Väterkarenz scheitert an Karriere und Geld. WENIG AKZEPTANZ / In Niederösterreich sind nur 4 Prozent der Karenzgeher Männer. Die Politik will nun mehr Bewusstsein schaffen, damit sich das bald ändert. Primär in der Privatwirtschaft.

Erstellt am 28. August 2011 (19:55)
NOEN, n EOS 400D DIGITAL

VON ROUVEN ERTLSCHWEIGER

UND ANITA KIEFER

Seit 20 Jahren haben Männer das Recht auf Väterkarenz zu gehen oder Teilzeit zu arbeiten. Richtig durchgesetzt hat sich das Modell bis dato aber nicht. Denn der Anteil an Väter in Karenz beträgt in Niederösterreich nur rund vier Prozent. Dabei wäre eine höhere Quote für Soziallandesrätin Barbara Schwarz enorm wichtig: „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentrales Thema in der Gesellschaft und ein zentraler Faktor, gerade wenn es um Familiengründung und die Organisation des Familienlebens geht.“ Sie will sich in Zukunft daher verstärkt einsetzen, dass „karenzwilligen“ Männern eine bedeutendere Rolle zukommt. „Derzeit sind sie noch die große Ausnahme, nehmen nur wenige diese arbeitsrechtlichen Möglichkeiten in Anspruch.“

Der Einkommensverlust  als Haupthindernisgrund

Die Gründe liegen für Hermann Haneder, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, auf der Hand: „Als Haupthindernisgrund für junge Väter steht der Einkommensverlust beim Familieneinkommen im Vordergrund. Wesentlich ist auch der Karrieredruck am Arbeitsplatz.“ Ein Eindruck, den Helga Seidl von der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse teilt. Seidl ist in der Bezirksstelle Horn für das Kinderbetreuungsgeld zuständig – arbeitet quasi an der Front. Ihre Erfahrung? „Pro Monat melden sich rund 30 Frauen punkto Karenz bei mir – Männer sind es ein bis zwei.“ Tendenz gleichbleibend. Seidl glaubt, dass viele Väter einfach aus Karrieregründen die Karenz nicht in Anspruch nehmen können oder auch wollen.

Dabei ist es nicht so, dass die Männer nicht gerne zu Hause bleiben würden. Wie etwa Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek weiß: „In vielen Gesprächen mit jungen Vätern habe ich erfahren: Väter wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen. Die sollten wir ihnen auch geben. Mein nächstes Ziel ist das Papamonat in der Privatwirtschaft.“

Und auch Landesrätin Schwarz will sich für mehr Akzeptanz stark machen: „Das Land setzt sich daher gemeinsam mit der Wirtschaftskammer für vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen ein, um ein Bewusstsein für neue Rollen von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft zu fördern“.

Väterkarenz ist Frage  der Gesellschaftspolitik

Positive Signale kommen auch aus der Privatwirtschaft. Sonja Zwazl, Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich: „Tatsache ist, dass sich familienfreundliche Maßnahmen über bessere Leistungen, weniger Krankenstände oder in der Karenz erworbene Qualifikationen für die Betriebe ökonomisch rechnen können. Der Schlüsselbegriff dabei heißt Flexibilität.“ Allerdings: „Die Väterkarenz ist eine Frage der Gesellschaftspolitik, nicht der Wirtschaft.“