedarf“, so Josef Mayerhofer. Der Hund wird von den Kühen als Nachfolger vom Wolf und somit als natürliche Gefahr wahrgenommen.