Zadić: „Abschuss von Greifvögeln ist eine Straftat“

Justizministerin Alma Zadić wird einen Erlass herausgeben, um klarzustellen, dass die Staatsanwaltschaft zuständig ist und ermitteln muss, wenn ein gefährdetes Tier illegal verfolgt, verletzt oder getötet wird. Greifvögel, die ein solches Schicksal erleiden, werden in Haringsee liebevoll versorgt. Die Ministerin besuchte die Eulen- und Greifvogelstation – und den Kaiseradler Rega.

Sandra Frank
Sandra Frank Erstellt am 17. August 2021 | 15:54

Rega ist ein Kaiseradler, der in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee lebt. Der Greifvogel wurde im November 2020 in Wallern im Burgenland mit Schrot abgeschossen. Über 20 Projektile waren über den ganzen Körper verteilt, wie ein Gutachten bestätigte. Ein Flügel wird steif bleiben, darum wird der Kaiseradler sein restliches Leben in Haringsee verbringen.

Schüsse auf Greifvögel sind leider keine Seltenheit, aber strikt verboten. Der Kaiseradler etwa gehört zu den streng geschützten Arten in Österreich. „Die illegale Verfolgung, Verletzung oder Tötung des Kaiseradlers ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, betonte Justizministerin Alma Zadić bei ihrem Besuch in der Greifvogelstation.

Nur 30 Kaiseradler-Brutpaare in Österreich

Mit einem Erlass an die Staatsanwaltschaft wird die Ministerin klarstellen, dass bei bestimmten Tieren mit der Tötung eines einzigen Exemplares die Erheblichkeitsschwelle überschritten und die Staatsanwaltschaft zuständig ist. Selbiges gilt für die Entnahme geschützter Pflanzen. Was genau gemeint ist, macht Zadić am Beispiel des Kaiseradlers deutlich: Davon gibt es in Österreich derzeit 30 Brutpaare. In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden drei Brutpaare getötet. „Das kann schon den Fortbestand der Art gefährden“, klärt Johannes Hohenegger von Birdlife Österreich auf.

Hans Frey, der die Eulen- und Greifvogelstation 1975 in Haringsee ins Leben gerufen hat, beobachtet mit Freude, dass die Sensibilisierung der Bevölkerung in den vergangen Jahren angestiegen ist. „Rega wurde von Spaziergängern gefunden“, erinnert er sich.

Öffentlichkeit ist sensibilisiert

Erste Fälle von vergifteten Greifvögeln habe es bereits in den 1980er-Jahren gegeben. „Da wurden Unmengen vergiftet.“ Mithilfe des Landesjagdverbandes konnte dies aber eingedämmt werden. „Vor vier oder fünf Jahren gab es einen neuen Schub.“ Generell würden die Vergiftungen aber zum Glück abflauen. 

 Bei den Abschüssen verhalte es sich anders, hier sei die Quote über die Jahre hinweg gleich, wenn es auch immer wieder traurige Hotspots gebe, wie vor einigen Jahren im Weinviertel. „Da wurden über 30 tote Rohrweihen auf einem Feld gefunden“, erzählt Frey. Der Täter wurde bis heute nicht ausgeforscht.

„Die Fälle nehmen ab, aber die Öffentlichkeit ist mehr sensibilisiert“, bestätigt Hohenegger, dass mehr verletzte Tiere gemeldet werden würden. „Das ist wichtig“, meint die Justizministerin. Warum? „Es ist auch eine Abschreckung für die Täter, wenn sie wissen, dass jetzt viele Menschen genauer hinsehen und nicht nur ein paar einzelne.“

Haupttodesursachen bei Greifvögeln: Abschuss und Gift

Frey und Hohenegger sind froh über den Erlass der Justizministerin, dadurch sei die Zuständigkeit klar geregelt. „Das ist sicher ein Beitrag, um den Bestand der Tiere zu sichern“, meint Hohenegger, der einen traurigen Fakt ergänzt: „Die Haupttodesursachen bei Greifvögeln sind Abschuss oder Vergiftung.“ Das Strafmaß, wenn die vorsätzliche Tötung eines geschützten Tieres nachgewiesen wird, beträgt übrigens bis zu zwei Jahren Haft.

„Es ist unglaublich, was Sie hier leisten, Ihre Arbeit kann man gar nicht genug schätzen“, ist Zadić beeindruckt von der Greifvogelstation, wo 900 Tiere, davon etwa 800 Vögel, leben. „Wir haben gerade Hochsaison“, erklärt Frey. Demnächst werden sehr viele Vögel wieder ausgewildert - das Ziel der Station.

Liebesgeschichte eines Storchenpaares

Es gibt aber auch viele Tiere, die bleiben. Etwa die rund 150 Schildkröten, die sich auf dem 12.000 Quadratmeter großen Grundstück bewegen dürfen. Generell gilt: „Alles, was kreucht und fleucht, landet irgendwann einmal bei uns“, erzählt Frey der Ministerin lachend beim Rundgang.

Da ist auch eine Voliere mit Störchen zu sehen. Das Besondere: Sie ist nach oben offen, weil die Vögel, die hier einquartiert sind, nicht mehr fliegen können. Bis auf einen: Ein Storchenpaar lebt dort. „Sie kann nicht mehr fliegen, er aber schon. Und trotzdem bleibt er bei ihr“, berichtet Frey von einer Liebesgeschichte. 

Das Storchenpaar zieht jährlich Nachkommen groß, die sich heuer bereits auf den Weg nach Afrika gemacht haben. Zum Abschluss durfte die Ministerin noch mit einem Ziegenbock kuscheln, der die Delegation zu den Volieren begleitete, und ein etwa zwei Wochen altes Igelbaby streicheln, das in Haringsee mit der Flasche aufgezogen wird.