Wald bietet dramatisches Bild. Bundesforste planen „Wald-Umbau“. Fichten am Rückzug. Vielfalt ist Gebot der Stunde.

Von Martin Kalchhauser und Karin Widhalm. Erstellt am 23. Juli 2019 (01:07)
Martin Kalchhauser
Sorgenfalten: Die Bundesforste-Vorstände Georg Schöppl und Rudolf Freidhager demonstrieren mit Revierleiter Martin Schönsgiebl und Betriebsleiter Bernhard Funcke (v. l.) die dramatische Entwicklung im Forst. Kleines Bild: Bauernbund-Direktorin Klaudia Tanner rechnet damit, dass sich bald alle Forstbetriebe mit dem Borkenkäfer auseinandersetzen müssen.

150 Traktoren fuhren in der Vorwoche in Fratres (Bezirk Waidhofen/Th.) auf: Der Bauernbund protestierte gegen Holzimporte: Holzverarbeitungsbetriebe importieren mehr als behauptet, während die eigenen, von Borkenkäfern zerfressenen Stämme liegen bleiben, so der Vorwurf.

Sägewerksbetreiber sagen hingegen, dass sie gerade heuer Platz für Heimisches geschaffen haben. Grund allen Übels ist der Schädling, der besonders in den Bezirken Horn und Waidhofen/Th. großflächige Schlägerungen nötig macht. „Die Situation spitzt sich dramatisch zu“, werden sich laut Bauernbund-Direktorin Claudia Tanner alle 31.000 Forstbetriebe in NÖ damit auseinandersetzen müssen.

Vielfalt als Chance auf Überleben des Waldes

„Das Waldbild wird sich verändern müssen“, meinte der Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Rudolf Freidhager, in der Vorwoche bei einem Lokalaugenschein im Wald bei Droß (Bezirk Krems), wo die dramatische Situation gut sichtbar ist. Geht man von einer durchschnittlichen Erwärmung um 2

Grad aus, „wäre das beim Menschen hohes Fieber“. Werden 4 Grad Realität, stehe der Wald vor einem Fieberkrampf. „Das ist das brisanteste Thema für den Forst für Generationen!“ Aktuell sind bei den ÖBf im Waldviertel 89 Prozent (!) der Ernte Schadholz. Aufgrund der Trockenheit sind Fichten und Kiefern extrem anfällig für den Borkenkäfer.

Erich Marschik

Bei den forstlichen Maßnahmen, mit denen in vielen Regionen auf das Aussterben der Fichte reagieret wird, ist Eile geboten. Daher haben die ÖBf bereits mit dem „Wald-Umbau“ begonnen. In NÖ werde der Anteil der Fichte von 80 auf 40 Prozent sinken. In Höhen unter 600 Metern wird sie ganz verschwinden. Die Zahl der Lärchen, Tannen, Buchen, Eichen, Ahorn und Linden soll zunehmen. Eine Chance für die Waldbauern biete auch die Douglasie, die für Freidhager keine neu eingebürgerte Baumart, sondern eine „Rückkehrerin“ ist. „Je nach Region, Bodenbeschaffenheit, Mikroklima und Höhenlage werden die Veränderungen sehr unterschiedlich ausfallen“, gibt es aber kein Generalrezept.

„Wir wollen versuchen, mit heimischen Baumarten auszukommen. Aber wenn der Klimawandel voranschreitet, werden wir uns umsehen müssen, was heute in Syrien und im Libanon wächst.“ Beim Wald-Umbau arbeiten die Bundesforste eng mit der BOKU zusammen. Dank umfangreicher Daten von 166.000 Orten in Österreich verfügt man über ein dichtes Info-Netz als Basis für eine gute wissenschaftliche Basis.

Weil man vermehrt auf Naturverjüngung setzen muss, die durch Wildverbiss erschwert wird, spielt schließlich auch die Kooperation mit den Jägern eine zunehmend wichtige Rolle.