Gemeinden wünschen sich Gesundheitsversorgung vor Ort. Der österreichische Gemeindebund erhob gemeinsam mit der Bundeskonferenz für freie Berufe (BUKO) die Bedürfnisse der Gemeinden hinsichtlich der Abdeckung freier Berufe. Das betrifft beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Apotheken oder Rechtsanwaltskanzleien.

Von Theresa Bittermann. Erstellt am 13. Juni 2019 (13:56)
Martina Draper/BUKO
Alfred Riedl, Präsident des österreichischen Gemeindebundes, und Thomas Horejs, Präsident der Bundeskonferenz der freien Berufe Österreichs, stellten Umfrageergebnisse aus Österreichs Gemeinden vor.

Aus der Umfrage "Freie Berufe in den Gemeinden" ging deutlich ein großer Wunsch der Gemeinden nach einer ortsnahen Gesundheitsversorgung hervor. 91 Prozent der teilgenommenen Gemeinden halten eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung für "sehr wichtig", die übrigen neun Prozent halten es für "wichtig". Das entspricht also einer Zustimmung von hundert Prozent. 

Freie Berufe eine, dass sie selbst ihre Dienstleistungen anbieten und dabei unabhängig von Politik und Wirtschaft agieren sollen. Ihre Verpflichtung solle nur den Patientinnen und Patienten, Klientinnen und Klienten, dem Gemeinwohl dienen, hieß es bei einer Pressekonferenz. 

"Nichts beschönigen" wollte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl: "Versorgungssicherheit bei den freien Berufen ist ein Thema. Die gesundheitliche Die Grundversorgung ist vor allem im ländlichen Raum in ganz Österreich lückenhaft." Diese Grundinfrastruktur dürfe nicht dem freien Markt überlassen werden. Nicht Profit, sondern das Gemeinwohl solle zentraler Wert bleiben. 

Denn in Deutschland beispielsweise zeichne sich bereits der Trend ab, dass Gesundheit vom Gut zur Ware werde, hieß es weiter. Praxen würden strategisch aufgekauft und dann zu Kliniken in den Ballungszentren werden, sagte BUKO-Präsident Thomas Horejs. 

Einen Appell richten die BUKO und der Gemeindebund also an die amtierende Expertenregierung: Freie Berufe müssten auch am Land attraktiv sein. Es gehe dabei einerseits um die Vertragsgestaltung, aber auch um grundlegende, strukturelle Fragen, wie zum Beispiel eine Verringerung des Bürokratieaufwands für niedergelassene Arztpraxen. Für wirtschaftliche, freie Berufe sei die teils fehlende digitale Infrastruktur am Land zentrales Thema, sagte Gemeindebund-Präsident Riedl.