Erstellt am 18. August 2014, 09:52

von Heinz Bidner

Brantner startet mit Sprit-Produktion. Unternehmensgruppe will neue Geschäftsbereiche und zusätzliche Länder erschließen. In der Türkei wartet man ab.

"Das ist für uns ein Pilotprojekt, um selbst in die Biodieselproduktion zu gehen", sagt Firmenchef Bernd Brantner zum geplanten Kauf der SEEG-Biodieselanlage Mureck.  |  NOEN, Gerald Lechner

„Wir wollen auf jeden Fall weiter wachsen“, sagt Bernd Brantner, Chef der Brantner-Unternehmensgruppe aus Krems. Sie ist in den Bereichen Abfallwirtschaft, Transport und Gebäudebetreuung tätig. Neue Länder außerhalb Europas wären zwar ein Thema, derzeit gebe es aber keine konkreten Pläne. Russland wäre jedenfalls ein Hochrisikoland und uninteressant.

In Österreich selbst hat die Langenloiser Brantner-Tochter Ölwert etwa die steirische SEEG-Biodieselanlage Mureck, die Mitte 2013 in die Insolvenz schlitterte, gepachtet. Jetzt will Bernd Brantner einen Schritt weitergehen: „Wir werden voraussichtlich noch im August den Kaufvertrag unterschreiben. Das ist für uns ein Pilotprojekt, um selbst in die Biodieselproduktion zu gehen.“ Einen Preis nennt er nicht. In Mureck wurden bislang Altspeiseöl und Rapsöl zur Biodieselproduktion verwendet.

Gewinn für 2013 erwartet

Längst sei man einer der größten Ölsammler in Österreich, so der Firmenchef. Fast 30 Millionen Liter Altspeiseöl würden von Privathaushalten und Betrieben pro Jahr zusammenkommen. Auch in Tschechien, Polen, Deutschland und der Slowakei sei man in diesem Bereich tätig. In Slowenien und Rumänien sei man hier unmittelbar vor dem Start.

Wirtschaftlich geht es der Unternehmensgruppe gut. Die Geschäftszahlen für 2013 werden gerade finalisiert – ein Gewinn von rund 4,5 Millionen Euro (EGT) wird erwartet, so Bernd Brantner. Im Jahr davor sah das mit einem Minus von 2,7 Millionen Euro anders aus.

„Es wäre uns auch 2012 gut gegangen, wenn wir nicht Wertberichtigungen gemacht hätten“, so der Firmenchef. Es habe Altlasten gegeben, in Serbien habe man eine Firma aufgelöst und in Rumänien habe es starke Forderungsausfälle gegeben.

Krise in Rumänien überwunden

„In der Krise hatten wir in Rumänien sehr harte Zeiten“, erklärt Bernd Brantner die Hintergründe. Wie in anderen Ländern sei man auch hier in Bereichen wie Müllentsorgung, Straßenreinigung oder Winterdienst tätig. Nach Österreich mit rund 110 Millionen Euro Vorjahresumsatz sei das Land mit knapp 40 Millionen Euro – etwa so viel wie in der Slowakei – einer der drei wichtigsten Märkte für die Unternehmensgruppe.

„In Rumänien wird das Geld nicht von der Kommune überwiesen. Man muss von Haustür zu Haustür gehen“, erzählt Brantner. In Cluj (Klausenburg), wo man die Hälfte der 350.000 Einwohner betreue, habe man etwa 100 Geldeintreiber, die jeden Monat ihre Runden machten.

In der Wirtschaftskrise hätte man aber nur mehr 60 Prozent der Forderungen einholen können: „Da haben uns Millionen gefehlt.“ Man hätte das Geld nur zum Teil wiederbekommen – das habe sich in der Bilanz 2012 niedergeschlagen. „Mittlerweile haben wir in Rumänien das Management ausgetauscht und eine Eintreibungsquote von 95 Prozent. Wir sind dort sehr erfolgreich unterwegs, obwohl es schwierig bleibt“, weiß Brantner.

"Projekte auf Eis gelegt"

Im boomenden Markt Türkei steht die Gruppe noch auf der Bremse. Derzeit sei man dort nur mit einer Firma im Altmetallhandel operativ tätig. Der Jahresumsatz liege unter einer Million Euro.

„Aufgrund der seit einem Dreivierteljahr angespannten politischen Situation in der Türkei haben wir einige Projekte auf Eis gelegt, weil wir Investitionen als kritisch sehen“, sagt Bernd Brantner. Nun sei zwar die Wahl vorbei. Wie sich der Sieg des international umstrittenen Ex-Premiers Recep Tayyip Erdogans zum nunmehrigen Staatspräsidenten auf die wirtschaftliche Situation auswirken werde, könne er derzeit noch nicht abschätzen.

Man habe im Sommer jedenfalls eine zweite Firma gegründet – gemeinsam mit einem türkischen Partner. Sie soll Pellets aus Kunststoff als Ersatzbrennstoff – statt Kohle oder Gas – für die Zementindustrie produzieren. „Wir haben ein Projekt gestartet, das derzeit noch nichts kostet, weil wir erst einen Businessplan erstellen müssen“, erklärt der Firmenchef. Ob die Anlage gebaut werden soll, dürfte in den nächsten Wochen entschieden werden.


Daten & Fakten

  • Die Firmengruppe Brantner mit Sitz in Krems ist mit 70 Gesellschaften in den Bereichen Abfallwirtschaft, Transport und Facility Services tätig. Sie steht im Familieneigentum und wird von Bernd Brantner (36) geleitet. In acht Ländern sind über 3.000 Mitarbeiter beschäftigt.

  • 2012 schrieb die Gruppe einen Verlust von 2,7 Millionen Euro (EGT), für 2013 wird ein Gewinn von rund 4,5 Millionen Euro erwartet. Der addierte Vorjahresumsatz lag bei 245 Millionen Euro (110 Millionen in Österreich) – ein Plus von zwei Prozent.