„Macht noch immer irrsinnig viel Spaß". Petra Bohuslav wurde als Quereinsteigerin in Landesregierung geholt und hat dort ihren Platz behaupten können.

Von Martin Gebhart. Erstellt am 23. Dezember 2014 (05:13)
NOEN, Erich Marschik
Es sind viele Quereinsteigerinnen in die Politik gegangen, die wenigsten können auf zehn Regierungsjahre zurückblicken. Welche Eigenschaften braucht man, um in der Politik zu überleben?
NÖN: Zehn Jahre in der Politik, macht es noch immer Spaß?
Bohuslav: Es macht irrsinnig viel Spaß. Es hat für mich in diesen zehn Jahren mehrere Phasen gegeben. Die erste Phase, wo du erst eintauchst in diese neue Arbeitswelt, wo man sich erst orientieren muss, wo alles relativ neu ist und man schnell Fuß fassen muss. Auf der anderen Seite war Flexibilität verlangt, ich habe in den zehn Jahren dreimal das Ressort gewechselt. Das war die Phase, wo es sehr spannend war. Jetzt ist die Phase, wo ich bezogen auf meine Ausbildung inhaltlich angekommen bin, nämlich im Wirtschaftsressort. Es macht noch immer Spaß, und die zehn Jahre sind gefühlt, wie wenn der Einstieg vorgestern gewesen wäre.

Sie sind eine klassische Quereinsteigerin, vom Management in die Politik. Was war der größte Unterschied zu Ihren früheren Jobs?
Dass es hier ein politisches Umfeld gibt, wo es etwa nicht nur darum geht, Projekte betriebswirtschaftlich so aufzustellen, dass sie sich rechnen und gerechtfertigt sind, sondern auch darum, was sagen die anderen Parteien dazu, wie kommt es in der Bevölkerung an. Da muss man sich genau überlegen, was die Pro und Contras in verschiedenen Projektsituationen sind.

Es sind viele Quereinsteigerinnen in die Politik gegangen, die wenigsten können auf zehn Regierungsjahre zurückblicken. Welche Eigenschaften braucht man, um in der Politik zu überleben?
Ich würde sagen, es hängt sehr stark vom Umfeld ab. Ich weiß nicht, ob ich so viele Überlebenschancen in irgendeinem anderen Bundesland als Niederösterreich oder auf Bundesebene gehabt hätte. Damit die Art und Weise, wie ich in der Wirtschaft gearbeitet habe, auch einen Platz in der Landesregierung gefunden hat, da brauchst du als Landeshauptmann einen Chef, der das zulässt und unterstützt.

Und der nie versucht hat, zu sehr zu formen. Ich war immer – das habe ich Gott sei Dank immer durchführen können – eher die Sachpolitikerin als die Parteipolitikerin. Wenn er da versucht hätte, mich umzuformen, wäre es für mich wahrscheinlich persönlich schwierig geworden, weil ich das nicht bin. Ich konzentriere mich auf die Sache und versuche, die zu vertreten. Ich wäre sonst wahrscheinlich unglaubwürdig geworden. Deswegen hat mein Arbeitsstil gut ins Team gepasst, unter der Führung von Landeshauptmann Erwin Pröll. Deswegen macht es mir noch immer Spaß, deswegen gibt es mich noch immer. In diesem Team brauchst du Eigenschaften wie Teamfähigkeit, aber auch Konsequenz, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit.

Speziell, wenn man aus der Wirtschaft kommt, hat man genaue Vorstellungen, wie lange man in der Politik bleiben will. Haben Sie sich da auch einen Zeitraum gesetzt oder lassen Sie alles an sich einfach herankommen?
Für mich geht es darum, dass der Beruf Freude macht. Ich habe in der Wirtschaft nie Überstunden gezählt, sondern mich immer gerne in die Tätigkeit vertieft. Wobei mir jetzt auch die große Bandbreite der Tätigkeiten gefällt. Da habe ich so ziemlich alles erlebt, vom Fallschirm-Tandemsprung aus 3.000 Metern bis zum dienstlichen Schmusen mit Wölfen.

Wenn das nicht mehr da ist, muss man sich was Neues überlegen. Ich bin eher der Typ, der sagt, es muss Spaß machen und es muss das Umfeld stimmen. Wenn das nicht mehr der Fall ist, überlege ich mir etwas anderes. Das hat nichts mit einer Zeitdimension zu tun. Ich war drei Jahre bei Rail Tours, ein Jahr bei Rogner, fünf Jahre in Carnuntum, drei Jahre im Casino. Da sind die zehn Jahre in der Landesregierung ein ganz schön langer Zeitraum, ich war davor noch nie so lange einer Organisation treu.


Zur Person

Petra Bohuslav aus Haschendorf (Gemeinde Ebenfurth) im Bezirk Wiener Neustadt wurde 1965 geboren. Sie promovierte an der Wirtschaftsuniversität Wien. Beruflich war sie bei Rail Tours, den Rogner Hotels, in Carnuntum und im Congress Casino Baden tätig.

Seit dem 21. Dezember 2004 ist sie Mitglied der NÖ Landesregierung. Zuerst übernahm sie das Ressort Arbeit, Soziales, Sport, Kultur, 2008 Bildung, Jugend, Sport und seit 2009 Wirtschaft, Technologie und Tourismus.

Als Meilensteine ihrer bisherigen Tätigkeit als Politikerin sieht sie etwa die Etablierung der Marke Sportland NÖ, die Umsetzung der 24-Stunden-Pflege, den Unternehmerdialog sowie im Tourismus die Schaffung der Bergbahnen GmbH.