Höbart: "Kontakt zu HC Strache nie abgerissen". Der frühere FPÖ-Funktionär Christian Höbart ist nun Teil des "Team Strache". FPÖ-Landesparteiobmann Landbauer zeigt sich nicht überrascht. Er meint aber, Höbart gebe damit eine "langjährige Mitgliedschaft" für ein "Glücksritterexperiment" auf.

Von NÖN Redaktion. Update am 16. Mai 2020 (13:32)
Udo Landbauer (links) Christian Höbart (rechts)
FPÖ Niederösterreich/FPÖ

Aus der Allianz für Österreich (DAÖ), die im Dezember 2019 von ehemaligen Wiener FPÖ-Gemeinderäten gegründet worden war, wurde heute das Team HC Strache. Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache übernahm den Parteivorsitz, präsentierte seine Pläne und sprach von 1.000 Mitgliedern oder Unterstützern in Wien. Als prominentesten Neuzugang stellte er Christian Höbart vor. Er soll Generalsekretär werden.

Der 44-Jährige saß für die FPÖ über ein Jahrzehnt im Nationalrat und spielte auch in der blauen Landespartei eine wichtige Rolle. Bis 2018 war er geschäftsführender Landespartei-Obmann in Niederösterreich. FPÖ-Landespartei-Obmann Udo Landbauer spricht in seiner ersten Reaktion von einem "absehbaren Wechsel", meint aber auch, dass Höbart seine langjährige Mitgliedschaft für ein Glücksritterexperiment aufgebe. "Mit der Unterstützung für die Liste Strache ist die Mitgliedschaft von Christian Höbart in der Freiheitlichen Partei automatisch verwirkt. Er ist damit kein Mitglied der FPÖ mehr“, informiert Landbauer.  

"Schlagen uns nicht mit beleidigten Ex-Mandataren herum"

Als Grund für den Wechsel von der FPÖ zum Team Strache ortet er den Verlust seines Nationalratsmandats: „Nachdem Christian Höbart in der Freiheitlichen Partei kein Nationalratsmandat mehr erreicht hat, versucht er sein Glück nun woanders. Wir Freiheitliche arbeiten unbeirrt weiter für die Menschen in unserem Land und werden uns nicht weiter mit beleidigten Ex-Mandataren herumschlagen. Ich wünsche ihm für seine persönliche Zukunft alles Gute“, so Landbauer.  

Für Höbart haben sich innerhalb der FPÖ „die Dinge seit Ibiza verschoben. Ja, HC hat Mist gebaut, aber er hat es nicht verdient, dass auf ihn hingetreten wird. Immerhin hat er 14 Jahre lang die FPÖ geführt“. Dann sei ein „total verkorkster Wahlkampf erfolgt“, der ihm das Nationalratsmandat gekostet hat.

Höbart: "Gesamter Weg der FPÖ für mich diffus"

Der Kontakt zu HC Strache sei nie abgerissen, vor etwa zwei Wochen sei die Entscheidung gefallen, ins „Team HC Strache“ zu wechseln. Differenzen mit der Spitze der Landes-FPÖ und der Umstand, dass „der gesamte Weg der FPÖ für mich diffus ist“, haben die Sache leichter gemacht, merkte Höbart an. In seinem Heimatort Guntramsdorf (Bezirk Mödling) konnte Höbart als Spitzenkandidat der FPÖ im Jänner die fünf Mandate halten.

Mit Stefan Berndorfer und Nicole Geiger sind nunmehr zwei weitere Mitglieder aus der FPÖ ausgetreten. Aufgrund des „Versteinerungsprinzips“ werde man auf lokaler Ebene weiterhin als „Freiheitliche und Unabhängige“ auftreten, betonte Höbart. „Wir stehen auch künftig für Politik für Guntramsdorf.“ Wer Höbart als FPÖ-Bezirksparteichef nachfolgen wird, ist noch nicht bekannt.

FPÖ-Gemeinderat Gattermaier wirft Höbart Wortbruch vor

Der Guntramsdorfer FPÖ-Gemeinderat Dominic Gattermaier, "treuer und langjähriger Wegbegleiter" Höbarts, nimmt dessen Entscheidung zur Kenntnis, stellt aber gleichzeitig klar: „Als vermeintlicher Freund bin ich persönlich schwer enttäuscht. Die gesamte Ortsgruppe ist mit Christian Höbart Tag und Nacht gelaufen, hat ihn unterstützt und wäre ihm niemals in den Rücken gefallen."

Dominic Gattermaier
FPÖ Guntramsdorf

Die FPÖ Guntramsdorf sei, so Gattermaier, nun nur noch durch ihn und Michael Träger im Gemeinderat vertreten. Für den Gemeinderatsklub im Guntramsdorfer Gemeinderat würden die Austritte bedeuten, dass es zwar noch formell einen Klub gebe, der sich „Freiheitliche & Unabhängige“ nennt – da hier das „Versteinerungsprinzip“ gilt – aber „natürlich kann man in der Praxis nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, so der freiheitliche Gemeinderat.

Jeder der "Überläufer" habe bereits vor der Gemeinderatswahl per Unterschrift bestätigt, dass man im Falle eines Parteiaustrittes sein Mandat zurücklegen und zur Verfügung stellen werde. „Ich hätte mir erwartet, dass man zu seinem Wort steht und sich selbst ernst nimmt. Anscheinend überwiegt hier das finanzielle Interesse“, so Gattermaier, der nun vom Ortsparteivorstand mit der Fortführung der Geschäfte betraut worden ist. "Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Wählern für den Wortbruch von Christian Höbart entschuldigen und reiche allen die Hand, um mit uns Freiheitlichen gemeinsam Guntramsdorf nach vorne zu bringen. Es geht schließlich um die Sache und nicht um Personen.“

Zur Person: Höbart war von 2008 bis 2019 Nationalratsabgeordneter der FPÖ. In dieser Zeit war er auch Spitzenfunktionär in Niederösterreich, darunter von 2013 bis 2018 geschäftsführender Obmann der Landespartei.