Lackenberger-Film als Denkmal für den mutigen Bischof. 1941 legte sich der St. Pöltner Bischof Michael Memelauer in seiner Silvesterpredigt mit den Nazis an. Ein Film porträtiert nun sein Leben.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 15. Juli 2021 (03:15)
Im St. Pöltner Dom hielt Bischof Michael Memelauer – im Film gespielt von Johannes Seilern (Hauptbild) – 1941 seine berühmte Silvesterpredigt. Anita Lackenberger (Foto rechts) verfilmte das Leben des Bischofs.
Gerhard Mader

„Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben.“ Das ist der Kernsatz der Silvesterpredigt des Jahres 1941, mit der sich der damalige St. Pöltner Diözesanbischof Michael Memelauer gegen das NS-Regime und seine Politik der Euthanasie wandte.

Viel mehr als diese Predigt und ein Foto war aber nicht da, als die St. Pöltner Historikerin und Filmemacherin Anita Lackenberger vor Jahren begann, sich mit Memelauer zu beschäftigen: „Obwohl er ein großer Bischof war, der viele Spuren im Land hinterließ, ist er schon bald nach seinem Ableben 1961 in Vergessenheit geraten.“

„Die Beschäftigung mit Memelauer war ein Eintauchen in eine Welt an bislang unbekannten Quellen.“ Anita Lackenberger

Unterstützt von der Diözese, dem Land NÖ sowie der Stadt St. Pölten machte sich Lackenberger auf Spurensuche. Sie stöberte in Kirchen- und Stiftsarchiven, durchforstete den Nachlass und stieß im Mostviertel auf unzählige persönliche Briefe an seine Familie. Das Ergebnis der Recherchen ist der Film „Das Land, der Bischof und das Böse“, der im Hollywood-Megaplex in St. Pölten seine Premiere feierte. Mit dabei waren viele der 400 Statisten.

Anita Lackenberger verfilmte das Leben des St. Pöltner Bischofs Michael Memelauer.
Gerhard Mader

„Die Beschäftigung mit Memelauer war ein Eintauchen in eine Welt an bislang unbekannten Quellen“, beschreibt Lackenberger ihre Arbeit.

Die Quellen legten den Blick auf einen geerdeten, außergewöhnlichen Menschen frei, der kein politischer Kopf war – er lehnte sogar ab, dass Priester, wie in der Zwischenkriegszeit üblich, politisch tätig waren. Aber er war ein Mensch, der in herausfordernden Zeiten durch seine ländlichen Wurzeln einen klaren Blick und unverrückbare Handlungsmaximen hatte, die ihn letztlich in Konflikt mit den Nationalsozialisten brachten.

Bischof und Bürgermeister von Film begeistert

Doch wie konnte Memelauer seine öffentliche Kritik am Nationalsozialismus überhaupt überleben?

Lackenberger vermutet zwei Gründe: Zum einen verband ihn mit NS-Gauleiter Hugo Jury seit den 1920er-Jahren eine gute Beziehung, die Memelauer möglicherweise vor der Internierung schützte. Zum anderen wollten sich die Nazis in dieser Phase des Krieges keine Front mit der katholischen Kirche aufmachen. Die Probleme sollten „nach dem Krieg gelöst werden“, findet man dazu in den Akten.

Im St. Pöltner Dom hielt Bischof Michael Memelauer – im Film gespielt von Johannes Seilern – 1941 seine berühmte Silvesterpredigt.
Gerhard Mader

Alois Schwarz zeigt sich vom Film begeistert: „Danke für dieses Zeitdokument, das uns verändern wird. Angesichts der Diskussion um Hilfen zum assistierten Suizid ist die Predigt Memelauers auch eine Mahnung an uns alle.“ St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler kommentierte den Film so: „Ein relevantes Stück österreichischer wie St. Pöltner Zeitgeschichte – an Originalschauplätzen gedreht und spannend erzählt. Anita Lackenberger zeigt viel Gefühl für dieses schwierige und wichtige Thema“.

Für Lackenberger ist die Beschäftigung mit dem Leben Memelauers noch nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Das Bischof-Memelauer-Archiv wird fast Tag für Tag größer. Und der Film selbst geht auf Tournee durch Österreich – konkrete Termine finden Sie in den Lokalausgaben der NÖN.

Trailer zum Film: https://vimeo.com/produktionwest/review/519238302/7945bfcb5e

Tipp: Im Hollywood-Megaplex in St.Pölten ist der Film jeden Sonntag um 18 Uhr zu sehen.