Niederösterreich im Wandel: Neue Strategien notwendig. 60 Prozent mehr Unternehmen als vor 15 Jahren. Mehr Arbeitsplätze sollen in die Regionen.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 10. September 2019 (03:36)
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Die Spitze der Landes-ÖVP rund um Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei der Besichtigung des „Vorzeigebetriebs“ Worthington in Kienberg. So wie beim Stahlflaschenproduzenten sollen in Zukunft mehr Arbeitsplätze in die Regionen verlagert werden, um den ländlichen Raum zu stärken.

Es kam nicht von ungefähr, dass im Rahmen der zweitägigen Klausur der ÖVP Niederösterreich in der Kartause Gaming die Pressekonferenz über das erarbeitete Herbstprogramm beim Stahlflaschenproduzenten Worthington Cylinders in Kienberg (Bezirk Scheibbs) abgehalten wurde. Das Unternehmen beschäftigt dort aktuell 425 Mitarbeiter. „Ein echter Vorzeigebetrieb, der nicht umsonst bereits zwölf Mal als bester Arbeitgeber ausgezeichnet worden ist“, lobte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Niederösterreich habe sich in den vergangenen zehn Jahren von der Wirtschaftsstruktur her stark gewandelt und sei Agrar- und Industrieregion, Technologie- und Forschungsregion sowie „auf einem sehr guten Weg, Digitalisierungs-Vorzeigeregion und -land zu werden“.

Exportrate beinahe verdoppelt

Heute gebe es insgesamt 116.000 Unternehmen. Das sind um 60 Prozent mehr als vor 15 Jahren. Die Zahl der Beschäftigten sei in diesem Zeitraum um 100.000 auf 620.000 gestiegen. Die Exportrate habe sich auf 23 Milliarden Euro fast verdoppelt – ebenso wie die Forschungsquote von aktuell zwei Prozent. Zudem habe Niederösterreich die höchste Kaufkraft in Österreich.

Nun soll die Wirtschaftsstrategie evaluiert und den künftigen Herausforderungen angepasst werden. Zentral seien fünf Zielrichtungen, so die Landeshauptfrau: Dezentralisierung mit Verlagerung von Arbeitsplätzen in ländliche Bereiche, die Internationalisierung bleibe wichtig, Digitalisierung, innovative und qualitative Produkte und Dienstleistungen weiterhin zu stärken sowie Klima- und Umweltschutz wirtschaftlich zu nutzen.

Neue Strategie wird noch heuer präsentiert

Im Bundesland „heißt es nicht Ökologie gegen Ökonomie, sondern wir wollen Ökologie und Ökonomie verbinden“, betonte Mikl-Leitner. Vor dem Hintergrund einer von Experten erwarteten Konjunktureintrübung hielt sie auf Nachfrage fest: „Wir in Niederösterreich bereiten uns vor.“

Die neue Strategie soll noch in diesem Jahr präsentiert werden. Jedenfalls solle der ländliche und urbane Raum entwickelt werden. Weiters verwies Mikl-Leitner auf die Richtlinien der neuen Wohnbaustrategie, die mit 1. Oktober in Kraft treten wird. Diese beinhaltet unter anderem eine Verdoppelung der Förderdarlehen für Jungfamilien, den Vorrang für Niederösterreicher beim geförderten Wohnbau, einen Bonus in Abwanderungsregionen und die Belebung der Ortskerne.

Einmal mehr forderte Mikl-Leitner die Verdoppelung der Medizin-Studienplätze als Maßnahme gegen den Ärztemangel.