Zeichen gegen Trend. Ökumenisches Mittagessen / Im Landhaus wurden die Sorgen um die christlichen Grundwerte und das Verdrängen der Religion aus dem öffentlichen Leben angesprochen.

Erstellt am 16. September 2012 (18:05)
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Von Martin Gebhart

Es ist eine langjährige Tradition. Einmal im Jahr lädt Landeshauptmann Erwin Pröll die hohen geistlichen Würdenträger der katholischen und der evangelischen Kirche in Niederösterreich zu einem ökumenischen Mittagessen in das Landhaus. Das Treffen dient auch dazu, um in Tischansprachen Positionen abzustecken und aktuelle Sorgen anzusprechen.

Der Landeshauptmann betonte dabei erneut die gute Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Kirche: „Ich weiß, was die Kirche in diesem Land an Werten einbringt.“ Gleichzeitig äußerte er aber die Sorge, dass in der Gesellschaft die christlichen Grundwerte wie etwa Nächstenliebe oder soziales Engagement immer mehr verschwimmen würden. Ein Trend, dem entgegengesteuert werden müsste. Pröll: „Diese Grundwerte sind es über Jahrtausende gewesen, die das menschliche Leben bestimmt haben. Was über Jahrtausende Orientierung gegeben hat, kann in der heutigen Zeit nicht schlecht sein.“ Es werde immer wichtiger, sich für diese Werte zu engagieren. Die Gesellschaft dürfe nicht in Egoismen verfallen. Kardinal Christoph Schönborn unterstrich die Verbundenheit der Kirche mit dem Land. Für ihn sind Werte und Tugenden jene Haltungen, mit deren Hilfe in der Gesellschaft Brücken gebaut werden können.

Der evangelische Superintendent Paul Weiland bezeichnete das Treffen im Landhaus als ein „Zeichen gegen den Trend“. Er verspüre immer mehr, dass versucht werde, Religion und Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und in ein privates Eck abzuschieben. Weiland: „Wenn das Irrationale, wenn diese Seite des Lebens ausgeblendet wird, verarmt der Mensch, verarmt die Gesellschaft.“ Dass Niederösterreich da ein Zeichen gegen den Trend setze, zeige sich auch im Umgang mit dem Religionsunterricht, der trotz aller organisatorischen Schwierigkeiten aufrecht erhalten werde. Als Zeichen dafür, „wofür wir stehen“, sieht Weiland auch die kirchlichen Gebäude in NÖ.

Ökumenisches Mittagessen im NÖ Landhaus in St. Pölten: Landeshauptmann Erwin Pröll bei seiner Tischansprache mit Bischof Klaus Küng, Kardinal Christoph Schönborn und Superintendent Paul Weiland. NLK/Filzwieser