Wachen können Sünder festnehmen. Rund 8.000 Niederösterreicher sind als Kulturwachen von Bezirkshauptmannschaften angelobt und haben umfassende Rechte.

Von Anton Johann Fuchs und Anita Kiefer. Erstellt am 10. Juni 2014 (00:01)
NOEN, Zupanc
Der Habichtskautz ist in den Biosphärenpark Wienerwald zurückgekehrt. Wiederansiedlungsprojekte können aber nur gelingen, wenn die Menschen auf die Natur Rücksicht nehmen, appellieren die Umweltlandesräte Stephan Pernkopf (NÖ) und Ulli Sima (Wien) sowie Landesjägermeister Josef Pröll.
Amtlich heißen sie „öffentliche Landeskulturwachen“ – rund 8.000 Niederösterreicher sind öffentlich beauftragt als zivile „Sheriffs“ in Wald und Flur unterwegs, um Schaden von der Natur abzuwenden. Dazu kommen noch Förster, die ebenfalls Sonderrechte haben.

Kulturwachen dürfen Personen anhalten, ihre Identität feststellen, Anzeige erstatten und sogar festnehmen sowie Fahrzeuge und Behältnisse durchsuchen.

„Alle Wacheorgane sind in Ausübung ihres Dienstes als öffentliche Wache anzusehen und genießen den besonderen Schutz, den das Strafgesetz obrigkeitlichen Personen in Ausübung ihres Amtes oder Dienstes einräumt“, zitiert Karl Lenk, 2. Landesleiter der NÖ Berg- und Naturwacht (BNÖ), das Gesetz.

Von den 439 BNÖ-Mitgliedern sind 121 als Landeskulturwacheorgane beeidet. Warum nicht mehr? „Grund sind die hohen Beeidigungskosten, die vom Organ zu bezahlen sind“, sagt Lenk.

NOEN, Waldviertel Tourismus/Robert Herbst
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Kulturwachen müssen unterschiedliche Ausbildungen durchlaufen, nach einer Prüfung werden sie in einer Bezirkshauptmannschaft angelobt. Danach bekommen sie einen Dienstausweis und ein Abzeichen.

„Wir wollen in erster Linie in der Bevölkerung Verständnis für die Notwendigkeiten des Naturschutzes und der Pflege der Landschaft durch Aufklärung wecken“, sagt Lenk. Meist bleibt es auch bei Belehrungen und Ermahnungen.

6.348 Jagdaufseher schauen auf das Wild

„Die meisten Probleme haben wir mit freilaufenden Hunden, aber auch mit Wilddiebstählen“, sagt NÖ-Landesjägermeister Sepp Pröll.

Die Jagdaufsichtsorgane müssen einen rund dreimonatigen Kurs besuchen, legen vor einer Kommission eine Prüfung ab und müssen dann alle drei Jahre eine Weiterbildung absolvieren, wie es im Jagdgesetz festgeschrieben ist.

Der größte Wunsch, den Pröll an Wanderer und Spaziergänger richtet: „Hunde an die Leine bitte, und auf den Wegen bleiben!“

Feld- und Forstorgane 

Nur 21 Gemeinden haben derzeit Feldschutzorgane bestellt, in Summe 81 Personen, die mehrheitlich die Weingärten im Land bewachen. In sechs Bezirken gibt es überhaupt keine Feldschützer.

Lückenlos werden dagegen die Wälder durch Forstorgane überwacht. „Forstschutzorgane haben wir in NÖ kaum, die sind eher in den westlichen Bundesländern Tradition, aber die Förster sind ja auch mit den entsprechenden Rechten ausgestattet“, heißt es dazu in der NÖ-Forstdirektion.

Schwarzfischer und  und illegale Einleitungen

Die größten Probleme für die 1.157 NÖ-Fischereiaufseher: „Schwarzfischerei, Einleitungen und Fischsterben“, sagt Landesfischermeister Karl Gravogl.

Der Aufseher hat die Möglichkeit, die Gerätschaften einer beim Schwarzfischen erwischten Person zu beschlagnahmen. Er kann auch Festnahmen aussprechen. „Das passiert aber in den seltensten Fällen“, sagt Gravogl.

Weniger Probleme gibt es mit Wanderern. Gravogl: „Das einzige Problem gibt es beim Baden in Sommermonaten, wenn die Menschen das, was sie mitgebracht haben, liegen lassen.“


Fair-Play-Regeln

Sperrgebiete beachten!
Bei der Waldarbeit sind schwere Maschinen im Einsatz. Bei diesen Tätigkeiten besteht oft Lebensgefahr. Daher unbedingt Sperrgebiete und Fahrverbote beachten.

Respektiere andere Naturnutzer!
Wesentlich ist beim Mountainbiken die rechtzeitige Ankündigung der Vorbeifahrt. Andere Wegenutzer sollen nicht erschreckt werden; beim Passieren immer Schrittgeschwindigkeit und im Bedarfsfalle einfach anhalten.

Nur auf gekennzeichneten Wegen!
Durch Querfeldein-Fahrten wird die Natur geschädigt. Mountainbikerinnen und Mountainbiker sollen sich an die markierten Strecken halten. Fahrverbote und Absperrungen sind zu beachten. Alpinsteige und Wanderwege sind Bergsteigern sowie Wanderern vorbehalten.

Auf Tiere Rücksicht nehmen!
Weidetiere und alle anderen Tiere in Wald und Flur bedürfen besonderer Rücksichtnahme. Weidezäune sollen immer nach dem Passieren geschlossen werden. Rechtzeitig vor Dämmerung den Wald verlassen, damit die Tiere ungestört fressen können.

Hinterlasse keine Spuren!
Bremsen mit blockierten Rädern verursachen Bodenerosion und Wegeschäden. Die Fahrweise soll auf den Untergrund und die Wegebeschaffenheit eingestellt sein. Nimm Rücksicht auf die Natur und hinterlasse keine Abfälle.

Sei vorbereitet!
Gute Vorbereitung auf den Ausflug und die (Mountainbike)tour durch den Wald macht sich bezahlt: Bevor es losgeht, soll die Ausrüstung geprüft werden, die Fähigkeiten richtig eingeschätzt werden und eine Gegend ausgewählt werden, wo auch die entsprechende Kenntnis vorhanden ist. Die Vorbereitung ist für unvorhersehbare Situationen wesentlich, um bei schlechtem Wetter oder einer Panne gut reagieren zu können. Werkzeug, Proviant und Erste-Hilfe-Set gehören zur Grundausrüstung. (Broschüre „Fair Play im Wald“)


Schutzbereiche in der Natur und Strafhöhen für Verstöße

Forstgesetz:
Grundsätzlich ist das Betreten des Waldes zu Erholungszwecken erlaubt, nicht aber zur Sportausübung. Beeren und Pilze (bis zwei Kilo) darf man mitnehmen, der Waldbesitzer kann aber Einzelpersonen mehr erlauben oder das Sammeln komplett verbieten. Bei Verdacht sind Forstschutzorgane berechtigt, Fahrzeuge oder Taschen zu durchsuchen.
Organe: Förster und eigens bestellte Forstschutzorgane
Strafen bei Verstößen: je nach Deliktgruppe bis zu 150, 730 oder 3.630 Euro Verwaltungsstrafen

Feldschutzgesetz:
Zivilrechtlich ist das Betreten oder Benützen landwirtschaftlicher Grundstücke (Felder, Wiesen, Obstanlagen) verboten, Besitzstörungs- und Schadenersatzklagen sind möglich.
Unbefugter Gebrauch, Beschädigung oder Aneignung fremden Feldgutes sind nach dem Feldschutzgesetz verboten.
Organe: Feldschutzorgane
Strafrahmen: bis 1.500 Euro

Jagdgesetz:
Das Jagdrecht ist an den Grundbesitz gebunden und wird entweder bei entsprechender Größe vom Eigentümer oder von Jagdgenossenschaften ausgeübt.
Jagdeinrichtungen wie Hochstände, Jagdhütten oder Salzleckstellen dürfen von jagdfremden Personen weder betreten noch benützt werden.
Wilderei ist auch ein gerichtlich strafbarer Tatbestand – dazu zählt auch das mit dem Auto getötete Wild, das man nicht einfach mitnehmen darf: Man muss den Unfall sofort entweder der nächsten Polizeidienststelle oder, wenn bekannt, beim Jagdberechtigten melden.

Organe: Jagdaufseher
Strafrahmen: bis 15.000 Euro

Fischereigesetz:
Das Fischereirecht ist nicht wie das Jagdrecht an Grundbesitz gebunden, sondern kann über allgemeine Vorschriften für die derzeit in NÖ 454 behördlich gebildeten Fischerei-Reviere erworben werden.
Organe: Fischereiaufseher
Strafrahmen: bis 7.000 Euro

Naturschutzgesetz
Wild wachsende Pflanzen dürfen für den Eigenbedarf bis zur Größe eines Handstraußes (Daumen und Zeigefinger können die Stängel umfassen) mitgenommen werden.
In ausgewiesenen Naturschutzgebieten gelten strengere Regeln – so dürfen öffentliche Wege nicht verlassen werden. In den Nationalparks ist jeder Eingriff in die Natur verboten.
Organe: Umweltschutzorgane auf Antrag von Gemeinde oder Mitglieder von Organisationen wie der Berg- und Naturwacht
Strafrahmen: bis 14.500 Euro