Weinviertler Kellergassen am Weg zum Weltkulturerbe

Ein Dutzend alter Bräuche aus NÖ ist mit UNESCO-Prädikat geschützt. Weinviertler wollen das auch für ihre Kellergassen.

Erstellt am 07. Januar 2022 | 03:06
Lesezeit: 3 Min
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Die Kellergasse in Falkenstein im Bezirk Mistelbach soll mit ihren Traditionen – wie mindestens 50 andere im Land – in den nächsten Jahren zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt werden. Ein Verein bereitet dazu nun die Antragstellung bei der UNESCO vor.
Foto: WeinviertelTourismus/Mandl

Die Pecherei, ein traditionelles Handwerk zur Gewinnung von Harz aus Föhrenbäumen, das Jauken, ein seit dem 16. Jahrhundert bestehender Hochflugtaubensport, oder das „Odlatzbia oröwen“, also das Ernten von Elsbeeren im Wienerwald, zählen zum immateriellen Weltkulturerbe in Niederösterreich. Dieses Prädikat verleiht die UNESCO an kulturelle Ausdrucksformen, die unmittelbar von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden.

Mit den „Weinviertler Kellergassen“ soll Niederösterreich, wenn es nach dem Verein der KellergassenführerInnen geht, bald um ein immaterielles Weltkulturerbe reicher werden. Bei einem Kongress wurde beschlossen, die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO vorzubereiten. Nun wird dafür auch ein eigener Verein gegründet.

Gespräche werden auch mit Nachbarstaaten geführt

„Die kulinarischen Kellergeheimnisse oder die alten Handwerkstechniken sind allesamt Bestandteil der Kellergassenkultur. Neben vielen Weinbräuchen sind auch die typischen Kleidungsstücke wie Fiata oder Kalmuck sowie die traditionellen Kellerlieder eng mit unserer Kellergassenkultur verbunden“, begründet Vereinsobmann Joachim Maly den Wunsch nach Aufnahme ins Verzeichnis. Ins Auge gefasst haben Maly und seine Mitstreiter zurzeit 50 bis 75 Kellergassen im nord-östlichen Weinviertel sowie dem Pulkautal. Gespräche geführt werden aber auch mit den Nachbarstaaten. „Ob schlussendlich alle Kellergassen oder nur die des Weinviertels Weltkulturerbe werden, weiß ich heute noch nicht“, sagt der Poysdorfer Maly. Sein Ziel ist es, 2024 einen Antrag bei der UNESCO stellen zu können. Tun müsste das die Republik.

Unterstützung bekommt der Verein von Landtagspräsident Karl Wilfing, der selbst in Wetzelsdorf im Bezirk Mistelbach lebt: „Damit die ‚Dörfer ohne Rauchfang‘ sowie die damit verbundenen Traditionen wie das ‚In d’Grean gehen‘ oder verschiedene Winzerbegriffe auch für die kommenden Generationen bewahrt werden, bedarf es zahlreicher Aktivitäten.“

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Karl Wilfing sieht gute Chancen für Kellergassen.
Foto: Landtag/ Schultes

Diese würden durch die Aufnahme der Kellergassenkultur als immaterielles Kulturerbe aus seiner Sicht eine weitere Stärkung erfahren. Wilfing sieht wie Maly gute Chancen auf die Aufnahme ins Verzeichnis: „Wir haben erfahren, dass die Kellergassen als Ensemble große Chancen haben, zunächst auf die Warteliste zu kommen. Damit wäre eine wichtige Hürde auf dem Weg zum Erhalt dieser regionalen Tradition genommen.“

Vorhaben im zweiten Anlauf

Insgesamt ist das Vorhaben damit schon „mehrere Schritte weiter“, als es vor 15 Jahren war. Schon da wurde, wie Maly erzählt, ein Versuch unternommen, die Kellergassen zum Weltkulturerbe zu machen. Der ist aber gescheitert. Angeblich auch, weil man das Land nicht für den Plan gewinnen konnte.

Glückt das Vorhaben diesmal, könnte NÖ in einigen Jahren auf eine Liste von 13 geschützten Bräuchen und Praktiken blicken. Hinzu kommen solche, die für ganz Österreich in das Verzeichnis der UNESCO aufgenommen wurden. Das ist beispielsweise das Handwerk der Köhlerei, das etwa von Familien in Rohrbach im Gebirge (Bezirk Neunkirchen) auch heute noch betrieben wird.