Wir sind Weltmeister. Fliesenleger | Thomas Liebenauer aus Zwettl holte sich im Juli in Leipzig bei den Berufsweltmeisterschaften den Sieg im Fliesenlegen. Für den 22-Jährigen war von Anfang an klar, dass er diesen Beruf ergreifen wird.

Erstellt am 25. November 2013 (14:39)
NOEN, Franz Gleiß
Thomas Liebenauer ist der Fliesenleger-Weltmeister.
Wer einen weltmeisterlichen Fliesenleger sucht, der muss ins Waldviertel fahren: Im Juli holte sich nämlich der 22-jährige Zwettler Thomas Liebenauer den Titel bei den diesjährigen WorldSkills, den Berufsweltmeisterschaften, die in Leipzig ausgetragen wurden.

Im Alltag arbeitet Liebenauer im Unternehmen seines Vaters Gerhard als Fliesenleger-Geselle. Auch seine Lehre hat er hier absolviert. Und so weiß er ganz genau, was einen angehenden Lehrling bei der Ausbildung erwartet: Wer sich für eine Lehre als Fliesenleger entscheidet, der „fährt vom ersten Tag weg auf die Baustelle“, weiß Liebenauer. So bekommt der Lehrling von Beginn an ein Gefühl dafür, wie der Alltag eines Fliesenlegers abläuft. Liebenauer gibt einen grob zusammengefassten Ablauf, was im Lehrberuf zu welchem Zeitpunkt gelernt wird:

Von den Grundlagen zum Verfliesen

Im ersten Lehrjahr geht es vor allem um das Erlernen aller wesentlichen Grundlagen für den Beruf. Im zweiten Lehrjahr geht es darum sich anzueignen, wie die Fliesen korrekt zugeschnitten werden. „Das reicht vom Anzeichnen bis zum Löchermachen“, erklärt Liebenauer.
Außerdem werden unter Aufsicht von Gesellen erste Fliesen verklebt. Im dritten Lehrjahr soll der Lehrling erste kleinere Räume selbstständig verfliesen.

Wie einfach ein Raum zu verfliesen ist, das hängt vor allem von der Fliesengröße ab, weiß der Weltmeister aus dem Waldviertel. „Kleinere sind einfacher. Wenn der Untergrund nicht passt, kann man das so leichter ausgleichen.“ Zweiter Faktor ist hier die Größe der zu verlegenden Fläche: „Bei großen Flächen ist es leichter.“
Welche Fähigkeiten man für diesen Beruf mitbringen sollte? In jedem Fall Teamfähigkeit. „Man ist immer mindestens zu zweit unterwegs“, weiß Liebenauer.
Darüber hinaus braucht es die Fähigkeit zum dreidimensionalen Denken sowie zum Plänelesen, zum selbstständigen Arbeiten und zur Genauigkeit.

NOEN, Franz Gleiß
x

„Das hat mich schon immer interessiert“

Im Betrieb von Thomas Liebenauers Vater wird jedes zweite Jahr ein Lehrling aufgenommen. Aktuell sind hier zwei Lehrlinge, vier Gesellen und eine Angestellte im Geschäft beschäftigt. Thomas Liebenauer wird den Betrieb seines Vaters in Zwettl einmal übernehmen.

Was den 22-Jährigen selbst am Fliesenlegen fasziniert? „Ich habe von klein auf gesehen, wie die Arbeit auf der Baustelle abläuft. Das hat mich immer interessiert, weil man selbstständig Entscheidungen treffen kann. Etwa muss man das Fliesenmaß an der Wand abschätzen können, um große Fliesenschnitte zu vermeiden.“ Dass es sich beim Fliesenlegen um einen körperlich sehr anspruchsvollen Beruf handelt, ist Liebenauer bewusst.

„Deshalb sollte man immer Knieschoner tragen. Außerdem sollte man das richtige Heben draufhaben.“ Eines legt der Zwettler angehenden Fliesenlegern ganz besonders ans Herz: „Auch wenn es vorkommt, dass Fliesen am Anfang brechen – nicht aufgeben! Das ist ganz normal und passiert auch später manchmal noch.“

Große Konkurrenz bei Weltmeisterschaft

Zur Teilnahme an den World Skills 2013 im Juli in Leipzig kam Liebenauer über den Sieg bei der österreichischen Staatsmeisterschaft 2012. In Leipzig musste ein 3D-Objekt des Brandenburger Tors maßgetreu nachgebaut werden. Außerdem galt es, die Zahl 2013 am Boden vor dem Brandenburger Tor zu legen.
24 Teilnehmer kämpften im Fliesenlegen um den Sieg. Die Konkurrenz war groß: „Ich würde sagen, zehn bis 15 Länder haben um Gold gekämpft.“ Abschätzen konnte er die Konkurrenz im Vorfeld nicht wirklich: „Es gab Länder, die sonst nie so stark sind, die haben plötzlich starke Teilnehmer. Russland zum Beispiel war zum ersten Mal dabei.“

Die Teilnehmer wussten im Vorfeld des Bewerbs, welche Aufgabe sie in etwa zu bewältigen haben. „Das Projekt war ausgeschrieben. Vor Ort wurde es dann noch um dreißig Prozent verändert“, erklärt Liebenauer.
Wie er den Sieg schließlich aufgenommen hat? „Am Anfang habe ich es gar nicht glauben können“, erinnert sich der 22-Jährige.
Trotz des großen Zeitaufwands möchte er die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft auf keinen Fall missen, im Gegenteil: „Ich empfehle auf jeden Fall jedem, der die Chance hat, an so einem Bewerb teilzunehmen. Wir hatten auch eine Trainingswoche in England. Das waren sehr ereignisreiche Tage, die ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde.“

Lesen Sie mehr zum Thema Lehre: