Gewerkschaft Bau-Holz befürchtet Dominoeffekt. Die Gewerkschaft Bau-Holz tourt in Sachen 12-Stunden-Tag durch ganz Österreich. Heute, Montag, machte die Tour in St. Pölten Halt.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 06. August 2018 (13:37)
Gewerkschaft Bau-Holz/Andreas Hitz
Bei der Infotour: Karl Votava (Landesvorsitzender Gewerkschaft Bau-Holz NÖ; v. l.), Reinhard Pitzl (Betriebsratsvorsitzender Fa. Traunfellner) und Rudolf Silvan (Landesgeschäftsführer Gewerkschaft Bau-Holz NÖ).

Nach Wien und der Steiermark war St. Pölten nun der dritte Halt der Bundesländer-Aufklärungstour. „Uns stören mehrere Dinge an der Gesetzesnovelle. Der Betriebsrat ist von einem Mitspracherecht künftig ausgenommen. Außerdem ist die Freiwilligkeit am 12-Stunden-Tag für die einzelnen Mitarbeiter in der Praxis nicht so leicht umzusetzen, gerade am Bau. Die Arbeiter kommen ja im Firmenbus. Wenn die zu viert kommen, zwei länger arbeiten wollen und zwei nicht, dann wird’s schwierig. Und: Der Gesetzesentwurf sieht keine Bestimmungen zu Erholungsphasen vor. Wir haben das im Bau-Kollektivvertrag aber geregelt“, erklärt Rudolf Silvan, der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz NÖ, gegenüber der NÖN.

„Einsatzzeiten werden erhöht“

„Wir sind nicht gegen flexible Arbeitszeiten.“, stößt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Karl Votava, ins selbe Horn. „Diese müssen aber fair, vernünftig und auf Augenhöhe vereinbart werden. Das Gesetz geht auf Kosten von Einkommen, Familie, Freizeit und der Gesundheit der Beschäftigten am Bau. Durch das neue Gesetz werden sich die tatsächlichen Einsatzzeiten für viele Bauarbeiter auf bis zu 15 Stunden täglich (12 Stunden Arbeit, 1 Stunde unbezahlte Pause plus 2 Stunden Fahrtzeit), von Montag bis Freitag bis zu 7 Wochen hintereinander, erhöhen.“

Betriebsversammlungen gehen weiter

In Niederösterreich werde es jetzt jedenfalls, wie bereits in den vergangenen zwei Monaten, mit Betriebsversammlungen weitergehen, erklärt Silvan. Diese werden bis weit in den September hinein dauern. Die weiteren Maßnahmen: „Wir wollen schauen, dass wir die gesetzlichen Bestimmungen mit Betriebsvereinbarungen und dem Kollektivvertrag abfedern.“ Ob es weitere Maßnahmen wie Streik geben wird, darauf wollte sich der Landesgeschäftsführer nicht festlegen. „Wir werden beobachten, wie sich das Gesetz in der Praxis entwickelt.“

Silvan sieht Arbeitgeber unter Druck

„Wir fürchten, dass es zu Auswüchsen kommen wird“, so Silvan. „Ich glaube den Arbeitgebern, die sagen, bei ihnen kommt der 12-Stunden-Tag nur in Ausnahmefällen vor. Aber wenn der erste Betrieb einen Auftrag nicht bekommt, weil der Konkurrent mit dem 12-Stunden-Tag kalkuliert hat, dann wird es einen Dominoeffekt geben.“