Andor Nagy: „Lieber ein schwarzes Schaf mit Erfolg“. Ungarns Botschafter Andor Nagy blickt zufrieden auf die Entwicklung seines Landes seit 1989 zurück.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 09. April 2019 (02:17)
Marschik
Der ungarische Botschafter Andor Nagy im NÖN-Interview: „Beziehungen zwischen Ungarn und Niederösterreich sind sehr gut.“

Am 27. Juni 1989 entstand das Foto, das um die Welt ging: Die Außenminister Alois Mock und Gyula Horn durchschneiden den Zaun an der österreichisch-ungarischen Grenze. Fast 30 Jahre danach bereiten sich sowohl Österreich als auch Ungarn auf die Jubiläumsfeiern vor. „Es ist ein schönes Gefühl, dass die Region zusammengewachsen ist“, ist der ungarische Botschafter Andor Nagy bei einem Besuch im NÖ Pressehaus mit der Entwicklung seit damals zufrieden.

Obwohl Niederösterreich keine direkte Grenze zu Ungarn hat, haben sich die Beziehungen in den 30 Jahren deutlich vertieft. Nagy ist nicht nur gern gesehener Gast bei Veranstaltungen im Palais Niederösterreich, sondern auch viel in Niederösterreich unterwegs. „Ich würde sagen, dass die Beziehungen zwischen Ungarn und Niederösterreich sehr gut sind“, erklärt er. Niederösterreich ist viertwichtigster Wirtschaftspartner Ungarns, mit Firmen wie Agrana unterhält die ungarische Regierung sogar eine strategische Zusammenarbeit und ohne ungarische Arbeitskräfte wären viele Gastronomiebetriebe im Land aufgeschmissen.

"Damals war Ungarn das Lieblingskind Europas"

Noch nicht im Boot ist Niederösterreich beim gegenwärtig wichtigsten multilateralen Projekt: In Zalaegerszeg errichtet Ungarn mit Unterstützung von Slowenien und der Steiermark ein Testgelände für Autonomes Fahren. „Das ist ein Projekt, bei dem nicht nur Regierungen, sondern auch Firmen, Universitäten und Städte sehr eng zusammenarbeiten“, betont Nagy. Er hofft zugleich, hier auch das Land Niederösterreich als Partner ins Boot holen zu können.

Weniger Freude hat Nagy mit dem Bild Ungarns in Österreich: „Wir haben eine Demokratie, wir haben Presse- und Meinungsfreiheit und die Rechtsstaatlichkeit ist nicht in Gefahr.“ Dass Orban an diesem Bild selbst schuld sei, bestreitet Nagy: „Er ist ein Ministerpräsident, der sein Land unter allen Umständen verteidigt. Und das kommt manchmal nicht so sympathisch an.“ Den Wandel von Ungarns Außenbild seit 1989 beschreibt Nagy so: „Damals war Ungarn das Lieblingskind Europas. Heute ist es das schwarze Schaf. Ich würde dazu sagen: Lieber ein schwarzes Schaf mit Erfolg als ein Lieblingskind vor dem Bankrott.“