Überstunden: Volle Zuschläge für Teilzeit-Beschäftigte. Volle Überstunden-Zuschläge auch für Teilzeit-Beschäftigte fordert Markus Wieser, NÖ Arbeiterkammerpräsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender. Den rund 190.000 Teilzeit-Angestellten in Niederösterreich würden jährlich 25 Millionen Euro vorenthalten, weil Mehrstunden mit einem geringeren Stunden-Zuschlag als bei Vollzeit-Beschäftigten ausbezahlt werden.

Von APA Red. Update am 25. September 2017 (15:06)
Franz Gleiß
AKNÖ-Präsident Markus Wieser

"Es ist überhaupt nicht einzusehen, wieso Teilzeit-Beschäftigte weniger wert sein sollen", erklärte Wieser in einer Pressekonferenz am Montag in St. Pölten. Laut einer Erhebung der AK hätten Teilzeitkräfte im Bundesland im Vorjahr rund 5,3 Millionen Überstunden geleistet.

Fast ein Drittel davon sei überhaupt nicht bezahlt worden. Für die übrigen 3,9 Millionen Stunden gebe es aber nur 25-prozentige Zuschläge je Stunde, während es sonst gerechterweise 50 Prozent oder 100 Prozent seien. "Diese Unterschiede sind durch nichts zu rechtfertigen", so Wieser am Montag in einer Aussendung. Es brauche daher die sofortige gesetzliche Anhebung auf die regulären Überstunden-Zuschläge.

Die Anzahl jener Personen, die Teilzeit arbeiten und Mehrstunden machen, sei seit 2006 um 32 Prozent gestiegen, während die Anzahl der Vollzeit-Beschäftigten mit Überstunden im selben Zeitraum um 7,6 Prozent gesunken sei. Der Hauptgrund sei naheliegend, so die AKNÖ: "Das Teilzeit-Modell ist für die Arbeitgeber schlichtweg billiger."

Faire Bezahlung soll Kaufkraft stärken

85 Prozent der Teilzeitbeschäftigten seien Frauen. Einer Befragung zufolge hätten nur 17 Prozent der Teilzeitbeschäftigten keine Vollzeitstelle gesucht. Betont wurde zudem, dass gerade bei Teilzeitbeschäftigten der Arbeitsdruck enorm sei, dazu kämen ständige Erreichbarkeit in der Freizeit oder kurzfristige Dienstplan-Änderungen.

Eine faire Bezahlung der Überstunden und eine daraus resultierenden Stärkung der Kaufkraft helfe auch der Wirtschaft, da der größte Teil der Lohnzuwächse von Teilzeit-Beschäftigten unmittelbar in den Konsumkreislauf zurückfließe. Das beste Beispiel dafür sei die Steuerreform. "Mehr netto vom brutto" sei maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass das Wirtschaftswachstum im Vorjahr um 1,5 Prozent (laut Wifo) gestiegen sei, hieß es in der Aussendung.

IV NÖ an AKNÖ: Arbeitskosten nicht weiter verteuern

"Teilzeit-Arbeitskräfte sind keinesfalls weniger wert als Vollzeit-Arbeitskräfte." IV NÖ-Präsident Thomas Salzer wehrte sich am Montag gegen Aussagen von AKNÖ-Präsident Markus Wieser, wonach Teilzeitmodelle Unternehmen billiger kämen, und er sprach sich gegen eine weitere Verteuerung der Arbeitskosten aus. Dies würde letztlich nur den Beschäftigten schaden.

"Bis zur 40. Stunde gebühren Teilzeitkräften in Österreich 25-prozentige Mehrarbeitszuschläge und somit mehr als Vollzeitkräften. Für Überstunden erhalten sowohl Teilzeit- als auch Vollzeit-Arbeitskräfte 50-prozentige Zuschläge. Eine 30-Stunden-Kraft, die in der Woche beispielsweise 42 Arbeitsstunden leistet, kommt den Betrieben damit teurer als eine Vollzeit-Arbeitskraft, die genauso viel arbeitet", erläuterte Salzer in einer Aussendung.

Damit Frauen, die den Großteil der Teilzeit-Beschäftigten stellen, mehr Wahlfreiheit beim Ausmaß ihres jeweiligen Dienstverhältnisses haben, müsse das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen in Niederösterreich weiter ausgebaut werden. "Mit den zusätzlichen Mitteln, die das Land NÖ Mitte September für den Ausbau der Kinderbetreuung genehmigt hat, sind wir bereits auf einem guten Weg", erklärte Salzer und hielt zudem fest, dass es durchaus Beschäftigte gebe, die sich bewusst für das Teilzeitmodell entscheiden.

"Unzufrieden" zeigte sich der IV NÖ-Präsident mit dem jüngsten Antrag zur rechtlichen Angleichung von Arbeitern mit Angestellten: "Hier fehlt ein Gesamtkonzept für die Umsetzung, das standortverträglich und beschäftigungsfördernd ist", wandte er sich gegen ein "schnelles Wahlzuckerl".

WKNÖ-Zwazl lehnt höhere Überstundenzuschläge ab

Ein „Nein“ zur Forderung der AKNÖ nach höheren Überstundenzuschlägen für Teilzeitbeschäftigte kommt von Sonja Zwazl, der Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). „Wir müssen sehr aufpassen, das zarte Konjunkturpflänzchen nicht gleich wieder mit zusätzlichen Belastungen niederzutreten“, so Zwazl. „Und zusätzliche Belastungen sind mit Sicherheit kein Turbo für Unternehmen und Beschäftigung.“ 

Tatsache sei, dass Teilzeit von den Beschäftigten im Interesse ihrer Lebenseinteilung, beispielsweise für Weiterbildung oder aus Gründen der Kinderbetreuung, massiv nachgefragt werdn. Eine Umfrage zeige etwa, dass 92 Prozent der Frauen zufrieden mit dem Ausmaß ihrer Tätigkeit sind. Und auch die Erfahrungen der Unternehmen würden laut Zwazl belegen, dass Teilzeit bei den Beschäftigten höchst gefragt ist. Zwazl: „Unternehmen in Niederösterreich sind seitens der Beschäftigten oftmals in einem solchen Ausmaß mit Teilzeitwünschen konfrontiert, dass sie diese Wünsche gar nicht erfüllen können.“ Oftmals wären Unternehmen Vollzeitverhältnisse sogar deutlich lieber als Teilzeit.

Zugleich betont Zwazl, dass ein Nichtbezahlen von Überstunden rechtlich gar nicht möglich ist. „Und würde ein Unternehmen das versuchen, dann muss es bei Betriebsprüfungen mit äußerst saftigen Strafen rechnen.“