AK und ÖGB beklagen Arbeitsbedingungen. Die Arbeiterkammer (AK) und der Österreichische Gewerkschaftbund (ÖGB) sehen anlässlich einer Umfrage unter 300 Betriebsräten "dringenden Handlungsbedarf" bei den Arbeitsbedingungen.

Erstellt am 07. August 2013 (12:55)
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Stress, familienfeindliche Arbeitszeiten, Auslagerungen von Unternehmensteilen würden die heutige Arbeitswelt bestimmen, heißt es im Strukturwandelbarometer von AK und Institut für empirische Sozialforschung (IFES).

Befragt wurden die Betriebsräte von IFES nach 30 verschiedenen Einzelaspekten - etwa Zeitdruck, Anteil von Leiharbeit, Outsourcing, Investitionen in Personal oder Einbindung des Betriebsrates. Strukturwandel findet laut dem wissenschaftlicher Projektleiter beim IFES, Georg Michenthaler, am stärksten in Unternehmen statt, die über mehr als 200 Beschäftigte verfügen, atypische Beschäftigungsverhältnisse aufweisen und ihre Entscheidungen von einer Konzernzentrale im Ausland "diktiert" bekommen.

Ansteigen des Zeitdrucks als Thema

Zwei Drittel der befragten Betriebsräte sahen im vergangenen halben Jahr ein Ansteigen des Zeitdrucks sowie eine Erhöhung der Flexibilitätsanforderungen. Für fast die Hälfte der Befragten sind die steigenden Flexibilitätsanforderungen vorteilhaft für die Firma, aber zwei Drittel meinen, dass dieser Wandel für die Belegschaft nachteilig ist. Laut Umfrage werden Teilzeitkräfte fast in jedem der untersuchten Betriebe eingesetzt. Fast jedes zweite Unternehmen beschäftigt Leiharbeitskräfte.

"Die Resultate machen deutlich, dass bei den herrschenden Arbeitsbedingungen dringend Verbesserungsbedarf herrscht", so AK-Präsident Rudi Kaske.

Forderung: All-in-Verträge einschränken

AK und ÖGB haben anlässlich der Umfrage ihre Arbeitsmarkt-Forderungen mitten im Wahlkampf erneuert: Überstunden sollen verteuert, All-in-Arbeitsverträge eingeschränkt und der Zugang zur sechsten Urlaubswoche erleichtert werden. Zudem soll Teilzeitbeschäftigten der Wechsel in Vollzeit erleichtert werden. Den Anteil von Leiharbeitnehmern wollen AK und ÖGB auf maximal 10 Prozent der Belegschaft beschränken.

Wirtschaftsbund und Industrie haben den Arbeitnehmervertretern in einer Reaktion auf die Studie Schlechtreden vorgeworfen. Der Wirtschaftsbund verwies auf eine Market-Umfrage, der zufolge Mitarbeiter selbst Überstunden machen wollten. Der Großteil lehne zudem zusätzliche Steuern für die Arbeitgeber ab. Die Industriellenvereinigung erklärte, dass mehr als 90 Prozent der österreichischen Arbeitnehmer laut einer OECD-Erhebung mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden oder sehr zufrieden seien.