Kritik an in NÖ geplanter Fischotter-Verordnung. Eine geplante Verordnung des Landes Niederösterreich, die unter Voraussetzungen die Tötung von bis zu 60 Fischottern jährlich erlaubt, ist am Freitag durch den WWF und die Grünen kritisiert worden.

Von APA, Redaktion. Update am 24. Oktober 2019 (12:51)
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Die Naturschutzorganisation sah unter anderem einen "Angriff auf eine streng geschützte Art" und vermisste einen Managementplan. Diesen gebe es sehr wohl, hieß es aus der Fachabteilung des Landes.

Gelten soll die aktuell zur Bürgerbegutachtung vorliegende Verordnung an "Teichanlagen, die der Zucht und Produktion von Speisefischen oder Setzlingen dienen" sowie "an Fließgewässern in den Bereichen der Talböden". In diesen Gebieten müssen erst Präventionsmaßnahmen gegen Fischotter "wie zum Beispiel Zäunungen" gesetzt werden.

Als Folgemaßnahmen sollen schließlich "Eingriffe in die Fischotterpopulation" gestattet sein - und zwar dann, wenn Präventionsmaßnahmen "nicht ausreichend zielführend umsetzbar sind", wie es im Entwurf der Verordnung heißt. Die Tiere dürfen unter dieser Voraussetzung im Rahmen der Höchstbegrenzung ganzjährig mit Fallen gefangen und getötet werden bzw. von 1. November bis 28. Februar jeden Jahres "durch Direktschuss mittels Langwaffe" getötet werden. Ausgenommen sind "Nachwuchs führende Weibchen".

Der WWF forderte per Aussendung die "Rücknahme der geplanten Verordnung". Der Entwurf widerspreche "den Vorgaben des europäischen Naturschutzrechts", wurde Expertin Christina Wolf-Petre zitiert. Die Abschüsse hätten keine fundierte Basis. Zudem gebe es "immer noch keinen vollständigen Managementplan mit relevanten Informationen und Vorgaben zu Präventionsmaßnahmen, Monitoring, Dokumentation und Berichtslegung".

In eine ähnliche Kerbe schlug Helga Krismer, die Chefin der niederösterreichischen Grünen. Sie forderte vom Land in einer Aussendung, "ein rechtskonformes Fischotter-Monitoring zu etablieren, finanzielle Mittel für Prävention und Kompensation bereitzustellen und den ökologischen Zustand der Flüsse auf allen Ebenen weiter stark zu verbessern".

Dem trat die Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreich entgegen. Es gebe bereits einen "klaren Managementplan zum ökologischen Ausgleich und zur Balance dieser Natur-Interessen", hieß es auf APA-Anfrage in einer schriftlichen Stellungnahme. Die finanziellen Mittel für Prävention und Kompensation seien "massiv angehoben und vervierfacht" worden. "Außerdem wurden in den letzten Jahren rund 200 Millionen Euro in die Renaturierung von Flüssen investiert und der ökologische Zustand der Gewässer stark verbessert." Die "Entnahme der Tiere" sei in diesem Managementplan immer das letzte Mittel und passiere nur in streng abgegrenzten Gebieten.

Die Fachabteilung verwies weiters darauf, dass der sogenannte Erhaltungszutand der Fischotter im Bundesland durch die Europäische Kommission als "günstig" bestätigt worden sei. Auch das Umweltbundesamt konstatiere weiterhin "eine positive Entwicklung". Gleichzeitig seien aber Schäden in der Teichwirtschaft und bei anderen Tierarten "wie bei der gefährdeten Koppe, der Bachforelle, der Flussperlmuschel und dem Edelkrebs" entstanden.

Ein Bescheid, der die Tötung von 40 Fischottern im Bundesland erlaubt hatte, war in der Vergangenheit zwei Mal nach Beschwerde des WWF durch das Landesverwaltungsgericht NÖ aufgehoben worden. Zuletzt wurde der Bescheid am 25. Juni zur neuerlichen Entscheidung an die Landesregierung zurückverwiesen. "Anstatt daraus die fachlich richtigen Lehren zu ziehen und die dargelegten Mängel zu beseitigen, will das Land mit dem geplanten Wechsel auf eine Verordnung jetzt die Parteistellung von Umweltschutzorganisationen und Umweltanwaltschaft aushebeln", befand der WWF.

Seitens der Naturschutzabteilung wurde dazu festgehalten, dass gerade das aktuelle Bürgerbegutachtungsverfahren dazu diene, weitere Meinungen einzuholen. "Ziel muss ein ökologisches Gleichgewicht sein, das nicht eine Tierart bevorzugt und andere gefährdet." Der Zeitplan für die Umsetzung der Verordnung sei derzeit noch offen, wurde betont.