Erstellt am 28. Dezember 2016, 03:00

von Martin Gebhart

Arbeitsmarkt: Keine Trendwende. Durchschnittlich werden im kommenden Jahr rund 64.000 Arbeitslose in NÖ erwartet.

Karl Fakler, Chef des AMS Niederösterreich: „Es werden bisherige Arbeitsplätze wegfallen und zugleich neue entstehen.“  |  Franz Gleiß

Die erhoffte Trendwende am Arbeitsmarkt wird leider auch im Jahr 2017 nicht eintreffen. So die Prognose des Arbeitsmarktservices (AMS) Niederösterreich. Dazu ist das erwartete Wirtschaftswachstum mit maximal 1,5 Prozent noch zu zaghaft. Was kurios klingt: Trotz mehr Arbeitsloser wird in NÖ die Beschäftigtenzahl steigen und die 600.000er-Marke überschreiten.

Karl Fakler, AMS-Chef in Niederösterreich: „Die Prognosen der Wirtschaftsforscher sagen uns, dass in den kommenden Jahren das Wachstum nicht wesentlich über ein Prozent hinausgehen wird.“ Dabei war im Jahr 2016 ein Wachstum von 1,6 Prozent erzielt worden. Für das kommende Jahr ist allerdings mit einem realen BIP-Zuwachs von 1,2 Prozent (Synthesis Institut) bis maximal 1,5 Prozent (Wifo) zu rechnen.

„Die Digitalisierung wird die Anforderung an Arbeitskräften sowohl bei Facharbeitern als auch im Dienstleistungsbereich neu definieren.“

Karl Fakler

Wobei Fakler diese Entwicklung weniger pessimistisch als realistisch sieht. Die Unternehmen würden verstärkt nach Fachkräften nachfragen. „Dem Arbeitsmarkt steht ein tief greifender Wandel bevor. Die Digitalisierung wird die Anforderung an Arbeitskräften sowohl bei FacharbeiterInnen als auch im Dienstleistungsbereich neu definieren. Es werden bisherige Arbeitsplätze wegfallen und zugleich neue entstehen“, so Karl Fakler.

Ihm ist weiters klar, dass die verstärkte Nachfrage der Wirtschaft auf zusätzliches Arbeitskräftepotenzial im kommenden Jahr treffen wird. Beim AMS geht man davon aus, dass sich der Pool an Arbeitskräften, die dem Arbeitsmarkt in NÖ zur Verfügung stehen, um rund 11.300 zusätzliche Personen erweitern wird. Was eine Steigerung um 1,7 Prozent bedeutet.

Plus an Arbeitskräften aus dem Osten

Das Plus erklärt sich mehrheitlich durch die Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Sprich: Zusätzliche Arbeitskräfte werden aus dem Osten, hauptsächlich aus Ungarn und Rumänien, auf den Arbeitsmarkt in NÖ strömen. Ein Drittel davon sind Frauen bzw. Männer, die nach der Familienpause wieder ins Arbeitsleben zurückkehren. Und gut zehn Prozent dieses neuen Arbeitskräftepotenzials setzen sich aus Asylberechtigten zusammen. Fakler: „Im Jahr 2017 wird sich dieser Anstieg mit einem Plus von etwa 2.000 Konventionsflüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten eher abflachen.“ Fakler prognostiziert diesbezüglich aber auch, dass jeder Zweite aus dem zusätzlichen Arbeitskräftepotenzial 2017 einen Arbeitsplatz finden wird.

Grundsätzlich gibt es bei der Arbeitslosen-Entwicklung ein Ost-West-Gefälle. In Wien, NÖ und dem Burgeland wird die Zahl der Arbeitslosen stärker steigen als im Rest von Österreich.

Neues Rekordhoch bei den unselbstständig Beschäftigten : Gegenüber 2016 wird sich die Zahl um 1,2 Prozent oder plus 6.900 Personen im Jahresdurchschnitt zunehmen. Das ergibt ein Rekordhoch von 604.000 Arbeitnehmern.

Ansteigen bei den Arbeitslosen: Das AMS rechnet im kommenden Jahr 2017 mit durchschnittlich 64.000 arbeitslosen Personen in Niederösterreich. Das sind um rund 4.000 mehr als im heurigen Jahr. Vor allem Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft werden von Arbeitslosigkeit betroffen sein.

Die Arbeitslosenquote in Niederösterreich : Ähnlich dem Bundestrend (9,5 Prozent) wird die Arbeitslosenquote in NÖ im Jahr 2017 auf 9,6 Prozent ansteigen.