Umweltschützer stellen Spitzenkandidaten auf die Probe

Aktualisiert am 21. September 2022 | 12:46
Lesezeit: 4 Min
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Die Umweltschützerinnen und Umweltschützer vom Initiativennetzwerk "Klimahauptstadt 2024" bei der Pressekonferenz zum Thema "Zukunftsgewandte Landespolitik".
Foto: Katrin Schinewitz
Mit einem Fragenkatalog rund um die Themen Nachhaltige Wirtschaft, Bodenschutz und Mobilität werden politische Spitzenkandidatinnen und -kandidaten in Niederösterreich von dem Initiativennetzwerk „Klimahauptstadt 2024“ aufgefordert, ihre Ideen für die Zukunft des Landes präsentieren. Gemeinsam mit den politischen Vertretern will das Netzwerk aus Umweltschützern „den Weg in eine umwelt- und klimafreundliche Zukunft“ gehen.
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„Nein, wir treten nicht als Liste zur nächsten Landtagswahl in Niederösterreich an“, heißt es von allen Anwesenden bei der Pressekonferenz unter dem Titel „Umweltschützer eröffnen Wahlkampf in Niederösterreich“. Zahlreiche Initiativen im Land, darunter „Klimahauptstadt 2024“ oder der Verein „Verkehrswende“, haben sich sowohl mit Umweltexperten als auch ehemaligen Politikern zusammengeschlossen, um klare Forderungen in Sachen Klimawandel an die Politik zu stellen.

Mittels eines Fragebogens werden die Spitzenvertreter aller wahlwerbenden Parteien nach ihren Zielsetzungen beim Umwelt- und Klimaschutz abgefragt. „Dabei geht es uns um Themen wie die nachhaltige Umgestaltung des NÖ-Wirtschaftssystems, das Verkehrssystem der Zukunft oder die Reduktion des tagtäglichen Bodenverbrauchs“, erklärt Dieter Schmidradler, Obmann des Vereins Verkehrswende.

Neben dem veröffentlichten Fragenkatalog, gibt es noch eine weitere Maßnahme, um insbesondere die Verkehrswende voranzutreiben. Das Initiativennetzwerk hat Anzeige gegen die Politik wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung durch den Straßenbau erstattet. Gegenstand der Anzeige sei die Tatsache, dass mit jeder neuen Straße mehr Gift in die Umwelt gelangt, welches letztendlich auch für die Weltbevölkerung schädlich sei. „Das Umweltstrafrecht muss mit jeder künftigen Straße, die in diesem Wissen gebaut wird, zur Anwendung kommen“, so Schmidradler.

Öko-Pionier: „Energieproblem nur verbraucherseitig lösbar“

Der Zeitpunkt für die oben genannten Forderungen und Vorschläge sei längst notwendig, denn „Niederösterreich befindet sich schon mitten in der Energiewende“, heißt es von Öko-Pionier Bernd Lötsch. Laut dem Experten könne man die Umwelt nicht auf Kosten von Natur und Landschaft sanieren. „Selbst wenn das gesamte Potenzial an Erneuerbarer Energie in Österreich ausgeschöpft wird, können nur 50 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs gedeckt werden“, sagt Lötsch. Die Lösung müsse von der Verbraucherseite kommen, was enorme Energieeinsparungen bedeuten würde.

Als den „alternativen Energieweg“ beschreibt Lötsch ein sogenanntes „Contracting-Modell“. Bei diesem Modell würden in Haushalten und Betrieben Energie-Lecks von Fachkräften aufgezeigt werden, um den Verbrauch nachhaltig zu reduzieren. Die Kosten dieser Verbrauchsreduktionen sollen durch das Bezahlen der laufenden Energiekosten gedeckt werden. „Zahlt man die gewohnten Energiekosten weiter, senkt aber gleichzeitig den Verbrauch, refinanziert sich ein aufgenommener Kredit aus der Überzahlung der Energiekosten“, erläutert Lötsch.

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Tag für Tag geht wertvoller Boden durch Bautätigkeiten und Verkehrsinfrastruktur verloren.
Foto: Shutterstock.com/Photofex_AUT

Bodenverbrauch und Mobilität als Kernpunkte

Nachhaltigkeitsexperte Markus Puschenreiter betont die Wichtigkeit von klimafitten Böden in Niederösterreich. „Pro Tag gehen 11,5 Hektar Boden durch Bautätigkeiten und Verkehrsinfrastruktur verloren. Bleibt dieser Verbrauch bestehen, werden in 200 Jahren keine fruchtbaren Ackerflächen mehr zur Verfügung stehen“, sagt Puschenreiter. Außerdem trage die Verkehrsinfrastruktur maßgeblich zur Verschlechterung der Bodenqualität bei und die freigesetzten Schwermetalle und Mikroplastikpartikel belasten nicht nur die Umwelt, sondern auch Mensch und Tier.

Dass es in Niederösterreich eine Mobilitätswende braucht, weiß auch die ehemalige Staatssekretärin für die SPÖ Christa Kranzl. Sie fordert ein vereinheitlichtes Bahnsystem sowie den Ausbau und die Reaktivierung der Schieneninfrastruktur. Mit der vollständigen Wieder-Inbetriebnahme der Donauuferbahn für den Güter- und Personenverkehr sowie deren Elektrifizierung, könnte man wieder eine durchgängige Bahnverbindung von Linz bis Krems und Wien bzw. St. Pölten nördlich der Donau schaffen. Laut Kranzl gäbe es keinen Grund die Strecke nicht wieder zu aktivieren. Kranzl übt Kritik an Niederösterreichs Grünen-Chefin Helga Krismer, für welche der Neubau der Donauuferbahn unrealistisch sei, und spricht ihr Lob an die NÖ-NEOS aus, welche die Reaktivierung laufend fordern.

Gemeinsam in eine klimafreundliche Zukunft

Dieter Schmidradler, welcher das Projekt „Klimahauptstadt 2024“ koordiniert, betont abschließend die guten Absichten des Initiavennetzwerks. „Wir möchten Politik und Wirtschaft beim Schaffen einer umwelt- und klimafreundlichen Zukunft unterstützen und brauchen keine Gegner. Aus diesem Grund gehen wir nicht auf die Barrikaden, sondern strecken unsere Hände aus“, sagt Schmidradler.