Arbeiterkammer mit Anfragen überflutet. Der Informationsbedarf war bei den Arbeitnehmern im ersten Halbjahr 2020 enorm. Bei der Arbeiterkammer NÖ gingen um fast 50 Prozent mehr Anfragen ein als 2019. Auskunft wollten die Niederösterreicher über Kurzarbeit, Risikogruppen oder Urlaub im Covid-19-Sommer.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 28. Juli 2020 (12:24)
Präsentieren die Halbjahresbilanz im Arbeits- und Sozialrecht der AK Niederösterreich mit 110.000 Beratungen: Markus Wieser, Doris Rauscher-Kalod, Thomas Kaindl
AK Niederösterreich/Scheichel

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Mitte März glühen bei der Arbeiterkammer (AK) die Telefone. Insgesamt bekamen die Mitarbeiter im ersten Halbjahr 2020 110.038 Anfragen zu Arbeits-, Sozial- und Insolvenzrecht. Das ist ein Anstieg um fast 50 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. "Es gab viele Unklarheiten und Informationsbedarf. Die Hotlines waren daher bis 19 Uhr und sogar am Wochenende besetzt", sagt AKNÖ-Präsident Markus Wieser.

Zu Beginn des Shutdowns drehten sich die Anfragen um Kündigungen mit Wiedereinstellungszusage, später waren vor allem Kurzarbeit und Arbeit für Risikogruppen Thema, momentan zeigt sich auch bei den Beratungen der AK, dass Urlaubszeit ist: "Viele Menschen wollen wissen, ob sie ihren Urlaub konsumieren müssen oder ob der Arbeitgeber fragen darf, wo sie Urlaub machen", nennt Doris Rauscher-Kalod, Leiterin des Bereichs Arbeits- und Sozialrecht Bespiele. 

Ärger über Ankündigungen, für die die gesetzliche Grundlage fehlte

Nicht zufrieden waren die Experten der AK mit dem Informationsfluss. Oft seien in Pressekonferenzen der Bundesregierung Dinge angekündigt worden, für die es noch keine Grundlage in Form von Gesetzen oder Präzedenzfällen gegeben habe. "Die Sozialpartner wurden nicht informiert, die Leute wollten aber natürlich gleich Auskunft", schildert Thomas Kaindl, Leiter des Bereichs Regionale Aufgaben. Das sorgte bei Arbeitnehmern für Verwirrung und erschwerte die Arbeit der AK-Berater, unterstreicht Wieser. Bestes Beispiel sei dafür die Risikogruppen-Verordnung. "Die wurde angekündigt, die klare Regelung ist aber erst viel später gekommen", ärgert sich der AKNÖ-Präsident. 

Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden. Dennoch rechnet man bei der AKNÖ damit, dass zahlreiche offene Fragen noch zu klären sein werden. "Zahlreiche Verfahren, die wir für Beschäftigte vor dem Arbeits- und Sozialgericht eingebracht haben, haben sich durch die Krise verzögert. Auch das wird neben den nach wie vor zahlreichen Beratungen erheblichen Mehraufwand für unsere Experten verursachen." Auch eine verspätete Insolvenzen-Welle im Herbst werde die AKNÖ noch fordern, erwartet Wieser.