Ardex will Werk in Russland bauen. Anton Reithner, Chef des Spezialbaustoff-Marktführers, möchte weiter expandieren. Am Handwerkerbonus übt er Kritik.

Erstellt am 04. März 2014 (11:00)
NOEN, Presse&Foto FRANZ GLEISS
»Wir sind ganz klar im Premiumsegment positioniert. Der Preis ist aber das Ergebnis der hohen Qualität«, sagt Ardex-Chef Anton Reithner. Foto: Gleiss
Von Heinz Bidner

Über 20 Jahre lang ist Anton Reithner Geschäftsführer der Ardex Baustoff GmbH, die in Loosdorf Spezialbaustoffe im Premiumsegment erzeugt.

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„Wir hatten in all den Jahren in Österreich immer ein Umsatzplus, nur in den Krisenjahren 2008/2009 nicht – und jetzt 2013. Das war ein schwieriges Jahr“, sagt Reithner.

Trend zur größeren Fliesen kommt Firma entgegen

Der Winter zu Jahresbeginn habe lange angehalten. Die Baufirmen hätten dadurch ein Monat zum Arbeiten verloren, was nicht mehr aufzuholen gewesen sei. Dazu kam die Alpinepleite mit Folgekonkursen. Durch ein Umsatzplus in den Auslandsmärkten (siehe unten) wäre sich unterm Strich aber ein Gewinn auf Vorjahresniveau ausgegangen, so Reithner. Konkrete Zahlen werden vom Unternehmen nicht bekannt gegeben.

Insgesamt kommt Ardex auch ein anderer Trend entgegen: Die Größe der Fliesen nimmt stetig zu. So klebt man mittlerweile Fliesen mit einer Größe von bis zu 1,5 mal 3 Meter an die Wand. „Dazu braucht man Spezialprodukte“, erklärt Reithner.

Und da spiele der Preis eine untergeordnete Rolle: „Wichtig ist, dass der Kleber in der Lage ist, die Fliese an der Wand zu halten.“ Im Ausland würden diese Großformate und höhere Qualitäten noch lange nicht so zum Tragen kommen, wobei dieser Trend aber schon teils erkennbar sei – etwa bei wohlhabenden Russen.

„Auch die Türkei hat ein enormes Potenzial“

Für 2014 zeigt sich Reithner jedenfalls zuversichtlich: „Es war ein dynamischer Start.“ International gesehen liege der Fokus von Ardex heuer auf Russland. Hier will Reithner entweder ein neues Werk bauen oder ein bestehendes übernehmen oder ein Joint-Venture mit einem anderen Unternehmen eingehen. Im Idealfall noch in diesem Jahr.

„Auch die Türkei hat ein enormes Potenzial. Hier mussten wir das Premiumsegment erst entwickeln – das gab es vorher nicht“, sagt Reithner. 2010 wurde 50 Kilometer außerhalb von Istanbul ein Werk errichtet, wo 25 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Kritik an Plänen zum Handwerkerbonus 

Für eine grundsätzlich gute Idee hält Reithner den Handwerkerbonus. Er soll bundesweit ab Juli in Form eines Pilotprojektes starten, um die Schwarzarbeit einzudämmen. 20 Prozent von maximal 3.000 Euro (exklusive Umsatzsteuer) sollen vom Staat bezuschusst werden. Das wären 600 Euro. Der Haken: Für heuer sind die Kosten für den Bonus mit zehn Millionen, für 2015 mit 20 Millionen Euro gedeckelt. Wer also zuerst einreicht, bekommt das Geld.

Diese Einschränkungen bedauert Reithner. In der Schweiz werde ein Gutteil der Handwerkerarbeiten steuerlich refundiert. „Ich würde den Bonus an die Größe der Investition koppeln und nicht an einen Betrag“, meint Reithner. So sollte der 20-Prozent-Bonus etwa für die Hälfte der Investition gelten. Das wäre effizienter, um der Schwarzarbeit entgegenzuwirken, würde die Wirtschaft ankurbeln und die Steuereinnahmen erhöhen, schätzt Reithner.

Tipp: Über „Die Geschichte der Zukunft“ referiert der renommierte Zukunftsforscher Erik Händeler am 15. März ab 17 Uhr in der Ardex-Niederlassung Loosdorf. Dazu gibt es ein Programm mit Fingerfood und Musik. Kosten: 60 Euro pro Person, 100 Euro pro Paar. Anmeldung: 02754/7021-222


Daten & Fakten

Die international tätige deutsche Ardex-Gruppe setzte 2013 rund 510 Millionen Euro um – plus fünf Prozent gegenüber 2012. Länderzahlen werden nicht bekannt gegeben.

In Österreich hat die Ardex Baustoff GmbH ihren Sitz samt Werk in Loosdorf im Bezirk Melk. Neben dem heimischen Markt ist Geschäftsführer Anton Reithner auch für die Vertriebsgesellschaften in Russland, Tschechien/Slowakei, Bulgarien, Ungarn, Polen, Italien und der Türkei (wo es auch ein Werk gibt) zuständig. In Österreich sind 85 Mitarbeiter beschäftigt, ebenso viele in den zugehörigen Ländern.

Bei Fliesenkleber, Fugen- und Spachtelmasse für Boden und Wände ist Ardex in Österreich mit rund 25 Prozent wertmäßigem Marktanteil führend. Der Vertrieb erfolgt über den Fachgroßhandel.