Let’s Walz: „Sogar das Wasser schmeckt anders“. 232 Lehrlinge durften bisher Auslandserfahrungen im Zuge der Initiative sammeln. Einige von ihnen erzählen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 09. April 2019 (01:30)

Simon Janisch macht eigentlich eine Bäckerlehre beim 950-Mitarbeiter-Betrieb Haubi’s in Petzenkirchen (Bezirk Melk). Der Oberndorfer (Bezirk Scheibbs) ist begeisterter Bäcker. Das vergangene Monat hat Janisch in Belfast verbracht. Er hat sich für ein Auslandspraktikum im Zuge der Initiative „Let’s Walz“ von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer NÖ beworben.

Janisch war für vier Wochen bei der „Bread and Banjo Bakery“ beschäftigt, einer Neun-Mitarbeiter-Bäckerei in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Was hier anders ist als in Österreich? „Eigentlich alles“, sagt Janisch. „Sogar das Wasser schmeckt anders!“ Auch die Herangehensweise an die Arbeit ist ganz anders als daheim, sagt der 19-Jährige. Ruhiger, gemächlicher. „Der Teig hat hier viel mehr Stehzeit, deswegen entwickelt er mehr Aromen.“ Janisch spielt mit dem Gedanken, nach Belfast zurückzukehren: „Ich habe schon mit meiner Chefin hier gesprochen, ob ich nach dem Bundesheer für sechs Monate zurückkommen kann“, sagt er. Die Chefin wäre einverstanden. „Sie wollte sogar, dass ich gleich dableibe.“

„Ich werde meiner Mama jetzt mehr bei der Wäsche helfen.“ Lehrling Florian Markowitsch darüber, was er vom Praktikum abseits des Berufs nach Hause mitnimmt.

„Ich bin hier aufgenommen worden, als würde ich schon seit drei Jahren hier arbeiten“, erzählt auch Florian Markowitsch nur Positives von seinem ersten Arbeitstag bei „Wrights Accident and Repair“. Der Kfz- und Nutzfahrzeugtechniker ist im vierten Lehrjahr beim Flughafen Wien-Schwechat. Er hat die Zeit im Ausland nützen können, um neue Erfahrungen zu sammeln. Am Flughafen Wien ist er für das Innenleben der Autos als Mechaniker zuständig. In Belfast hingegen war er in einer Karosseriewerkstatt beschäftigt.

Und auch fürs tägliche Leben hat Markowitsch etwas gelernt: „Ich werde meiner Mama jetzt mehr bei der Wäsche helfen“, schmunzelt er. Denn die Lehrlinge leben für die Dauer ihres Praktikums zwar bei Gastfamilien, Wäsche waschen müssen sie aber selbst.

Doch nicht nur die Lehrlinge profitieren von der Auslandserfahrung – manchmal können sogar die Betriebe etwas lernen. Fleischerverarbeiter-Lehrling Mario Mitter aus Paudorf (Bezirk Krems) hat den Beschäftigten in „seinem“ Betrieb „Armstrong Meats“ in Belfast etwas beibringen können. „Ich habe ihnen gezeigt, wie man Würste abdreht“, erzählt der 17-Jährige. Jetzt arbeiten die zwölf Mitarbeiter im Betrieb nach der Methode, die Mitter ihnen gezeigt hat.

Bei aller Zufriedenheit gibt es auch das ein oder andere Problem, dass den Lehrlingen bei ihren Aufenthalten erwächst: Caroline Gally, Bürokauffrau-Lehrling, berichtet von Schwierigkeiten mit der Gastfamilie. Und Bankkauffrau-Lehrling Celina-Christina Stich wurden Handy und Geldbörse beim Warten auf den Bus gestohlen. Das Handy wurde ihr von der Wirtschaftskammer Niederösterreich bereits ersetzt.