Die neue Öffi-Welt im Jahr 2030. Bevölkerungsplus stellt dicht besiedelte Gebiete vor neue Herausforderungen. Land reagiert mit Mobilitätskonzept.

Von Daniel Lohninger und Anita Kiefer. Erstellt am 12. Dezember 2017 (03:00)
Erwin Wodicka
Symbolbild

Ein St. Pöltner S-Bahn-System, U-Bahn-Anschlüsse für das Wiener Umland, ein dichter Takt auf der neuen Südbahn. Das sind nur einige der Visionen, die 2030 in Niederösterreich Realität sein könnten.

Der Weg dorthin ist lang. Der Ausbau des Öffi-Systems ist im Mobilitätskonzept 2030+ und im Mobilitätspaket 2018-2022 geplant. Angesichts der Bevölkerungsprognosen ist das alternativlos: 2030 werden 300.000 Menschen mehr in NÖ und Wien leben als heute. Das Wachstum konzentriert sich auf Wien, das Wiener Umland, St. Pölten sowie Wiener Neustadt.

Werner Pracherstorfer, Leiter der Abteilung Raumordnung, Umwelt und Verkehr beim Land NÖ, sieht dieses Bevölkerungswachstum neben der Etablierung von Öffi-Modellen in peripheren Gebieten als große Herausforderung für die Planung des öffentlichen Verkehrs in NÖ: „An manchen Bahnstrecken haben wir die Kapazitätsgrenze bereits erreicht.“ Das liegt auch daran, dass so viele Menschen wie nie zuvor Öffis nutzen: etwa 800.000 pro Tag – um 130.000 mehr als vor sechs Jahren.

St. Pöltner S-Bahn kommt bis 2022

Taktverdichtungen sowie infrastrukturelle Maßnahmen wie der Ausbau der Pottendorfer Linie und der Nordbahn sollen Abhilfe schaffen – auch die Errichtung einer zusätzlichen S-Bahn durch Wien. Der Ausbau der Traisentalbahn und der Kremser Bahn sind Voraussetzung für die Einrichtung eines St.

Pöltner S-Bahn-Systems. Bis 2022 soll das Realität sein, legt sich VP-Verkehrslandesrat Karl Wilfing fest: „Seit Ende 2016 besteht ein S-Bahn-Grundsystem mit einem halbstündigen Takt zu den Hauptverkehrszeiten. Wir wollen diese Taktung verdichten.“ Dass bereits alle zwölf Minuten ein Zug den St.

Pöltner Hauptbahnhof Richtung Wien verlässt, ist eine gute Voraussetzung für Anschlüsse aus dem Traisental oder Krems. Eine ähnlich starke Achse soll die Südbahn nach der 2026 geplanten Fertigstellung des Semmering-Basistunnels sein.

St. Pölten und Wiener Neustadt, die beiden größten Städte im Land, rüsten sich für das Bevölkerungswachstum bereits durch den Ausbau des Öffi-Netzes. Das 2016 beschlossene Generalverkehrskonzept in St. Pölten sieht eigene Busspuren auf den Hauptachsen vor – zulasten des Individualverkehrs. Das Lup-Stadtbussystem wurde im Herbst erweitert. Erstmals werden heuer über fünf Millionen Fahrgäste den Busverkehr nutzen – doppelt so viele wie vor zehn Jahren. In Wiener Neustadt soll 2019 das neue Verkehrskonzept fertig sein, versichert Bürgermeistersprecher Matthias Zauner. Die Eckpunkte der Planungen sind neben einer Taktverdichtung auf den Hauptachsen und der Anbindung neuer Ortsteile die bessere Vernetzung der künftigen Stadtbus-Linien mit den Vororte-Linien.

Etwas weniger konkret sind die Pläne für den U-Bahn-Ausbau nach Niederösterreich – in Klosterneuburg und Purkersdorf ein Polit-Dauerbrenner. Aber: Erstmals richtete das Land eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit Potenzial und Finanzierbarkeit eines möglichen Ausbaus beschäftigt.

„Der vom Land geplante Ausbau des Öffentlichen Verkehrs geht in die richtige Richtung“, so Markus Gansterer vom Verkehrsclub Österreich dazu. Wesentlich wäre zudem die Schaffung von Rad-Highways ins Wiener Umland und nach St. Pölten. Außerdem dürfe das Land die Entwicklung von Siedlungsgebieten und Gewerbestandorten nur dort forcieren, wo es bereits eine gute Anbindung an Öffis gibt. Hier wäre die Raumordnung gefordert.