Kampf um zehntausende Arbeitsplätze in NÖ. 81.000 Landsleute haben keinen Job. Mit Projekten speziell für Alte und Junge will Politik ihnen Perspektiven geben.

Von Lisa Röhrer und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 10. Februar 2021 (05:12)
Quelle: AMS; Illustration: isal76/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Wer die Oma im Pflegezentrum Himberg besuchen will, bekommt von Sabine Unterrader einen Termin, muss einen Corona-Test machen und wird von ihr zur Besucherlounge begleitet. Seit mittlerweile drei Monaten kümmert sich die 55-Jährige aus dem Bezirk Mödling um das Besuchermanagement im Pflegeheim. Die Arbeit bekam sie über die „Jobchance 50plus“.

Mit dem Projekt soll Älteren oder Langzeitarbeitslosen der Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert werden. Ein Verein stellt die Menschen befristet an, sie arbeiten in Gemeinden oder gemeinnützigen Einrichtungen. Im Zuge der Corona-Krise wurde die „Jobchance 50+“ laut Arbeits-Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) erweitert. Das ist eines der Projekte, mit denen die Politik der Arbeitslosigkeit entgegenwirken will. Besonders betroffen sind davon ältere Menschen oder sehr Junge.

Sabine Unterrader hat ihren – zumindest vorübergehenden – Job wegen Covid bekommen. Damit ist sie aber die Ausnahme: Die Arbeitslosigkeit erreichte im April des Vorjahres ein historisches Hoch. Rund 87.500 Menschen waren ohne Job oder in Schulungen. Ende Jänner 2021 waren das rund 81.000 Niederösterreicher – 10.000 mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen 108.000 in Kurzarbeit.

Gezielte Beratung für 18- bis 25-Jährige

Neben der Erweiterung der „Jobchance 50plus“ hat das Land, laut Eichtinger, ein Projekt ins Leben gerufen, um jungen Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern: Bei „Job.Start“ werden 18- bis 25-Jährige von der „Mensch und Arbeit GmbH“ beraten, hinsichtlich möglicher Weiterbildungsmaßnahmen gefördert und bei der Jobsuche unterstützt. Finden sie eine Stelle, gibt es für den Arbeitgeber eine Förderung der Lohnkosten von bis zu 50 Prozent.

Der Bund startete als Folge der Krise die Qualifizierungsoffensive. „Natürlich ist das auch für NÖ wichtig: Ziel ist es, im Jahr 2021 zusätzlich 17.000 Menschen im Bereich der Qualifizierung und 13.000 Menschen in den Bereichen Beratungs- und Betreuungsleistungen zu helfen“, erklärt Eichtinger. Schaffen will man das durch die Aufstockung des Bildungsangebots des AMS. Insgesamt stünden 72 Millionen Euro für diese Maßnahmen bereit. „Wir unterstützen auch Umschulungen in den Pflegebereich und im Bereich der Digitalisierung. Weiterbildungsmaßnahmen sind das Um und Auf“, meint Eichtinger.

AMS erwartet Rückgang Ende März

Das deckt sich mit der Arbeitsmarktstrategie 2021-2027, die die Politik mit dem AMS und den Sozialpartnern erstellt hat. Weiterbildung ist eine der drei Säulen. Die anderen beiden sind das Fördern von Qualifizierung und das Integrieren jener Menschen in den Arbeitsmarkt, die Hilfe brauchen. Ziel ist es, die Beschäftigungs- und Erwerbsquote in NÖ zu erhöhen.

Mit einer kleinen Erleichterung am krisengebeutelten Arbeitsmarkt rechnet AMS-NÖ-Chef Sven Hergovich schon infolge der Lockdown-Lockerungen: Er glaubt, dass die Anträge auf Kurzarbeit etwas zurückgehen, „weil die Unternehmen durch die Wiedereröffnung Personal in den Geschäften brauchen.“ Einen generellen Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet Hergovich Ende März. „Die Bekämpfung der leider – krisenbedingt – massiv gestiegenen Langzeitarbeitslosigkeit wird uns noch lange beschäftigen.“

Die SPÖ will mehr Jobs schaffen, um die Arbeitsmarktkrise zu bewältigen. Sie startet eine Beschäftigungsinitiative und fordert in ihrer Kampagne „80.000 neue Jobs für NÖ“. Die sollen mit einer Investitions-Milliarde in den Bereichen Digitalisierung, Green Economy und Gesundheit und Pflege entstehen.