Sprechstunde: Mikl-Leitner stand Rede und Antwort. NÖN-Leser hatten Gelegenheit, Sorgen direkt an Landeshauptfrau zu richten.

Von Sandra Frank und Christoph Reiterer. Erstellt am 21. Oktober 2020 (03:27)

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner stellte sich in der Vorwoche unter der Moderation von NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger im Weinviertler NÖN-Newsroom in Korneuburg den Fragen und Anregungen einiger Landsleute.

Gleich mehrere hatten sich angemeldet, um über das Schweinbarther Kreuz zu sprechen. Die Regionalbahnlinie, die von Groß-Schweinbarth (Bezirk Gänserndorf) aus Bad Pirawarth, Gänserndorf und Obersdorf im Bezirk Mistelbach anfuhr, wurde Ende 2019 geschlossen. Das rief eine Bürgerinitiative auf den Plan, die ein Konzept ausgearbeitet hat, um die 35 Kilometer lange Bahnstrecke wieder in Betrieb nehmen zu können. „Wir wollen, dass unser Zug wieder fährt“, appellierte Elfriede Rath aus Großengersdorf an die Landeshauptfrau.

„Wenn‘s g‘scheit ist, unterstützen wir es gern.“ Johanna Mikl-Leitner zum Konzept für ein Wiederaufleben der Regionalbahn Schweinbarther Kreuz.

Es gebe bereits ein umsetzungsreifes Konzept, das die Bürgerinitiative gerne bei einem eigenen Termin darlegen würde. „Die ÖBB haben die Bahn eingestellt“, machte Mikl-Leitner klar, wer diese Entscheidung getroffen hat. Und zwar deswegen, weil der Rechnungshof oft Kritik geübt habe, dass der Betrieb unwirtschaftlich sei. Die Regionalbahn sei nämlich nur von rund 700 Fahrgästen genutzt worden, es wären aber 2.000 täglich nötig.

Das Land NÖ sei rasch eingesprungen und habe einen Bus-Betrieb auf die Beine gestellt. Dieser werde mit 850 Nutzern täglich besser angenommen als die frühere Bahn. Die Landeshauptfrau nahm die Unterlagen aber mit und versprach: „Ich lasse das Konzept prüfen. Es heißt ja nicht, dass man nicht auch an einem Zukunftsprojekt arbeiten kann.“

Johannes Schmoll aus Immendorf (Bezirk Hollabrunn) zählt zu jenen, die sich vor knapp 15 Jahren zu einer Bürgerinitiative gegen den geplanten Windpark auf Wullersdorfer Gemeindegebiet formierten. „Ich habe ein Problem mit dem Energiefahrplan des Landes“, umschrieb er sein Anliegen. Die Hälfte des österreichischen Stroms würde bereits aus Windkraftanlagen kommen. Das Problem: Der Windstrom könne nicht gespeichert werden. Genau mit dieser Herausforderung müsste sich der Energiefahrplan auseinandersetzen, meint Schmoll.

Bei 1.000 Windrädern kommt Schlussstrich

„Wir haben die Kapazitäten, 100 Prozent des Haushaltsstroms mit erneuerbarer Energie abzudecken“, betonte Mikl-Leitner und rief in Erinnerung, dass maximal 1.000 Windräder in NÖ aufgestellt werden dürfen. Derzeit gibt es etwa 750, weitere 100 seien bereits bewilligt. „Dabei wird’s bleiben.“

Ein spezielles Anliegen hatte Miriam Husz. Sie ist Gemeinderätin in Deutsch-Wagram. „Der Bürgermeister hätte mich gern als Stadträtin. Aber das geht nicht.“ Husz ist nämlich deutsche Staatsbürgerin und daher nicht berechtigt, eine höhere Funktion auszuüben. Sie wollte wissen, ob sich dieser Umstand in Zukunft ändern könnte. Es sei eine ewig lange Debatte gewesen, die schließlich 2013 beendet wurde, entgegnete Mikl-Leitner. „Ich glaube nicht, dass sie bald wieder aufgenommen wird“, konnte sie hier keine Hoffnungen machen.

Staatsbürgerschaft sei eben das höchste Gut und Voraussetzung, um bestimmte politische Positionen übernehmen zu können. „Uns freut’s trotzdem, dass Sie auf regionaler Ebene mitarbeiten“, betonte sie.