ÖBB investieren 2,6 Milliarden in Bahn-Infrastruktur. Der Fokus der ÖBB liegt in den nächsten Jahren auf der Südbahn, der Nordbahn, der Flughafen-Anbindung aus dem Osten und der Anbindung an Bratislava.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 03. September 2019 (05:56)
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2021 wird der ÖBB-Bildungscampus in St. Pölten eröffnet. (Ansicht: © ÖBB)
ÖBB

Jeder dritte Bahnhof und jeder zweite Park- & Ride-Platz liegt in Niederösterreich, 1.500 der 5.000 österreichischen Schienenkilometer verlaufen hier. Dementsprechend groß ist der Investitionsbedarf. 2,6 Milliarden Euro stecken die ÖBB in den nächsten vier Jahren in Ausbau und Sanierung der Bahn-Infrastruktur in Niederösterreich.

ÖBB-Vorstand Franz Bauer stellt das ÖBB-Investitionsprogramm vor.Hauswirth
Sabine Hauswirth

Der für Infrastruktur zuständige ÖBB-Vorstand Franz Bauer, ein gebürtiger Waldviertler mit Wohnsitz in Mödling, skizziert im NÖN-Exklusivinterview die Eckpunkte dieses Ausbauprogrammes:

Süd-Strecke

Der Abschnitt zwischen Wien und Wiener Neustadt ist völlig ausgelastet. „Die Strecke kann nicht mehr leisten, obwohl die Nachfrage speziell im Pendlerverkehr deutlich höher wäre“, betont Bauer. Der viergleisige Ausbau soll Abhilfe schaffen – in zwei Schritten. Bis 2023 wird die Pottendorfer Linie zwischen Wien und Wampersdorf zweigleisig und elektrifiziert.

Danach werden hier vor allem Fernverkehr und Güterverkehr geführt, ohne Stopp zwischen Wien und Wiener Neustadt. Die bestehende Südstrecke wird parallel dazu zur Regional- und Pendlerbahn. Auf lange Sicht soll zudem die Strecke zwischen Meidling und Mödling viergleisig ausgebaut werden. Dazu gibt es ein Übereinkommen mit dem Land NÖ und der Stadt Wien. „Wir überlegen, hier auch zusätzliche Haltestellen zu errichten, damit wir der Stadtentwicklung südlich von Wien Rechnung tragen“, erklärt Bauer.

Der Planungshorizont ist langfristig. „Vergleicht man das mit der Neubaustrecke Wien-St. Pölten muss man mit 20 Jahren rechnen“, betont Bauer.

Semmering-Basistunnel

Mit Fahrplan-Wechsel 2026/27 geht der Semmering-Basistunnel in Betrieb. Bis dahin muss die Kapazität zwischen Wiener Neustadt und Gloggnitz erhöht werden. Das bedeutet auch, dass die Bahnhöfe – als Nächstes ist Ternitz dran – ausgebaut werden müssen, damit der Güterverkehr auf die Nebengleise ausweichen kann. Insgesamt wird die Eröffnung des Tunnels auf der gesamten Südstrecke ein neues, attraktiveres Zug-Angebot bringen, versichert Bauer.

Ausbau der Strecke Wien-Bratislava

Die Bahnstrecke zwischen den beiden Hauptstädten wird „selektiv zweigleisig“ ausgebaut und elektrifiziert. Ab 2023 ist man in 40 Minuten von Wien in Bratislava – um 25 Minuten schneller als heute. Positiver Nebeneffekt: Güterzüge, die nicht Wien als Ziel- oder Ausgangspunkt haben, können dann nördlich um Wien geführt werden.

Nordbahn

Große Anlagen der Nordbahn sind am Ende ihrer Lebensdauer. Derzeit sind die ÖBB in der Vorbereitung der UVP-Planung, 2027 soll die Modernisierung abgeschlossen sein. Danach beträgt die Fahrzeit zwischen Wien und Prag nur mehr 3:45 Stunden – um etwa eine halbe Stunde weniger als heute. Bis 2027 werden die Bahnhöfe saniert und, dort wo möglich, die Eisenbahnkreuzungen aufgelassen.

Anbindung des Ostens an den Flughafen Schwechat

Ein ähnlich attraktives Angebot wie von St. Pölten zum Flughafen soll es künftig auch aus dem Osten über Bruck/Leitha geben. Eine Bedarfserhebung zeigte, dass das Kundenpotenzial dafür vorhanden ist. Bis Ende 2020 soll der Trassenverlauf fix sein, danach werden die Planungen für die UVP in Angriff genommen.

Breitspur-Terminal

Um Waren aus China und Russland nach Mitteleuropa zu bringen, soll das Breitspurbahnnetz bis in den Raum Wien ausgebaut werden. Was anfangs nach Utopie klang, wird konkreter. Derzeit läuft die Strategische Verkehrsprüfung, 2020 könnte das Projekt in die Hochleistungsstreckenvereinbarung aufgenommen werden. Danach soll der Trassenverlauf geklärt sowie der Standort des Terminals festgelegt werden. Bauer: „Aus meiner Sicht ist es wahrscheinlich, dass die Entscheidung für Niederösterreich ausfallen könne. Aber zeigen werden das erst die nächsten Schritte.“

S-Bahn-Stammstrecke

700 Züge sind pro Tag auf der Schnellbahnstammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling unterwegs. „Es gibt keine U-Bahn-Strecke, auf der so viele Züge fahren“, erklärt Bauer. Sollten sich Land NÖ, Stadt Wien und Bund auf den Bau einer weiteren Stammstrecke einigen, wäre es dennoch ein Jahrzehnte-Projekt. Die ÖBB setzen derweil darauf, den Verkehr auf anderen Bahnen zu verdichten – beispielsweise auf der Inneren Franz-Josefs-Bahn von Tulln bis Wien oder auf der Strecke Tulln-Tullnerfeld.

Westbahn-Strecke

Die Strecke von Wien über St. Pölten nach Linz ist die derzeit modernste in Österreich. Zwischen Linz und Wels ist die Westbahn aber nur zweigleisig. Bis 2025 oder 2026 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Der positive Effekt für die Niederösterreicher: Danach können auf der Westbahnstrecke die Kapazitäten für Personen- und Güterverkehr weiter aufgestockt werden.

Bildungscampus St. Pölten

Wer in Österreich künftig eine Bahnausbildung oder -fortbildung macht, kommt um St. Pölten nicht herum. Das gilt sowohl für die Erwachsenenbildung als auch für die Lehrlinge. Um insgesamt knapp 80 Millionen Euro entsteht hier der neue ÖBB-Bildungscampus mit Lehrlingsheim. Fertigstellung: 2021.