Zivildienst. Sozialjahr wird kritisch gesehen.

Erstellt am 16. September 2012 (17:50)
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Von Madeleine Kopitschek

„Es wird nicht abdecken können, was das derzeitige System kann“, sagt Wolfgang Daxböck, Obmann vom Arbeiter Samariter Bund Österreich (ASBÖ) St. Pölten. Dass der Zivildienst beim Wegfall der Wehrpflicht auch gestrichen werden soll, verunsichert viele Niederösterreicher. Sozialminister Rudolf Hundstorfer will als Alternative zu Wehrpflicht und Zivildienst ein freiwilliges Sozialjahr mit einem monatlichen Mindestlohn (1.300 Euro) einführen.

Die NÖN konfrontierte in der Vorwoche beim „Thema der Woche“ die Menschen in den Bezirken mit der Frage nach dem Zivildienst. Das Ergebnis ist mehr als eindeutig: Bei der „Frage der Woche“, bei der immerhin über 100 Personen mit Namen und Foto Stellung bezogen haben, erklärten rund zwei Drittel der Befragten, dass der Zivildienst bleiben muss. Ähnlich das Ergebnis der NÖN-Online-Umfrage, bei der sich über 70 Prozent dafür ausgesprochen haben.

Österreichweit leisten jährlich 13.000 junge Burschen den neunmonatigen Zivildienst, in Niederösterreich waren es im Vorjahr 2.472. Rettung, Rotes Kreuz oder Pflegeheime sind auf Zivildiener angewiesen. „Sollte der Zivildienst wegfallen, würde unsere Leistung um 40 Prozent sinken“, sagt Hannes Haberfellner von der Bezirksstelle des Roten Kreuzes Ybbs. Ganz abgesehen von den Mehrkosten, die anfallen würden, wenn man Mitarbeiter einstellen müsste. Denn die Zivis übernehmen viele Aufgaben, von Krankentransporten und Notfalleinsätzen bis hin zum Vorlesen der Zeitung für ältere Menschen. Sylvia Seibert, Leiterin des Landepflegeheimes in St. Peter /Au, Bezirk Amstetten: „Die Burschen sind bei den Bewohnern beliebt, weil sie sich Zeit für Gespräche nehmen. Zudem entdecken viele junge Männer den Pflegeberuf für sich.“

Meistens bleiben den Organisationen 70 bis 80 Prozent nach dem Zivildienst als Freiwillige erhalten. „Für uns wäre es das Beste, es so weiterzuführen, wie es jetzt ist. Zivildiener bekommen eine gute Ausbildung, viele wollen bei uns bleiben, also eine Win-win-Situation“, so ASBÖ-Obmann Wolfgang Daxböck.

Das Sozialjahr wird kritisch gesehen. Vor allem die Bezahlung von 1.300 Euro im Monat ist vielen ein Dorn im Auge. Roman Weigl vom Roten Kreuz Hainburg: „Wenn freiwillige Helfer 20 Euro für zwölf Stunden bekommen und die Kollegen im Sozialjahr 1.300, dann wird das Prinzip der Freiwilligkeit zerstört.“

Viele Zivildiener wurden beim Roten Kreuz ausgebildet und sind den Organisationen auch

danach treu geblieben.

RK NÖ/

Hechenberger