Eine Stadt schafft den Müll ab: Wie weit ist NÖ?. Finnische Kommune will erste ohne Abfall werden. Wie weit NÖ in dem Bereich ist, zeigt der NÖN-Vergleich.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. November 2019 (02:49)
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Symbolbild

Die alten Holztüren des Amtsgebäudes haben ihre beste Zeit schon hinter sich. Auf dem Müll landen sie in Il aber nicht. In der kleinen Stadt in Finnland wird Altes zu Neuem. Im konkreten Fall heißt das: Aus Türen wurden Tische. Auf denen schreiben jetzt die Kinder in der örtlichen Schule. Auch die anderen Einrichtungsgegenstände dort sind aus alten Gebrauchsgegenständen gefertigt.

Der finnische 10.000-Seelen-Ort hat sich nämlich ein hohes Ziel gesetzt: Als erste Gemeinde weltweit will es Il schaffen, keinen Müll zu produzieren. Bei der europäischen Konferenz „Arbeit braucht Zukunft“ in St. Pölten stellte eine Vertreterin die Ideen vor. Wie die funktionieren sollen und wie weit Niederösterreich in diesem Bereich ist, sah sich die NÖN an.

Herausgestellt hat sich schnell eines: Hinter „Zero Waste“ steckt nicht nur Müll im traditionellen Sinn, gemeint sind auch Emissionen. „Zuerst haben wir geschaut, dass wir auf Öl verzichten. Jetzt produzieren wir Energie nur noch lokal – durch Solar-, Wasser- und Windkraft etwa“, erklärt Leena Vuotovesi vom Unternehmen Micropolis, das die Projekte in Li umsetzt.

Um traditionellen Abfall zu vermeiden, wurden bereits mehrere Projekte wie jenes in der Schule gestartet. „Wir verwenden keine Virgin-Materials“, erklärt Vuotovesi. Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, landen in einer Lagerhalle. „Dazu haben wir ein Logistik-System. Da kann man jederzeit schauen, welchen Müll es gibt und wo sich dieser befindet“, erklärt die Finnin im NÖN-Gespräch.

NÖ:  65 Prozent Recycling und eine Re-Use-Box

Vergleichbare Projekte gibt es in NÖ, laut den Umweltverbänden, sehrwohl – wenn auch in kleinerem Stil. Bis 2024 will das Land eine Recycling-Quote von 65 Prozent erreichen. Auch bei Kleingegenständen setzt man auf Wiederverwertung: Vorbild ist der Abfallverband Schwechat. Dort wurde die Re-Use-Box eingerichtet. Gegenstände, die auf dem Müll gelandet wären, werden nun gesammelt und weiterverkauft.

Auch beim Verzicht auf Plastik, der ebenfalls ein Ziel Ils ist, ist NÖ gut unterwegs. „Das Nachhaltige Beschaffungsservice unterstützt die Gemeinden“, informiert man bei den NÖ Abfallverbänden. Angeboten werden etwa Mehrweg-Becher. Gefeiert werden zudem die „sauberhaften Feste“ – ebenfalls mit Mehrweg-Geschirr.

Dass die finnische Stadt anstrebt, erste Null-Abfall-Stadt zu werden, stößt in NÖ auf Verständnis: „Abfallwirtschaft ist ein Klimaschützer“, weiß Florian Beer von den NÖ Umweltverbänden. Das beginne beim Reparieren von Dingen, gehe über Lebensmittel-Rettung bis zur Müll-Verbrennung. „Am besten ist es, Müll zu vermeiden. Den, der dennoch anfällt, verbrennen wir. Auch so leisten wir einen Beitrag.“