Wirbel um Verbot der Ölheizungen. Wirtschaftskammer wehrt sich gegen Vorstoß im Land. Kritik an Fachgruppenobmann.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 20. Dezember 2016 (01:12)
Shutterstock, Alexander Raths
Symbolbild

Als ÖVP-Umweltlandesrat Stephan Pernkopf im November sein Paket für günstigeres und ökologischeres Heizen öffentlich machte, war darin auch ein Verbot für Ölheizungen im Neubau ab 2019 enthalten. Wofür die Bauordnung geändert wird. In der Vorwoche ist nun die Wirtschaftskammer in die Diskussion eingestiegen und kritisiert den Pernkopf-Vorstoß. Der wird jedoch an seinem Plan festhalten.

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Stephan Pernkopf

Pernkopf zu seiner Motivation: „Öl ist der größte Klimakiller und muss darüber hinaus auch importiert werden, wofür jährlich Milliarden in die Ölstaaten fließen.“ Und: „Mit Anreizen und Förderungen sollen die Menschen zum Umstieg auf ökologische Heiztechniken motiviert werden.“

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Engelberg Aigner, Fachgruppenobmann der Wirtschaftskammer: „Heizöl wird verteufelt.“

Ein Verbot, gegen das sich nun Engelberg Aigner, Obmann der Fachgruppe Energiehandel in der NÖ Wirtschaftskammer, ausspricht. „Mir geht es immer um einen ausgewogenen Mix im Energiebereich. Ich habe überhaupt nichts gegen Strom, Pellets oder Kohle, ich wehre mich aber dagegen, wenn ein Produkt wie Heizöl so verteufelt wird und andere Energieträger wie beispielsweise Gas in der Diskussion überhaupt nicht berücksichtigt werden.“

Gleichzeitig verweist Aigner darauf, dass ein Verbot des wichtigen Energieträgers Öl einen dramatischen Preisanstieg bei anderen bedeuten würde. Aigner: „Heizöl ist bei Vollkostenrechnung noch immer der effizienteste und günstigste Energieträger. Weder Wärmepumpen noch Biomasse könnten hier mithalten. Es gibt hier keinen anderen Energieträger, der so effizient einzusetzen ist.“

Energieagentur warnt vor neuen Öl-Heizungen

Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur, widerspricht der Argumentation von Aigner: „Die Öl-Lobby schürt hier bewusst Ängste. Fakt ist, dass das geplante Ölkesselverbot nur für Neubauten gelten wird, nicht für bestehende Kessel. Für alle, die zu Hause mit einem alten Kessel heizen, gibt es sogar eine attraktive Förderung des Landes Niederösterreich für den Umstieg auf umweltfreundliche Heizsysteme wie Wärmepumpen und Biomasse-Nahwärme.“ Und weiter: „Auch wenn ein neuer Ölkessel kurzfristig weniger CO2 emittiert als ein alter, so verpestet er immer noch unser Klima! Der Umstieg von Öl auf heimische Energieträger schont hingegen nicht nur das Klima, sondern hält auch Wertschöpfung und damit Arbeitsplätze im Land. Das sollte gerade der Wirtschaftskammer ein Anliegen sein. Denn auch in Zeiten der Wirtschaftskrise verzeichnet der Umweltsektor beständige Wachstumsraten.“

Greisberger gibt zwar zu, dass der Umstieg auf einen neuen Öl-Heizkessel kurzfristig billiger komme, allerdings: „Wer sich aber heute einen neuen Ölkessel anschafft, bindet sich damit wieder jahrzehntelang an die Droge Öl.“

Kritisiert wird Engelbert Aigner auch, weil er ein Lagerhaus-Geschäftsführer ist. VP-Umweltsprecher Landtagsabgeordneter Josef Edlinger: „Es ist schon verwunderlich und bedauerlich, dass sich der Geschäftsführer einer bäuerlichen Genossenschaft für Heizöl und damit gegen Pellets und Hackgut stark macht. Eigentlich sollte er sich für mehr Biomasse einsetzen, denn nur das bringt Wertschöpfung für den ländlichen Raum, Einkommen für die Bauern und schont auch das Klima.“