Alpine-Konkurs. Mega-Pleite / 800 Alpine-Mitarbeiter und ein Teil der 31.700 Die Insolvenz des zweitgrößten heimischen Bauriesen Alpine, der vor allem im Straßen-, Kanal-, Hoch- und Ingenieurtiefbau tätig ist, trifft den Arbeitsmarkt in NÖ massiv.

Erstellt am 23. Juni 2013 (14:00)

Von Heinz Bidner

Der am Montag eingebrachte Schließungsantrag für den in die Insolvenz geschlitterten heimischen Bauriesen Alpine trifft den Arbeitsmarkt massiv. Wie Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav mitteilte, sind in NÖ rund 800 Jobs der zahlungsunfähigen Alpine Bau GmbH betroffen. Laut Alpine-Zentralbetriebsratschef Hermann Haneder, der auch Präsident der Arbeiterkammer NÖ ist, entfallen rund 300 Alpine-Zulieferfirmen auf NÖ.
 
Nach einer Detailauswertung des Gläubigerschutzverbandes KSV1870 stehen bundesweit 1.400 Zulieferer mit 164.290 Mitarbeitern „in nennenswertem Umfang“ in Geschäftsbeziehung mit der Alpine Bau. NÖ ist mit 31.657 Mitarbeitern in 298 Zulieferbetrieben nach Wien (54.892 Jobs in 215 Betrieben) am stärksten betroffen. Keinesfalls seien aber alle von einer Folgeinsolvenz bedroht. Auch würden bundesweit nur 80 dieser Betriebe mehr als ein Drittel ihres Jahresumsatzes mit der Alpine tätigen.

Offen ist zudem, wie es mit Alpine-Beteiligungen und den 400 Arbeitsgemeinschaften bzw. 4.300 Bauprojekten in In- und Ausland weiter gehen soll (NÖ-Konnex siehe Infobox nebenan). Die wohl größte Alpine-Baustelle in NÖ ist die Güterzugumfahrung St. Pölten. Prominent ist auch der Garagenbau zur neuen Landeszentrale der Arbeiterkammer in St. Pölten.

Die Vorgeschichte: Vergangenen Mittwoch hat die Salzburger Alpine Bau GmbH mit knapp 6.500 Arbeitnehmern (davon rund 4.900 in Österreich), Herzstück des rund 15.300 Mitarbeiter zählenden Alpine-Konzerns, den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung eingebracht. Laut Insolvenzantrag, welcher der NÖN vorliegt, stehen Passiva von 2,56 Milliarden Euro Aktiva von 661 Millionen Euro gegenüber. Damit handelt es sich um die größte Insolvenz der zweiten Republik.

Am Wochenende scheiterten die Gespräche zur Gründung einer großen Auffanggesellschaft für das Unternehmen. Masseverwalter Stephan Riel hat am Montag die Schließung der Alpine Bau beantragt.

Ringen um regionale Übernahmelösungen

„Jetzt sollen regionale Übernahmelösungen gemacht werden, wo möglichst viele Baustellen übergeben und fertiggestellt werden. Damit soll Sicherheit für die Arbeitnehmer und Lieferanten hergestellt werden“, erklärt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform. Laut Riel hätte die heimische Bauwirtschaft bereits derartige Lösungen angeboten.
 
Wie die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) informiert, enden die Arbeitsverhältnisse damit nicht. „Für die Beschäftigten ist es jetzt wichtig, sich vorab zu informieren und erst dann eine Entscheidung zu treffen, ob sie in einer möglichen neuen regionalen Auffanggesellschaft bleiben oder einen Firmenwechsel anstreben“, meint GBH-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch. Und: „Wir warnen ausdrücklich vor einem vorzeitigen Austritt, ohne davor die finanziellen Auswirkungen zu kennen.“
 
Wie aus dem Insolvenzantrag hervorgeht, waren gescheiterte Finanzierungsgespräche Grund für den Konkurs. Die freie Liquidität der Alpine betrug demnach zur Verfahrenseröffnung am Mittwoch nur noch 5 Millionen Euro, nachdem die Zusage seitens des spanischen Mutterkonzerns FCC Construccion S. A. für eine Überweisung über 21 Millionen Euro am Dienstag nicht mehr eingehalten werden konnte. Schon zuvor hatte FCC mehr als 200 Millionen Euro der angeschlagenen Tochter zugeschossen. Insgesamt wären noch weitere 400 Millionen Euro an zusätzlichem Kapital nötig gewesen. Der Verlust (EGT) belief sich bei der Alpine Bau GmbH 2012 auf knapp 459 Millionen Euro, das Eigenkapital war mit 169 Millionen Euro bereits negativ.
 
Auf Bundesebene wurde von SP und VP indes ein bis zu 500 Millionen Euro schweres Extra-Konjunkturpaket angekündigt.
In NÖ verweist Wirtschaftslandesrätin Bohuslav (VP) darauf, dass für die Zulieferer aus NÖ unter anderem Mittel zur Finanzierung bestehender Aufträge reserviert sind.

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Das Alpine-Netzwerk in NÖ

Niederlassungen. Neben der NÖ-Zentrale in Unterradlberg bei St. Pölten hat die Alpine Zweigstellen in Amstetten, Bernhardsthal, Himberg, Horn, Mistelbach, Perchtoldsdorf, Trumau, Vösendorf, Wiener Neudorf und Wiener Neustadt.

Beteiligungen. Die Alpine hält laut Firmenbuch auch an den folgenden Unternehmen in NÖ Anteile. Grund- und Sonderbau GmbH, Himberg: 100%. Bautechnische Prüf- und Versuchsanstalt GmbH, Himberg: 100%. CPI Czech Property Invest AG, Unterwölbling: 60%. Waldviertler Lieferasphalt GmbH, Horn: 50%. Raststätten Betriebs GmbH, Großebersdorf: 50%. Asphaltmischwerk Greinsfurth GmbH, Amstetten: 25%. RFM Asphaltmischwerk GmbH, Oeynhausen: 33,3%. ABO Asphalt-Bau Oeynhausen GmbH, Oeynhausen: 22,5%. Asphaltmischwerk Betriebs-GmbH, Rauchenwarth: 20%. Bonaventura Straßenerrichtungs-GmbH, Großebersdorf: 4,44%.
 
Arbeitsgemeinschaften. In NÖ scheinen im Firmenbuch 55 weitere, der Alpine nahestehende Unternehmungen, auf. Folgende 35 davon sind als aktive Firmen gelistet.
  • Amstetten: Arge ABA Hollenstein, Arge ABA Krautberg, Arge ABA Raxendorf, Arge ABA WVA Haag Alpine Mayreder Leitner, Arge GAV Amstetten, Arge Pflasterung Waidhofen/ Ybbs/AGes-Bau/Alpine Mayreder/ Strabag/Swietelsky, Arge WVA Euratsfeld, Asphaltmischwerk Greinsfurth GmbH & Co OG.
  • Gerasdorf: Arge GLEISBAU U2/6-8.
  • Großebersdorf: Arge Raststätten PPP Ostregion.
  • Horn: Arge Bahnhof Ladendorf, Arge BM KA Tulln, Arge Brückenumfahrung Mold, Arge Straßenbau Umfahrung Mold, Arge S5-II, Waldviertler Lieferasphalt GmbH & Co KG.
  • Krems: Arge Lagerhausgründe Tulln, Arge NUA Hohenruppersdorf, Arge Pädak Krems, Alpine - Schubrig, Arge Seniorenwohnheim Krems, Arge WHA Kirchberg Alpine - Schubrig.
  • Oeynhausen: RFM Asphaltmischwerk GmbH & Co KG.
  • Perchtoldsdorf: OEKOTECHNA Entsorgungs- und Umwelttechnik GmbH.
  • Pfaffstätten: Arge VIE Pistensanierung 2013/2.
  • Rastenfeld: Arge Brückenbau B2/B45/B37 Alpine - Strabag.
  • Rauchenwarth: Asphaltmischwerk Betriebsgesellschaft m.b.H. & Co KG.
  • St. Pölten: Arge Akademiesiedlung/Neulengbach ERA Bau AG - Alpine Bauges., Arge A1 Pöchlarn Alpine & Traunfellner, Arge Neubau Info Center, Arge PFRAMA B 3 UNIVERSALE STRABAG, Arge S33 RFB Krems I, Arge TZ Neusiedl/See, Arge Zentrallager Leiner.
  • Unterradlberg: Arge Wohnhausanlage Neulengbach.
  • Wiener Neustadt: Arge Hornbach Stadlau.