Oliver Schubert: "Agieren weiter autonom". Seit einem Jahr ist Lichtsystemehersteller ZKW in Besitz von LG. CEO Schubert im Gespräch.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 30. Juli 2019 (02:28)
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Oliver Schubert, CEO der ZKW Group GmbH, und Kyeong Ryeol Park, CFO der ZKW Group GmbH, der seit dem Vorjahr die direkte Verbindung zwischen dem Managementboard der ZKW Group und LG darstellt.
ZKW

NÖN: Am 3. August 2018 war das Closing zwischen LG und ZKW. Der südkoreanische Elektronikriese übernahm 100 Prozent der Anteile des Lichtsystemeherstellers mit Hauptsitz in Wieselburg. Was hat sich in dem einen Jahr für ZKW verändert?
Oliver Schubert: Im operativen Geschäft hat sich wie auch vertraglich vereinbart nichts verändert. Da agieren wir weiterhin autonom. Gleichzeitig sind wir in der Umsetzung der erhofften Synergieeffekte schon weit fortgeschritten. Da wird es aber noch weitere Schritte geben.

In welchen Bereichen ergeben sich konkrete Synergieeffekte?
Schubert: LG ist eine Einkaufsmacht im Elektronikbereich. Im Vergleich dazu ist ZKW in diesem Bereich sehr klein. Wir profitieren beim Einkauf vor allem bei Elektronikbauteilen wie auch bei Kunststoffgranulaten. Gleichzeitig ergeben sich Synergien bei LED-Lichtquellen – diese werden bei LG bedarfsgerecht entwickelt und können von dort auch eingekauft werden.

Die LED-Technologie verdrängt bei Scheinwerfern in der Automotive-Branche immer mehr das Halogenlicht – auf allen Sektoren?
Schubert: Ja genau. Die LED-Technologie ist in der Automotive-Branche bei sämtlichen Beleuchtungen die Technologie der Zukunft. Und genau diese Lichtquelle ist eine der Kerntechnologien von LG. Wir entwickeln gemeinsam diese Technologie für den automotiven Bedarf weiter. Gleichzeitig können wir die LED-Technologie intern von LG Innotek beziehen.

Seit einem Jahr weht vor dem ZKW-Headquarter in Wieselburg auch die südkoreanische Fahne direkt neben den Fahnen der anderen sechs Länder, in denen ZKW Werksstandorte hat. Ganz links vorne die Wieselburg-Fahne, die seit kurzem die Niederösterreich-Fahne ersetzt. „Auch das unterstreicht die Bedeutung unseres Stammsitzes“, betont CEO Oliver Schubert.
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Die LED-Technologie wird auch immer in Zusammenhang mit autonomem Fahren genannt. Wie sehr bringt LG hier seine Kompetenz ein?
Schubert: Auch in diesem Bereich entwickeln wir für unsere Kunden gemeinsame Lösungen. Die Front- und Hauptscheinwerfer sind ein Bereich des Fahrzeuges, wo man witterungsgeschützt Kameras und Sensorik für das autonome Fahren einbauen kann. Wir bereiten gemeinsam mit LG ganze Subsysteme in Hinblick auf das autonome Fahren vor.

Apropos Kunden. ZKW ist nun seit einem Jahr in koreanischer Hand. Dennoch zählen die koreanischen Autohersteller wie Hyundai oder Kia nicht zu Ihrer Kundenliste. Gibt es da kein Interesse?
Schubert: Doch, ganz im Gegenteil. LG agiert in diesem Bereich durchaus als Türöffner. Als europäischer Hersteller gestaltet sich der Markteintritt schwierig. Dank LG gibt es jetzt mit koreanischen Autoherstellern erste konkrete Gespräche und Projekte, die gemeinsam entwickelt werden. Hier sind wir in der Bearbeitung und ich bin zuversichtlich, dass es bald die ersten Aufträge gibt.

Wie schaut die Auftragslage generell bei ZKW aus? Der positive Wachstumskurs der Autobranche im Automobilsektor der letzten zehn Jahre setzt sich nicht fort. Es werden weniger Autos verkauft. Wie sehr spürt man das direkt als Zulieferer?
Schubert: Der Boom der letzten zehn Jahre flaut ab – sogar im größten Wachstumsmarkt der letzten Jahre in China. Das trifft auch unsere Kunden und dadurch auch uns. Allerdings ist unser Auftragsbestand so hoch wie noch nie. Nichtsdestotrotz müssen wir Investitionen kritischer prüfen. Daher haben wir uns entschlossen, keinen neuen Standort in Osteuropa zu suchen, sondern die Auftragseingänge in unserem Werksverbund umzuverteilen und gleichzeitig hier die Kapazitäten auszubauen und auszuschöpfen. Das garantiert uns eine solide Auslastung über die nächsten Jahre hinweg.

Kann man in dieser Situation das geplante weitere Umsatzwachstum erreichen? Im ersten Jahr unter LG bedeuteten die 1,34 Milliarden Euro ja einen neuen Rekordumsatz für die ZKW-Group.
Schubert: Unser aktueller Auftragsbestand ist der höchste der Unternehmensgeschichte. Aber der Markt und damit der Umsatz kühlen gegenüber den Planzahlen ab. Dennoch wird es uns gelingen, die geplante Umsatzrendite zu erreichen.

Gehen wir zurück zu LG. LG hat sich durch den Kauf von ZKW in den automotiven Bereich „eingekauft“. Die Marke ZKW blieb aber erhalten, obwohl LG ja selbst bereits Heckleuchten produziert.
Schubert: Ja, aber LG hat diesen Bereich erst seit rund fünf Jahren aufgebaut. Die Umsätze werden mit Kunden gemacht, die auch bereits Kunden von ZKW sind. ZKW steht in der Automotive-Branche für Innovation und Qualität. Das weiß auch LG. Wir sind das anerkannte Kompetenzzentrum für die Außenbeleuchtung von Fahrzeugen und werden auch im Bereich Heckleuchten noch enger zusammenwachsen.

Mit der Übernahme durch LG ist aber das Management-Board der ZKW-Group angewachsen. Kyeong Ryeol Park ist zweiter Finanzchef. Wie viel Korea ist sonst in der ZKW-Group verankert?
Schubert: Wir haben mit dem koreanischen Vertreter Kyeong Ryeol Park einen zweiten CFO in unserem fünfköpfigen Management-Board, der sich vor allem um das Reporting kümmert. Darüber hinaus werden wir im Headquarter in Wieselburg von weiteren drei koreanischen Kollegen unterstützt. Wir haben vier Boardmeetings mit dem Top-Management von LG im Jahr, von denen zwei in Korea und zwei in unseren ZKW-Werken stattfinden. Aber natürlich sind wir nun als börsennotiertes Unternehmen auch gewissen Berichtserstattungsmechanismen unterworfen.

Ein Vorteil oder eher mühsam?
Schubert: Ich sehe es als Vorteil, weil es noch mehr Professionalität in den Bereichen Risk Management, internal Audit oder Compliance mit sich bringt. Wir bewachen mit der neu geschaffenen Abteilung Corporate Governance, der die genannten Bereiche angehören, die Einhaltung der Regeln eines börsennotierten Unternehmens.